Vermummung ist an den Olympischen Spielen ein Gebot

PYEONGCHANG ⋅ Die tiefen Temperaturen machen den Athleten in Südkorea zu schaffen. Froh sind die Sportler, deren Kleider nicht nur optisch schön, sondern vor allem wintertauglich sind.
09. Februar 2018, 07:34

Andreas Eisenring, Pyeongchang

sport@luzernerzeitung.ch

Was sind eigentlich richtige Olympische Winterspiele? Gut organisiert? Nachhaltig? Der Natur angepasst? Nicht an Orten, wo auch im Winter ein Mittelmeerklima herrscht wie vor vier Jahren in Sotschi? Nicht ganz so eindeutig zu beantworten. Und jetzt, wo Temperaturen herrschen, die dem Anlass eigentlich vollauf gerecht werden, ist es auch wieder nicht recht.

Die Kälte ist das beherrschende Thema gewesen in der vorolympischen Woche. Ralph Stöckli, Chef de Mission der Schweizer Mannschaft, sagt dazu folgendes: «Ich habe gemerkt, dass sich viele Athleten gar nicht mehr richtig an die Kälte gewöhnt sind, obwohl sie einen Sport betreiben, der draussen stattfindet.» Mittlerweile ist es eben Usanz geworden, dass in europäischen Skiregionen tiefe Unternullzahlen an alpinen oder nordischen Veranstaltungen zur Ausnahme geworden sind.

Rekordtiefstwert von minus 34 Grad gemessen

Die Wintertauglichkeit von Mensch und Material ist tatsächlich ganz schön auf die Probe gestellt worden. Kein Wunder, wurde doch vor ein paar Tagen beim Abfahrtsstart ein Rekordwert von minus 34 Grad gemessen. Da rücken auch die offiziellen Kleidungsausrüstungen der einzelnen Nation in den Fokus.

Pech für diejenigen Athleten, deren Bekleidungsfirma das Hauptaugenmerk auf den modischen Chic-Effekt und nicht auf den Dämmfaktor gelegt hat. Das rächt sich jetzt bitter(kalt). Ein Augenschein im olympischen Dorf in Pyeongchang soll zeigen, wer trotz Kälte gut lachen hat. Immerhin scheint ja die Sonne. Zunächst einmal trotzen koreanische Trommler und Tänzer mit traditionellen, aber alles andere als kälteabweisenden Kopfbedeckungen der Witterung und üben mit Statisten den Nationeneinmarsch für die Eröffnungsfeier. Athleten, dick vermummt, schlurfen in massigen Stiefeln durchs olympische Dorf. Die Kanadier etwa in ihren tiefroten, fast knielangen Mänteln dürften nicht gross frieren. Die Deutschen mit ihren bulkigen Jacken vielleicht auch nicht, aber die in Mausgrau gehaltenen Stücke lassen sie optisch nicht zu den Siegern im Tanz der textilen Eitelkeiten zählen.

Zugekaufte Zusatzteile kommen zum Einsatz

Bei vielen kommen zugekaufte Zusatzaccessoires zum Einsatz, an die der Olympiaausrüster nicht gedacht hat. Immer wieder zu sehen: Renner sind Ohrwärmer, die um den Hals greifen und auf die Ohren klappen, und Gesichtsmasken, die möglichst alle Hautpartien im Gesicht abdecken. In diesen Tagen im koreanischen Winter ist Vermummung geradezu ein Gebot.

Polen und Finnen gehören zu den Gewinnern

Zu den Gewinnern beim Thema «heisse Mode» ist sicher das Team Polen zu zählen. Wie willkommen ist doch die ausfächernde Kapuze, welche dem schneidenden Zugwind Paroli bietet.

Der (nicht repräsentative) Umgang hat aber – das Klischee soll bestätigt sein – einen eindeutigen Sieger ergeben: die Finnen. Die sind gegen die Unbill der Kälte ganz offensichtlich am besten geschützt. Der Kopf ist von weichem Fell umrahmt (aus hoffentlich künstlichen Fasern) und hält die Gedanken warm. Die Finger stecken in fetten Fausthandschuhen. Die blau-weisse Jacke mit modernem Design-Muster und dem neongrünen Reissverschluss, der den frechen Touch gibt, rundet die gelungene Kombination von modischer Wärmedämmung ab.


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