Hergiswil gerät in den Abstiegsstrudel

RINGEN ⋅ Mit einem Exploit gegen den Rekordmeister Willisau schafft Einsiedeln völlig überraschend den Halbfinal-Einzug. Der letztjährige Finalist Hergiswil muss in die Abstiegs-Playoffs.
13. November 2017, 07:36

Simon Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Am Schluss der Qualifikationsphase kam in der Teammeisterschaft doch noch etwas Spannung auf. Die grosse Frage vor der 10. und letzten Runde war: Erreicht Schattdorf, Hergiswil oder gar Einsiedeln den zweiten Halbfinal gegen Kriessern? ­Am wenigstens hatte man mit einem Sieg von Einsiedeln gegen Wil­lisau gerechnet.

Doch genau dieses Szenario traf ein. Nach einer Niederlagenserie in der Vorrunde rappelten sich die Schwyzer in den letzten Begegnungen wieder auf. Sie zeigten auch gegen den Rekordmeister keinen Respekt und lagen bei Halbzeit bereits mit 12:6 in Führung. Den Grundstein zum überraschenden Einzug in die Halbfinals legte das Brüdertrio aus der bekannten Ringerdynastie Neyer. Jan, Yves und Sven wuchsen dabei über sich hinaus und gingen allesamt als souveräne Sieger von der Matte.

Willisau von Beginn weg unter Druck

Bei Willisau, das auf die beiden Spitzenkönner Stefan Reichmuth (krank) und Marco Riesen (Einsatz als Leihringer bei Martigny) verzichten musste, lief von Beginn weg nicht alles rund. Die Luzerner Hinterländer holten lediglich vier Siege. Dieser Umstand beunruhigt Cheftrainer Thomas Bucheli im Hinblick auf das Halbfinale jedoch nicht, denn er kennt die Gründe. «In den letzten zwei Wochen haben wir für die kommenden Halbfinals hart trainiert. Deshalb waren einige Ringer körperlich am Anschlag und gaben so unnötige Punkte ab. Wir müssen uns allerdings keinen Vorwurf machen, mit dieser Niederlage die Halbfinalpaarungen beeinflusst zu haben.» Alle unsere verfügbaren Athleten waren im Einsatz, aber Einsiedeln zeigte eine reife Leistung.»

Mit dem Messer am Hals kämpften Schattdorf und Hergiswil im brisanten Derby in der propenvollen Grundmatte-Halle um jeden Punkt. Für beide Teams ging es um den vierten Halbfinalplatz oder um den Abstiegskampf. Die Urner hatten dazu extra ihr Aushängeschild Nicolas Christen aus Lettland einfliegen lassen. Der 23-Jährige trainiert dort momentan für die U23-WM. Das grosse Talent blieb seinem Ruf nichts schuldig. Dank des 15:0-Sieges im letzten Duell des Abends gegen Philipp Kunz siegten die Gastgeber mit 21:17.

Hergiswil im Abstiegsmodus

Vor dem letzten Kampf stand die Partie noch ausgeglichen 17:17. «Natürlich trauern wir dem entgangenen Halbfinalkampf nach, aber wir sind gleichzeitig erleichtert, dass wir mit Platz fünf nicht in die Abstiegsspirale geraten sind. Das wäre gar nicht nach unserem Gusto gewesen», erklärte Michael Jauch, der Cheftrainer von Schattdorf.

Die Hergiswiler verloren den Faden schon in der ersten Halbzeit. In den schweren Gewichtsklassen gab Thomas Suppiger gegen Elias Kempf unnötig einen Punkt ab, sein Bruder Martin verlor den Fight gegen Michael Jauch nach einem Hüfterangriff. Zwei Viererwertungen gingen zudem in den leichten Gewichtsklassen an den Gegner. «Unsere Mannschaft ist angeschlagen und dezimiert angetreten. Trotzdem hofften wir mit etwas Glück auf einen Erfolg. Wir liessen jedoch zu viele Chancen aus. Jetzt müssen wir in den sauren Apfel beissen und um den Ligaerhalt bangen. Das wird keine einfache Sache», weiss Daniel Stadelmann, der Präsident der Ringerriege Hergiswil. Für die Napfringer ist es seit dem letzten Aufstieg in die NLA im Jahr 2005 die mit Abstand schlechteste Saison, holten sie doch in den zehn Begegnungen nur einen einzigen Sieg.

Männer, NLA

Teammeisterschaft, 10. Runde: Einsiedeln – Willisau 20:17. Freiamt – Kriessern 25:13. Schattdorf – Hergiswil 21:17. – Rangliste (alle 10 Kämpfe): 1. Kriessern 17. 2. Freiamt 15. 3. Willisau 14. 4. Einsiedeln 6. 5. Schattdorf 6. 6. Hergiswil 2.

Playoff-Halbfinals (Best-of-3-Serie). Samstag. 20.00: Einsiedeln – Kriessern (Brüel). Willisau – Freiamt (BBZ). – Abstiegs-Playoff: Hergiswil trifft auf den NLB-Sieger Brunnen oder Martigny.

Schattdorf – Hergiswil 21:17

57 kg: Sergio Gamma v. Thomas Wisler 1:2. – 61 kg: Simon Gerig s. Patrick Rölli 4:0. – 65 kg: Sven Gamma s. David Wisler 4:0. – 70 kg: Renato Kempf v. Martin Grüter 0:4. – 74 kg: Mateo Dodos s. Fabian Aregger 4:0. Nicola Christen s. Philipp Kunz 4:0. – 80 kg: Lucas Epp v. Julius Kurmann 1:3. – 86 kg: Luca Kempf v. Raphael Kaufmann 0:4. – 97 kg: Michael Jauch s. Martin Suppiger 2:1. – 130 kg: Elias Kempf v. Thomas Suppiger 1:3.

Einsiedeln – Willisau 20:17

57 kg: Patrick Dähler s. Mansur Malaev 3:0. 61 kg: Dany Kälin v. Timon Zeder 0:4. – 65 kg: Michel Schönbächler s. Michael Portmann 4:0. – 70 kg: Jan Neyer s. Mirco Studer 4:1. – 74 kg: Tim Zehnder v. Roger Heiniger 0:4. Yves Neyer s. Tobias Portmann 2:1. – 80 kg: Matthias Käser v. Jonas Bossert 1:3. – 86 kg: Andreas Burkard v. Andreas Reichmuth 1:2. – 97 kg: Sven Neyer s. Samuel Scherrer 2:1. – 130 kg: Andry Vysar s. Thomas Bucheli 3:1.


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