Kolumne

Bis jetzt war’s okay

Livio Wenger, Eisschnellläufer aus Schenkon, berichtet in regelmässigen Abständen für unsere Zeitung über sein Olympia-Abenteuer.
15. Februar 2018, 04:41

Meine Rennen über 5000 und 1500 Meter waren okay, sowohl von der Zeit als auch von der Rangierung her. Natürlich wäre ich gerne über mich hinausgewachsen, aber kleine technische Fehler vor allem auf den Geraden liessen nicht mehr zu. Zudem war mein Fokus nie voll auf diese Einsätze gerichtet. Vor einem Jahr hätte ich nicht im Geringsten daran gedacht, dass ich mich über diese beiden Distanzen für Olympia qualifizieren würde. Mein Coach Kalon Dobbin war nicht unzufrieden, und wir freuten uns über den 4. Rang meines Trainingspartners Peter Michael im 5000-Meter-Rennen.

Im Massenstartrennen werden die Karten neu gemischt. Denn je enger die Kurven ge­fahren werden müssen, desto wohler fühle ich mich. Ich habe das im Training stark forciert, und von den Inlineskatingrennen bin ich mir das Laufen im Pulk gewohnt. Das gestrige Massenstarttraining war unglaublich hart, aber äusserst gelungen. In den nächsten Tagen sind vor allem Erholung und Regeneration angesagt. Zudem will ich in den technischen Trainings meine Position so korrigieren, dass ich am 24. Februar tiefer laufen kann.

Das erstmals an Olympia durchgeführte Massenstart­rennen dauert 16 Runden (6,4 km): zuerst die beiden Halbfinals mit je 12 Läufern und eine Stunde später der Final mit 16 Athleten. Ich werde mich in den nächsten acht Tagen möglichst zurückziehen und die innere Spannung für diesen Event aufbauen. Je nach Wetter kann ich vielleicht die Langläufer an der Strecke unterstützen, ein Eishockey- oder ein Curlingspiel anschauen und auch mal ausserhalb des Olympic Village essen gehen. Langweilig wird es mir sicher nicht, denn diese Spiele sind für mich ein Super­erlebnis. In Peking will ich in vier Jahren unbedingt wieder dabei sein.

Das Fest zur ersten Schweizer Medaille im House of Switzerland habe ich gestern Abend besonders genossen. Denn Jenny Perret und Martin Rios waren mit mir die ersten Bewohner des olympischen Dorfes, und wir haben uns angefreundet. Ich habe all ihre Spiele verfolgt und sie meine Läufe. Überhaupt sind der Zusammenhalt und die Stimmung im Swiss Olympic Team ausgezeichnet. Das lässt doch auf noch mehr Medaillen hoffen.

Livio Wenger (25) aus Schenkon ist der erste Schweizer Eisschnellläufer, der im Weltcup ­einen Podestplatz erreicht hat. ­ Er berichtet in regelmässigen Abständen für unsere Zeitung über sein Olympia-Abenteuer.

Livio Wenger, Eisschnellläufer

sport@luzernerzeitung.ch


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