Den Athleten und Fans die Angst nehmen

OLYMPISCHE SPIELE ⋅ Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lädt seine Vollversammlung ab Mittwoch zur 131. Session nach Lima. Die wichtigsten Fragen und Antworten vor der Tagung in Peru.
12. September 2017, 07:58

Worum geht es bei der Vollversammlung in Lima?

Das Highlight der Tagesordnung ist die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2024 und 2028. Weil das IOC sich bereits im Vorfeld für eine Vergabe an Paris (2024) und Los Angeles (2028) entschieden hat, geht es nur noch um einen formalen Akt. Die Verkündung ist für Mittwoch (zirka 21.00 Uhr MESZ) geplant, nachdem sich beide Städte erneut kurz präsentiert haben.

Ist die Doppelvergabe sinnvoll?

Ja, mit Paris und Los Angeles gab es nur noch zwei Kandidaten für 2024, die sehr wichtig für das IOC sind und mit denen es sich der Ringe-Orden auf keinen Fall verscherzen wollte. Das IOC hat durch die frühzeitige Vergabe genug Luft, das Bewerbungsverfahren gründlich zu erneuern.

Womit befasst sich das IOC in Lima noch?

Wichtige Themen dürften auch die militärischen Provokationen Nordkoreas, die vor allem für die Olympischen Winterspiele 2018 im nur 80 Kilometer entfernten Pyeongchang in Südkorea eine Bedrohung darstellen, und die jüngsten Korruptionsvorwürfe gegen IOC-Funktionäre sein. Beide Punkte stehen zwar nicht auf der Tagesordnung, werden dennoch für viel Gesprächsstoff sorgen.

Gibt es Lösungsansätze?

Mit Blick auf Nordkorea setzt IOC-Präsident Thomas Bach auf einen Antrag der UN-Vollversammlung, deren Mitglieder derzeit über eine Resolution der Generalversammlung über einen olympischen Waffenstillstand verhandeln. So könnte Athleten und Zuschauern die Angst vor einer Reise nach Pyeongchang zumindest etwas genommen werden.

Wie reagiert Bach auf die Korruptionsvorwürfe gegen Funktionäre?

Im Falle von Carlos Arthur Nuzman, dem OK-Chef von Rio de Janeiro, und dem Verdacht der Bestechung von IOC-Mitgliedern vor der Olympia-Vergabe an die Brasilianer, betonte der IOC-Vorsitzende Thomas Bach, dass man zur Aufklärung des Falles beitragen werde und mit der Staatsanwaltschaft kooperiere. Der womöglich in den Olympia-Ticketskandal von Rio de Janeiro verwickelte Ire Patrick Hickey trat am Wochenende von seinem Amt als IOC-Exekutivemitglied zurück.

Sind in der Doping-Krise um Russland endlich Entscheidungen zu erwarten?

Nein. IOC-Exekutivmitglied Gian Franco Kasper sagt, dass die Ergebnisse der beiden vom IOC ins Leben gerufenen Untersuchungskommissionen noch nicht vorliegen und daher keine Sanktionen verhängt werden können. Ohnehin hat das IOC kein Interesse daran, seine «Krönungsmesse» für Paris und Los Angeles mit dem Reizthema Russland zu belasten. Doch alteingesessene IOC-Mitglieder wie der Kanadier Dick Pound kritisieren, dass das IOC zu viel Zeit verstreichen lässt. «Es ist auch für mich schwierig zu erklären, warum das IOC nichts unternimmt», sagte der Kanadier dem ZDF. Und Ermittler Richard McLaren, der durch seine Untersuchungen den Stein ins Rollen brachte, wiederholte seine Anschuldigungen gegen Russland: «Ich bleibe dabei. Es war ein gigantisches Dopingssystem», so McLaren, «es lief über Jahre, es waren keine Einzelfälle, es war ein System.»

Sitzt Thomas Bach als IOC-Präsident weiter fest im Sattel?

Ja. Die wichtigen Entscheidungen wird der erste deutsche IOC-Präsident auch in Lima einstimmig durchsetzen. Innerhalb des IOC wird er zumeist geschätzt, ausserhalb scheiden sich die Geister an ihm. Das wird auch die Halbzeitbilanz seines Reformwerkes Agenda 2020 zeigen, die ebenfalls in Lima auf dem Programm steht. (sid)


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