Starker Wind in Südkorea bringt Athleten und Fernsehteams in Schwierigkeiten

OLYMPIA ⋅ Der Wind bereitet den Veranstaltern in Pyeongchang Sorgen. Problematisch ist das insbesondere für die Skirennen. Die Prognosen für die nächsten Tage sehen nicht besser aus.
12. Februar 2018, 15:02

Auch am dritten Wettkampftag wurde in den alpinen Skidisziplinen noch keine Medaille vergeben. Nach der Absage der Männer-Abfahrt am Sonntag, war am Montag auch nicht an eine Durchführung des Frauen-Riesenslaloms zu denken. In Yongpyong, wo die technischen Disziplinen ausgetragen werden, wurden Sturmböen mit bis zu 70 Stundenkilometern gemessen. Die Temperatur von 13 Grad Minus fühlte sich dadurch um ein vielfaches kälter an. Auch im Zielraum wurde die Gefahr des starken Windes offensichtlich. So sei nach der Absage eine TV-Kamera von einem Podest knapp zehn Meter in die Tiefe gestürzt, berichten Augenzeugen. Verletzt wurde niemand.

Wie heftig die Böen sind, konnte in den vergangenen Tagen bei vielen Wettkämpfen festgestellt werden. Ein eindrückliches Beispiel war am Montag der Slopestyle-Final der Snowboarderinnen, in dem die Schweizerin Sina Candrian auf den 7. Rang flog. Diverse Athletinnen stürzten, im ersten Run kamen nur gerade fünf Fahrerinnen ohne Sturz ins Ziel. Die viertplatzierte Norwegerin Silje Norendal sagte sogar, sie hätte Angst um ihr Leben gehabt. Die Bedingungen im Phoenix Snow Park in Bokwang waren nicht nur zu unterschiedlich für einen fairen Wettkampf, sondern auch gefährlich.

SRG muss sich Verstärkung holen

Die Wetterkapriolen wirbeln den dichten Terminkalender durcheinander. Und das führt vor allem bei den alpinen Skirennen zu Problemen, da die Ausweichpositionen im Olympia-Kalender spärlich sind. Am Donnerstag sollen nun mit der Männer-Abfahrt (in Jeongseon, 3.30 Uhr) und dem Frauen-Riesenslalom (in Yongpyong, 2.00/5.45 Uhr) gleich zwei Rennen stattfinden. Die Durchführung der einzelnen Wettkämpfe ist Sache der Weltverbände. Für die Skirennen ist demnach die FIS zuständig. Ihr Renndirektor Atle Skaardal sagte: «Die Terminplanung ist nach der erneuten Absage eine grosse Herausforderung. Die Wettervorhersagen sind nicht gerade gut für uns. Bis Mittwoch wird es auch weiterhin sehr windig bleiben.» Man hätte im Hintergrund viele Probleme abzuarbeiten. Das eine Thema sei der Quartierwechsel. Vorgesehen wäre, dass die alpinen Skifahrer Ende Woche den Ort tauschen würden. Die Frauen dislozieren dann nach Jeongseon für die Speedrennen, die Männer nach Yongpyong für Riesenslalom und Slalom.

Weil am Donnerstag nun zwei Rennen stattfinden, hat das auch Konsequenzen für die Fernseh-Produktion. Denn die SRG, welche im Auftrag des IOC die Skirennen produziert, hat lediglich eine Crew für die beiden Berge im Einsatz. Karin Nussbaumer, die Verantwortliche für die alpinen Ski-Rennen bei der SRG, sagte: «Wir werden unser Team aufteilen müssen. Priorität hat aber die Männer-Abfahrt.» Verstärkt werden die Schweizer von einer österreichischen Equipe, die normalerweise im Biathlon eingesetzt wird. Da bei keinem der beiden Rennen die Produktions-Crew in der Vollbesetzung arbeiten kann, müsse man gewisse Reduktionen in Kauf nehmen. Für den Frauen-Riesenslalom bedeutet dies etwa, dass Bruno Kernen keine Kamerafahrt macht, weil er in Jeongseon benötigt wird.

Ein gutes Omen

Der Wind diktiert das Geschehen bisher. Bleibt dennoch die Frage, ob man die widrigen Bedingungen in der Olympia-Region, nicht hätte kommen sehen müssen. Redet man mit Einheimischen heisst es oft, dass es im Moment aussergewöhnlich stürmisch sei. FIS-Renndirektor Skaardal sagte, viele Personen vom Ski-Weltverband seien schon mehrere Tage vor dem Start der Spiele auf den Pisten gewesen für die Präparation. «Nicht einmal konnte die Gondel nicht fahren.» Am Sonntag trat dieser Fall dann ein.

Nun wird es am Donnerstag mit Abfahrt und Riesenslalom einen sogenannten «Super Thursday» geben. Und mit ein wenig Fantasie kann darin aus Schweizer Sicht ein Vorteil gesehen werden. Vor einem Jahr an der Ski-WM wurde die Männerabfahrt ebenfalls verschoben und fiel auf den gleichen Tag wie das Frauen-Rennen. Beat Feuz siegte. Wenigstens kein schlechtes Omen.

Claudio Zanini, Pyeongchang

  • Der Nordische Kombinierer Tim Hug fliegt über die Olympia-Schanze. (© Dmitri Lovetsky / AP)
  • Nach der Absage des Riesenslaloms fahren die Betreuer die Strecke hinunter. (© Christophe Ena / AP)
  • Vier Jahre nach dem Gewinn der Bronzemedaille in Sotschi kann das Frauen-Eishockey-Nationalteam wieder mit den Viertelfinals planen. Die Schweizerinnen besiegen Japan trotz 18:38 Torschüssen mit 3:1. (© Kiichiro Sato / AP)

Emotionen, Spektakel, Wind: Der dritte Tag der Olympischen Spiele in Südkorea in Bildern.


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