Diesem Arzt vertrauen die Sportler

OLYMPIA ⋅ Patrik Noack ist Arzt von Olympiasiegern und nun höchster Sportmediziner der Schweiz. An den Winterspielen 2018 ist der 43-Jährige erstmals als leitender Mediziner von Swiss Olympic im Einsatz.
29. November 2017, 08:21

Patricia Loher

Für Patrik Noack haben die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang längst begonnen. Der Rorschacher weiss alles über den Austragungsort: über die ­Anfahrtswege zu den Spitälern oder über die medizinischen Einrichtungen an den Wettkampfplätzen. Kürzlich reiste der 43-Jährige mit Chef de Mission Ralph Stöckli ins asiatische Land, um ein letztes Mal den Stand der Vorbereitungen zu begutachten. Im Zentrum von Noacks Interesse: Wie steht es um Arbeitsplätze für Ärzte und Physiotherapeuten im Athletendorf? Wie steht es um die Ernährung? Olympische Spiele in anderen Kulturkreisen sind für die medizinische Abteilung eine aussergewöhnliche Herausforderung. In den vergangenen Monaten haben Noack und seine Kollegen während Stunden recherchiert, um die Athleten und die Betreuer auf die besonderen Umstände in Südkorea und die Olympischen Spiele an sich vorzubereiten.

Noack, der für die Winterspiele in Südkorea einem Team mit 8 Ärzten, 24 Physiotherapeuten, einem Osteopathen und einem Sportpsychologen vorsteht, veranstaltete Workshops in Nottwil. Die Sportler wissen nun, was sie erwartet im Februar in Asien. An der Hand herumführen wird das Ärzteteam die Athletinnen und Athleten aber nicht. «Es liegt auch an den Sportlerinnen und Sportlern, die Risiken zu ­minimieren», so Noack. Dabei gehe es unter anderem um die persönliche Infektprophylaxe mittels Grippeimpfung, die Vorbereitung auf eine lange Anreise oder um die Ernährung, auch wenn schon länger feststeht, dass Swiss Olympic in den Unterkünften ausserhalb des olympischen Dorfes einen eigenen Koch vor Ort haben wird. «Aber auch er muss wissen, wenn ein Athlet das eine oder andere nicht verträgt», sagt Noack.

Im Sommer haben sich ­Noack und Swiss Olympic auf ein langfristiges Engagement als Chief Medical Officer, also als «leitender Arzt», an Olympia bis zu den Winterspielen 2022 in Peking geeinigt. Chef de Mission Stöckli sagte damals: «Er ist ein ausgewiesener Fachmann und in der nationalen und internationalen Sportwelt hervorragend vernetzt. Ausserdem geniesst er das Vertrauen von den Athleten und von den Verbandsvertretern.»

Das Wichtigste ist die Prävention

Schon seit zehn Jahren arbeitet Noack mit Dario Cologna zusammen, und auch Nicola Spirig, Nino Schurter oder Jolanda Neff zählen auf den Ostschweizer Arzt. Noack hat ihre Karrieren begleitet, wenn sie anrufen, ist der Mediziner zur Stelle. Der St. Galler kennt seine Sportlerinnen und Sportler fast in- und auswendig. Und muss dabei als Chief Medical Officer stets auch das grosse Ganze im Auge behalten.

Er ist nicht nur für die medizinische Betreuung der Schweizer und Liechtensteiner Athleten verantwortlich, sondern auch dafür, dass sämtliche medizinischen Informationen und Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees und des lokalen Organisationskomitees umgesetzt werden.

Nur ist Patrik Noack inzwischen ein Routinier. Schon an den Olympischen Spielen 2008 in Peking, 2010 in Vancouver, 2012 in London, 2014 in Sotschi und 2016 in Rio de Janeiro stand er für Swiss Olympic im Einsatz, damals noch als ­Delegationsarzt. Ausserdem hat er als Verbandsarzt der Langläufer, der Leichtathleten, der Triathleten, der Bobfahrer oder der Mountainbiker manche Einsätze an Weltmeisterschaften hinter sich. Vor Ort ist Noack jeweils für die Umsetzung der bereits zuvor eingeleiteten Präventionsmassnahmen zuständig: «Damit die Athleten gesund bleiben. Dies ist der wichtigste Teil meiner Aufgabe, denn gemäss IOC-Statistiken kann bis zu einem Drittel der Athleten die Leistung nicht abrufen aufgrund eines Infektes oder einer Verletzung.»

Noack, der als Läufer des LC Brühl bis ins Juniorenalter Leistungssport betrieb, ist in Rorschach aufgewachsen. Nach dem Medizinstudium arbeitete er als Assistenzarzt in Magglingen, wo er je länger, desto mehr Einblick in die Welt des Spitzensports erhielt. Aber natürlich wird man als Sportmediziner in der Schweiz nicht reich. So ist Noack haupt­beruflich Leiter des Zentrums für Medizin und Sport im Säntispark in Abtwil, das als Swiss Olympic Medical Center zertifiziert ist und zur Medbase AG gehört. Er sehe sich primär als Hausarzt, die Sportmedizin sei eine «schöne Ergänzung», sagt der zweifache Familienvater.


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