Der mutige, sonderbare Mr. Reed

GOLF ⋅ Mit dem Sieg beim 82. US Masters feierte Patrick Reed den grössten Triumph seiner Karriere. Er hat dabei mutiges Golf gezeigt – es widerspiegelt die mutigen Entscheidungen abseits des Greens.
10. April 2018, 04:39

Nicolas Reimer (SID), Augusta

sport@luzernerzeitung.ch

 

Patrick Reed nahm die Modesünde bewusst in Kauf, der 27-Jährige ist schliesslich seit jeher um Aufmerksamkeit bemüht. Im pinken Shirt und dem wohl begehrtesten grünen Jackett der Welt schritt der Texaner stolz über die Anlage des Augusta National Golf Club – und bejubelte den Triumph beim US Masters mit der Person, die ihm am nächsten stand. «Ich danke vor allem meiner Frau, die mich schon immer unterstützt hat», sagte Reed. Was zunächst wie eine zigfach geäusserte Plattitüde klang, besass einen wahren Kern: Denn Ehefrau Justine ist die mentale Stütze des sonderbaren Mr. Reed.

Auch aufgrund der psychischen Stabilität war es ihm am finalen Sonntag gelungen, die Angriffe der Rivalen zu kontern. Zu Beginn der Runde hatte Nordirlands Star Rory McIlroy attackiert, auf den Schlussbahnen dann Reeds Landsleute Rickie Fowler und Jordan Spieth. Sie mussten sich mit den Plätzen zwei und drei begnügen, weil Reed in den brenzligen Situationen sein bestes Golf auspackte. «Ich habe das Golf gezeigt, das ich benötige, um dort hinzukommen, wo ich sein will», sagte Reed, der in seiner selbstüberzeugten Art nachschob: «Ich will die Nummer eins der Welt werden.» Durch den Triumph beim ersten Major der Saison verbesserte er sich auf Rang elf der Weltrangliste, «aber ich hoffe, dass ich noch viel erreichen kann».

Zuzutrauen ist es ihm nach der Gala-Vorstellung an der Magnolia Lane jedenfalls. Während Superstar Tiger Woods einen 32. Rang belegte, hatte Reed bei seinem fünften Masters-Start schon nach der zweiten Runde an der Spitze gelegen.

Er stellt sich mit Tiger Woods auf eine Stufe

Die Leistung würdigte auch US-Präsident Donald Trump, der in einem Tweet von einem «grossen und mutigen Sieg» schrieb. Die Courage, mit der Reed immer wieder attackierte, stellte eine Parallele zu seinem bisherigen Leben dar. Schon zu College-Zeiten hatte Reed mutige, mitunter sogar unerlaubte Entscheidungen getroffen. So soll er einmal einen fremden Ball gespielt haben, weil sein eigener zu tief im Rough lag. Dass er wegen des seit mehreren Jahren andauernden Familienstreits weiterhin seine Eltern von Turnieren auslädt, ist zudem auch kein einfacher Entschluss. «Ich bereue nichts», meinte Reed, der sich bereits vor Jahren mit einem gewissen Tiger Woods und «den anderen Legenden des Golfs» auf eine Stufe gestellt hatte. «Ich stehe zu allem, was ich mache und sage.»

US Masters

Augusta, Georgia (11 Mio. Dollar/Par 72). Schlussklassement nach vier Runden: 1. Reed (USA) 273. 2. Fowler (USA) 274. 3. Spieth (USA) 275. 4. Rahm (ESP) 277. 5. McIlroy (NIR) 279, Watson (USA) 279, Stenson (SWE) 279 und Smith (AUS) 279. 9. Leishman (AUS) 280. 10. Johnson (USA) 281 und Finau (USA) 281. 12. u.a. Rose (ENG) 282. Ferner: 17. Thomas (USA) 284. 20. Day (AUS) 286. 32. Woods (USA) 289 und Scott (AUS) 289. 36. Mickelson (USA) 290. 38. Fitzpatrick (ENG) 291, Couples (USA) 291 und Langer (GER) 291. 48. Kaymer (GER) 294.


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