Kolumne

«Ich fühle mich als Teamplayer»

Der Luzerner Eisschnellläufer Livio Wenger über sein Olympia-Abenteuer.
10. Februar 2018, 13:17

Als Eisschnellläufer bin ich es gewohnt, für alle Details selbst verantwortlich zu sein. Nicht so an den Olympischen Spielen. Alles ist organisiert, das Eis für die Trainings reserviert, die Medienarbeit wird von Swiss Olympic professionell gemanagt und die Volunteers sind sehr freundlich und stolz, uns Sportler unterstützen zu können.

An der Eröffnungsfeier lief ich mitten im Pulk einer der grössten Delegationen dieser Spiele ein. Es war für mich die Erfüllung eines ersten Traums. Als beim Warten «Switzerland» aufgerufen wurde, spürte man förmlich den Stolz jedes Athleten unseres Teams. Erstmals in meiner Sportkarriere hatte ich das Gefühl, in erster Linie die Schweiz zu vertreten. Ich war bisher immer als Einzelkämpfer unterwegs, und an dieser Eröffnungsfeier fühlte ich mich als Teil eines grossen, ambitionierten Teams.

Auf den ersten Metern im Stadion dachten wir, dass es gar keine Zuschauer hätte, denn die Lichter blendeten. Speaker und Musik übertönten den Applaus, und erst nach und nach realisierten wir die vollen Sitzreihen. Von der eigentlichen Show haben die meisten Teammitglieder nichts mitbekommen. Nach dem Einmarsch ging’s sofort zurück in die Unterkunft, denn für mich und andere stehen in den nächsten Stunden die ersten Wettkämpfe an. Zudem war es empfindlich kalt. Emotionaler Höhepunkt für das Publikum war der Einmarsch der vereinten koreanischen Mannschaft. Hoffentlich ist es dieses Mal mehr als nur ein politischer PR-Gag.

Ein weiterer Höhepunkt war die Medienkonferenz. Das grosse Interesse an meiner Person ist ungewohnt. Auch Schweizer Sportgrössen zollen meiner Situation als Einzelkämpfer im Eisschnelllauf grossen Respekt. Dies und das Treffen mit meiner Familie geben mir zusätzlich Motivation. An einem offiziellen Testwettkampf über 3000 m vor drei Tagen konnte ich meine gute Form und alle Abläufe für mein erstes Rennen vom Sonntag testen. Ich werde alles geben, aber die Rennen über 5000 m am Sonntag und 1500 m am Dienstag sind für mich Testrennen. Ich konzentriere mich auf das Massenstartrennen. Mit der Teilnahme an der Eröffnungs­feier ging ja erst Traum Nummer eins in Erfüllung.
 

Livio Wenger, Eisschnellläufer

sport@luzernerzeitung.ch

Livio Wenger (25) aus Schenkon ist der erste Schweizer Eisschnellläufer, der im Weltcup ­einen Podestplatz erreicht hat. ­ Er berichtet in regelmässigen Abständen für unsere Zeitung über sein Olympia-Abenteuer.


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