WM-Bronze für Giulia Steingruber am Sprung

KUNSTTURNEN ⋅ Giulia Steingruber holt an der WM in Montreal sensationell WM-Bronze am Sprung. Es ist die erste WM-Medaille für die 23-jährige St. Gallerin. Gold geht an Maria Paseka aus Russland.
Aktualisiert: 
07.10.2017, 22:31
07. Oktober 2017, 20:19

Erst knapp neun Monate ist es her, seit sich Giulia Steingruber einer Operation am rechten Knöchel unterzogen hatte. Die Teilnahme in Kanada galt als Zwischenziel und diente als Motivation auf dem langen Weg zurück an die Spitze, der sich gelegentlich auch als steinig erwiesen hatte. Stets wusste Steingruber, dass sie ihr Niveau von 2016, als sie Doppel-Europameisterin und Olympia-Dritte wurde, in diesem Jahr noch nicht wieder erreichen würde. Die Titelkämpfe in Montreal sollten als Wiedereinstieg dienen.

Im Olympiastadion von 1976 verblüffte Steingruber aber wieder einmal alle. Bereits in der Qualifikation und im Mehrkampf hatte sie überzeugt und war ohne Sturz durch den Wettkampf gekommen. Und nur 17 Stunden nach dem ausgezeichneten 7. Platz im Mehrkampf, ihrem zweitbesten Ergebnis an Weltmeisterschaften, setzte die Ostschweizerin noch einen drauf und schloss mit dem Gewinn ihrer ersten WM-Medaille die letzte Lücke in ihrem eindrücklichen Palmarès. "Die Medaille bedeutet mir sehr, sehr viel, sie ist eine grosse Belohnung. Ein Traum ging in Erfüllung", sagte Steingruber.

Die Schweizerin hatte den Wettkampf der acht Finalistinnen eröffnet. Zwar gelang ihr wie im Mehrkampffinal der Tschussowitina nicht mehr ganz so perfekt wie in der Qualifikation, die sie als Dritte beendet hatte, zudem kassierte sie wegen eines Übertritts noch zusätzlich einen Zehntel Abzug. Den Jurtschenko mit der doppelten Schraube brachte sie aber erneut sicher in den Stand. Danach begann das lange Warten.

Viermal war sie vor Montreal bereits in einem Sprungfinal gestanden, der Sprung auf das Podest war ihr aber stets verwehrt geblieben. Entweder turnte die Konkurrenz schwieriger und besser, sie stürzte wie 2015 in Glasgow, oder es fehlte das Quäntchen Glück. In Montreal schlug sich dieses aber wie bereits vor einem Jahr in Rio de Janeiro auf ihre Seite.

Nur die favorisierte Titelverteidigerin Maria Paseka aus Russland und die Amerikanerin Jade Carey, die beide klar schwieriger turnten als die Konkurrenz, zogen an Steingruber vorbei. Und als die letzte Finalistin Sae Miyakawa aus Japan bei ihrem zweiten Sprung stürzte war die zweite WM-Medaille einer Schweizerin nach Silber von Ariella Kaeslin 2009 in London am Sprung perfekt. (sda)


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