Lara Gut vor dem nächsten Schritt

SKI ALPIN ⋅ Fast zehn Monate nach ihrem Kreuzbandriss bestreitet Lara Gut heute in Lake Louise mit der Abfahrt ihr erstes Speedrennen. Sie ist bereits wieder schnell unterwegs, startet aber ohne Erwartungen.
01. Dezember 2017, 09:16

Lara Gut versprüht gute Laune und Zuversicht, als sie nach ihrer ersten offiziellen Fahrt auf einer Abfahrtsstrecke im Zielraum von Lake Louise spricht. Gut, ja sehr gut gehe es ihr, sagt sie. Sie geniesse jeden Moment im Schnee. Das Knie mache überhaupt keine Probleme mehr. Die sechstbeste Trainingszeit untermauert, dass sie nach zwei Weltcup-Riesenslaloms bereit für das Comeback in den Speed-Disziplinen ist.

Man kauft ihr die positive Grundstimmung ab. "Jetzt schätze ich wieder mehr, dass ich Rennen fahren kann. Mir ist bewusster, dass dies nicht selbstverständlich ist, und ich merkte wieder, wie gerne ich das mache", sagt sie. Zweimal war sie bisher schwer verletzt; das erste Mal 2009, als sie sich als 18-Jährige die Hüfte ausgekugelt hatte. Sie kam damit vergleichsweise glimpflich durch ihre bisherige Karriere.

"Das Knie hält"

Zur guten Laune trägt insbesondere bei, dass in der Zeit seit der Operation im Februar inklusive des ersten Trainings in Lake Louise alles nach Plan verlief. Schritt für Schritt arbeitete sie sich zurück, ohne sich zu übernehmen. "Ich kann schon sehr viel machen mit dem Knie", sagt sie. "Ich bin gesprungen, und ich bin gestürzt. Das zeigte mir, dass das Knie hält."

Früher als gedacht ist Gut Ende Oktober beim Weltcup-Prolog in Sölden im Riesenslalom ins Renngeschehen zurückgekehrt. Es waren zwar nur 40 Sekunden bis zu ihrem Ausfall und nicht die gewünschten "zwei Minuten Spass", als das sie die Rennen jeweils empfindet. Doch diese Fahrsekunden waren der Anfang, den sie sich nach der monatelanger Schinderei so früh wie möglich herbeiwünschte.

Natürlich hinterlässt eine schwere Verletzung Spuren, fühlt sich ein Knie nach einem Eingriff nicht mehr gleich an und muss sich der Körper erst wieder an die Belastungen gewöhnen. Die 26-jährige Tessinerin weiss aber, dass sie in den schnellen Disziplinen weniger Anlaufzeit benötigt. In diesen fühlte sie sich schon immer am wohlsten. Vor allem im Super-G kann sie sich auf ihren Instinkt verlassen, braucht sie nicht wie im Riesenslalom Zeit, um die richtige Balance zwischen Risiko und Kontrolle zu finden.

Schlafen und Gas geben

Auch hat sich Gut in der Zeit ihrer Rehabilitation keinen Materialrückstand eingehandelt - weil es schlicht nichts zu testen gab. Sie wird mit den gleichen Ski und denselben Schuhen fahren, mit denen sie in der letzten Saison in Super-G und Abfahrt bis zur Verletzung so schnell war. Drei von fünf Super-Gs, darunter jenen in Lake Louise, gewann sie mit diesem Material bis zum Malheur im Einfahren zum WM-Kombinationsslalom im Februar. In der Abfahrt trugen sie die Ski zu einem Sieg in Cortina und zu einem 2. Platz in Lake Louise.

"Gas geben und Kilometer fressen" lautet ihre Devise nun. Sie geht es an, "ohne dass ich mich selbst unter Druck setze." Sie nehme Schritt für Schritt, sagt sie wiederholt, die Saison sei schliesslich noch lange. Sie wolle jeden Tag nutzen, ohne aber zu viel zu schnell zu wollen. Neun bis zwölf Stunden Schlaf gönnt sie sich während der Zeit in Lake Louise. Auch das passt zur Herangehensweise. (sda)


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