Wendy Holdener: Erneut dem Medaillendruck ausgesetzt

SKI ALPIN ⋅ Wendy Holdener steht in der Nacht auf Montag (2.45 Uhr/5.45 Uhr) im Riesenslalom am Start. Doch eigentlich ist das nur ein Warmlaufen für den Mittwoch.
11. Februar 2018, 10:23

Claudio Zanini, Yongpyong

Über Olympia-Ambitionen hörte man Wendy Holdener (24) in dieser Saison nur zaghaft sprechen. Daran änderte sich auch nichts, als das olympische Feuer bereits 20 Stunden brannte und die ersten Entscheidungen fielen. Sie blieb auch am frühen Samstagabend ihrer Strategie treu. Zu ­Beginn der Medienkonferenz in Yongpyong drehte sich das Gespräch um ihren ersten Einsatz, den Riesenslalom, der in der Nacht auf Montag stattfindet. Gibt es keine Überraschung, dürfte dieser Wettkampf lediglich eine Ouvertüre bleiben, bevor die Oper einen ersten Höhepunkt erreicht. Denn zwei Tage später, am Mittwoch, findet der Slalom statt.

Doch Holdener sprach gerne noch ein wenig über die Ausgangslage vor dem Riesenslalom: «Vom Gefühl her ist das der perfekte Anfang für mich. Mein Ziel ist, dass ich zwei geniale Läufe runterbringe. Dann habe ich die Chance, zu überraschen.» Um diese Aussage zu stützen, führte sie das Beispiel von Kranjska Gora ins Feld. In Slowenien wurde sie Anfang Januar Vierte. Es ist ihr bestes Karriereergebnis im Riesenslalom auf Weltcup-Stufe.

Aber dann verschob sich der Fokus der Medien der Chronologie des Olympia-Programms entsprechend auf den Slalom. Ein Journalist erkundigte sich bei der Schwyzerin, wie sie dem Rennen am Mittwoch entgegenblicke. Holdener versicherte sich zuerst, ob er den Slalom meine, ehe sie fragte: «Was willst du wissen?»

Cars voll mit Holdener-Fans

Wer Wendy Holdener besser verstehen will, muss an die Fülle von Erwartungen denken, mit denen die Sportlerin des Jahres anhaltend konfrontiert wird. Bereits vor einem Jahr war sie an der Heim-WM dem Medaillendruck ausgesetzt, nachdem sie sich zuvor in der Weltspitze etabliert hatte. Sie meisterte die Situation in St. Moritz bravourös, wurde Weltmeisterin in der Kombination und gewann die Silbermedaille im Slalom.

Vor zwei Wochen beim Weltcup in Lenzerheide wieder ein ähnlicher Druck. Cars voll mit Holdener-Fans fuhren ins Bündnerland, die Sitzplatztribüne ­beinahe eine einzige Holdener-Wand. Sie siegte in der Kombination, blieb im Slalom auf dem Podest, weil Mikaela Shiffrin kurz vor dem Ziel mit der Bestzeit einfädelte. Nach dem Rennen kamen Holdener die Tränen. Sie schätze die Unterstützung ihrer Fans zwar sehr, sagte sie hinterher, aber der überwältigende Support habe eben auch seine negativen Seiten.

Und dieser Punkt wird auch jetzt in Yongpyong, wo die technischen Disziplinen stattfinden, angesprochen. Ist es ein Vorteil, dass nicht ganz so viele Fans den Weg von Schwyz nach Südkorea gehen werden und den Druck erhöhen? Sie sagt: «Ich finde es schön, wenn mich Fans hier unterstützen und das alles mit mir zusammen erleben. Aber wir als Sportler haben so viel zu tun. Wir müssen schauen, dass wir uns gut erholen und vorbereiten. Das Team ist hier meine Familie. Und das ist gar nicht gegen meine eigene Familie gerichtet.»

Wendy Holdener ist nicht mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen ausgestattet, auch wenn ihre Titel und Auszeichnungen etwas anderes vermuten lassen. In Killington im November – die Saison war gerade mal zwei Rennen alt – reichte ein 19. Riesenslalom-Platz und ein Ausscheiden im Slalom für ein Tief. Zu diesem Zeitpunkt tönten ihre Ambitionen relativ bescheiden. Es ginge darum, möglichst schnell in die Saison und in den Rennrhythmus zu finden. In der Nachbetrachtung gelang ihr das vorzüglich, seit Killington stand sie siebenmal auf dem Podest. In der jetzigen Verfassung hat sie in Slalom, Kombination und Teamwettbewerb realistische Medaillenchancen.

Die Nachfrage bezüglich dem Slalom liess Holdener nicht ins Leere laufen: «Ihr wisst, was ich von mir erwarte, was mein Ziel ist. Im Moment fühle ich mich ­ruhig.» Und es ist dabei mehr als verständlich, worauf sie hinaus will. Es zählt nur Edelmetall.

Video: Holdener: "Riesenslalom ist der perfekte Start."

Am Montag tritt Slalom-Spezialistin Wendy Holdener bei den olympischen Spielen im Riesenslalom an. Für Wendy Holdener ist es der perfekte Olympia-Start. (Sarah Ennemoser/sda, 10. Februar 2018)




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