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Freudentänzchen «Indian Style»

13. April 2018, 15:31

Die Freude über ein gewonnenes Spiel schweisst eine Mannschaft zusammen. Das ist zwar beileibe keine neue Erkenntnis, aber wenn es so bildlich dargestellt wird wie am 6. April im Progressive Field in Cleveland, ist es allemal eine Bemerkung wert.

Rajai Davis und Francisco Lindor von den Cleveland Indians zelebrierten den Jubel nach dem 3:2-Sieg gegen die Kansas City Royals mit einem Tänzchen, das auf allerhöchstem Niveau angesiedelt ist – so zumindest wirkt es auf diesem Bild.

Nun sind die beiden nicht die einzigen, die sich graziös in Szene setzen. Mitunter hat man heute den Eindruck, dass in einigen Sportarten der Jubel intensiver trainiert wird als die Disziplin selber. Erst vor wenigen Tagen verletzte sich der amerikanische Golf-Profi Tony Finau beim Jubel über ein «Hole in one». Beim Freudentanz renkte er sich bei einem Misstritt den linken Knöchel aus. Kein schönes Bild, doch bestimmt ein bleibendes Erlebnis.

Die Herren auf unserem Bild haben den Jubel aber gut überstanden. Sie haben auch Erfahrung damit, weil sie in den beiden vergangenen Saisons ziemlich erfolgreich spielten und mehr Grund zur Freude als zum Weinen hatten.

Dass die Figur ihrer Choreografie an die indische Gottheit Shiva erinnert, ist bestimmt Zufall. Es handelt sich bei unseren Akteuren ja auch um Baseballspieler in der amerikanischen Major League Baseball und nicht um Cricket-Sportler in Indien. Letztere sind in Indien weitaus populärer, weshalb man vielleicht eher von denen einen gottgleichen Tanz nach einem erfolgreichen Spiel erwarten könnte.

Man könnte die Geschichte der amerikanischen Baseballer noch etwas weiter drehen und den Männern andichten, dass sie sich selber derart elegant präsentieren müssen, weil es in der Major League Baseball im Gegensatz zur National Football League oder der National Basketball Association keine Cheerleader gibt, die das Publikum in den Spielpausen unterhalten.

Doch unter dem Strich spielt das ja keine Rolle. Wichtig ist, dass es etwas zu feiern gibt und die Unbeschwertheit, die im Sport gelten sollte, siegt. Im Falle der Indians ist dies aus sportlicher Sicht der Fall, zumal sie auch in der aktuellen Saison eine positive Bilanz aufweisen. Wobei erst gerade 12 von 162 Runden gespielt sind.

Etwas verkrampfter präsentiert sich die Situation abseits des Spielfelds. Die Indians, deren Trikots seit 1947 «Chief Wahoo» schmückt (am Ärmel), werden ab der Saison 2019 auf den Cartoon des lachenden Indianers verzichten. Die Darstellung einer Rothaut ist aus Sicht einiger Gruppierungen amerikanischer Ureinwohner und Aktivisten rassistisch und beleidigend. Diese Ansicht teilen längst nicht alle Fans und Ureinwohner. Dass deshalb das Kriegsbeil ausgegraben wurde, finden viele zum Weinen.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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