Holdener auf der Suche nach dem Rhythmus

SKI ALPIN ⋅ Neun Monate nach der WM-Goldmedaille kehrt Wendy Holdener an den Ort ihres grössten Triumphes zurück. Ob die Schwyzerin beim Weltcup in St. Moritz alle drei Rennen bestreiten wird, bleibt aber offen.
07. Dezember 2017, 19:54

Claudio Zanini

Es ist alles ein bisschen ruhiger an diesem Donnerstagabend im Nobelhotel Reine Victoria in St. Moritz. Hier, wo noch im vergangenen Februar das Medienzentrum untergebracht war und hunderte Journalisten ein- und ausgingen, haben sich jetzt nur ein paar Medienvertreter eingefunden, um von den Schweizer Fahrerinnen vor dem ersten Rennen am Freitag auf den neusten Stand gebracht zu werden. Gestartet wird das Weltcup-Wochenende mit der Kombination (Freitag, 10.00/13.00). Am Samstag (10.45) und Sonntag (10.30) folgt je ein Super-G.

Wendy Holdener kehrt dabei an den Ort ihres grössten Sieges zurück. Die Schwyzerin gewann auf der «Corviglia» im Februar WM-Gold in der Kombination. Eine Woche später kam auch noch Silber im Slalom hinzu. Am Freitag steht sie auf der gleichen Piste wieder in der Kombination am Start. Dementsprechend ist auch das Interesse an ihrer Person gross, wie sie im Training rasch registriert hat. «Ich habe auf der Piste schnell gemerkt, dass mir viele Augen folgten», sagt die 24-Jährige. Doch mit ihrer Performance wurde sie nicht so richtig warm. «Der Super-G war gut, das Slalom-Training war schlecht», sagt sie.

Holdener lässt durchblicken, dass sie mit den Resultaten in dieser jungen Saison noch nicht sonderlich zufrieden ist. Angefangen hatte es mit einem sechsten Platz im Riesenslalom von Sölden, danach folgte ein standesgemässer Slalom-Podestplatz mit dem dritten Rang im finnischen Levi.  Einen Dämpfer setzte es schliesslich in Killington (USA) ab: Zuerst der 19. Platz im Riesenslalom, einen Tag später schied sie im Slalom aus, nachdem sie zur Halbzeit Zweite hinter Mikaela Shiffrin war. «Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten. Vieles stimmte nicht. Das beschäftigte mich schon auf der Heimreise.» Es folgten einige Tage zuhause in Unteriberg - eine kurze Auszeit, die gutgetan habe, sagt Holdener. Ob sie in St. Moritz auch die beiden Speedrennen bestreiten wird, hängt vom Abschneiden im Super-G-Lauf der Kombination ab. «Einerseits möchte ich möglichst viele Rennen fahren, um in den Rhythmus zu kommen. Andererseits macht es keinen Sinn, Samstag und Sonntag zu starten, wenn ich im Super-G der Kombination nur Dreissigste werde.»

Gisin: «Man sollte auf dem Boden bleiben»

Im Gegensatz zu Holdener hat etwa die Engelbergerin Michelle Gisin keine Auszeit zuhause hinter sich. Noch am Wochenende stand sie bei den Rennen in Lake Louise im Einsatz, wo sie am Samstag überraschend Dritte in der Abfahrt wurde. Gisin, die noch ein wenig mit dem Jetlag zu kämpfen hat, übt sich derweil in Realismus. «Das war das erste Podest in der Abfahrt. Ich denke man sollte auf dem Boden bleiben.» Für die 24-Jährige wird es ebenso eine besondere Rückkehr auf die «Corviglia», hat sie doch hinter Holdener im Februar, die Silbermedaille in der Kombination geholt.

An ihren Unglücksort der letzten Saison kehrt indes Lara Gut zurück. Die Tessinerin hatte sich in der WM-Kombination beim Einfahren für den zweiten Durchgang das Kreuzband gerissen und musste die Saison abbrechen. Den Beweis für ihre komplette Genesung lieferte Gut spätestens am Sonntag, als sie im Super-G von Lake Louise Zweite wurde. Abgesehen von der Verletzung in der vergangenen Saison verbindet sie mit St. Moritz viele schöne Momente. Hier holte sie ihren ersten Weltcup-Podestplatz, ihren ersten Sieg, ihre erste Kristallkugel. Und nicht zuletzt war es Gut, die mit ihrer WM-Bronzemedaille im Super-G quasi den Weg bereitete für den nachfolgenden Schweizer Exploit in Form von 7-mal Edelmetall.


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