Lena Häcki zeigt ihr Zimmer

OLYMPISCHE SPIELE ⋅ 125 der rund 3500 Betten im olympischen Dorf in Pyeongchang sind derzeit von Schweizern belegt. Die Biathletinnen Lena Häcki und Irene Cadurisch öffnen die Türen für einen Besuch.
08. Februar 2018, 17:15

Lena Häcki und Irene Cadurisch lehnen sich vorsichtig auf das Balkongeländer. Ihr Blick schweift vom Zimmer im 9. Stock genauso nach unten wie nach oben. Von Bergen ist hier nichts zu sehen. Hochhaus reiht sich an Hochhaus. «Als Dorfchindli staunt man schon über die riesigen Häuser», sagt die Engelbergerin Häcki lachend.

Die Biathletinnen Häcki und Cadurisch bewohnen eines der Zimmer im von Schweizern, Argentiniern und Isländern bewohnten Hochhaus. Kleine Schweizer Kreuze zieren alle Fenster. Die Deutschen und Italiener nebenan haben mit grösserer Kelle angerichtet, fast ihre gesamte Hausfassade ziert eine schwarz-rot-goldene respektive grün-weiss-rote Fahne. Innen sehen alle Zimmer gleich aus: zwei Betten, zwei Nachttischchen, ein Schrank, ein Kleiderständer, ein kleiner Fouton. Die Unterkünfte im Athletendorf sind nicht luxuriös, aber sauber und zweckmässig. Ein eigenes Badezimmer gibt es nicht, dafür eine Küche, in der Socken und Stirnbänder trocknen. Die koreanische Frau eines Teambetreuers hat zudem frische Erdbeeren mitgebracht.

Einzelzimmer gibt es nur für einige verdiente Sportler wie Selina Gasparin, die Silbermedaillengewinnerin von Sotschi. Für Häcki und Cadurisch ist das Zusammenleben auf engem Raum sowieso kein Problem. Sie sind sich das aus dem Weltcup gewohnt. «Und wir ticken ähnlich», stellen sie fest.

Beeindruckt von der grossen Esshalle

Im Erdgeschoss hat Swiss Olympic sein Büro eingerichtet, nebenan gibt es eine Lounge, in der sich die Skispringer Simon Ammann und Gregor Deschwanden nach dem Mittagessen kurz hingefläzt haben. Viel Zeit bleibt nicht, bald müssen sie im Probedurchgang und der Qualifikation ans Werk. An der Wand hängt ein Freundschaftsbrett, darauf eingetragen hat sich noch niemand. Die Sportler sind zu beschäftigt.

Langweilig wird es auch Häcki und Cadurisch nicht. Die selbst ernannten Landeier haben vom kommenden Samstag bis zum Ende der Spiele potenziell elf Wettkämpfe zu absolvieren. Niemand ist länger im olympischen Dorf als sie. Beeindruckt sind sie von der enorm grossen Esshalle. «Hier hat es alles», schwärmen sie. «Asiatisch, Koreanisch, Italienisch und vieles mehr. Am Ende hat man von der ganzen Welt etwas im Teller.»

Langes Warten auf den Lift

Cadurisch, die bereits vor vier Jahren bei Olympia dabei war, schätzt nicht zuletzt den Kontakten mit anderen Sportlern. «In Sotschi waren die Langläufer und Biathleten separat untergebracht.» Zum Beispiel haben sie schon mit den deutschen Bobfahrern geplaudert. «Sie sind sicher, dass sie eine Medaille holen», erzählt Häcki.

Trotz des Smalltalks stellt die Engelbergerin fest: «Die Stimmung ist sehr gut, aber es sind alle sehr fokussiert. Das hat mich am meisten überrascht.» Klage gibt es nur eine: «In einem solchen Haus kann es lange dauern, bis der Lift kommt.» Die Lösung: Treppen laufen.

Aktuell sind rund 125 Schweizer Athleten und Betreuer im olympischen Dorf untergebracht, maximal werden es etwa 135 sein. Daneben gibt es ein zweites olympisches Dorf beim Eissportzentrum in Gangneung, weitere Schweizer logieren in selbst organisierten Unterkünften im Snowboard- und Freestyle-Austragungsort Bokwang sowie in Hotels an den alpinen Skipisten. (sda)


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