Noch nie war das Slalomteam so gut

SKI ALPIN ⋅ In Levi gelingt den Schweizern ein historisches Ergebnis: Vier Fahrer klassieren sich in den Top 10. Luca Aerni und Daniel Yule verpassen das Podest nur um 9 Hundertstel. Der Sieg ging an den Deutschen Felix Neureuther.
13. November 2017, 07:46

Nur 9 Hundertstel fehlten letztlich dem Berner Kombinations-Weltmeister Luca Aerni und dem Walliser Daniel Yule zu einem Podiumsplatz, den beide im Weltcup noch nie belegen konnten. So nahe waren aber die beiden nominell besten Schweizer, beide 24 Jahre alt, dem «Stockerl» noch nie. Yule hätte sogar den Sieg ins Auge fassen können, wenn er nicht im ersten Lauf nach der ersten Welle fast zum Stillstand gekommen wäre. Und auch Aerni wusste, wo die Hundertstel verlorengegangen waren: «Ich hatte Mühe im Steilhang. Im ersten Lauf war ich noch zu verkrampft.» So lagen Yule und Aerni bei Halbzeit lediglich auf den Positionen 11 und 13.

Aerni stand bisher mit zwei 5. Rängen zu Buch (im Januar 2014 in Kitzbühel und im Dezember 2015 in Madonna), Yule egalisierte seine Bestmarke, die er vergangenen Januar in Zagreb aufgestellt hatte. Damals fehlten dem Romand 22 Hundertstel zum Podium. Weiterhin bleibt aber Silvan Zurbriggen, als Zweiter beim Nachtslalom von Schladming im Januar 2010, der letzte Fahrer von Swiss-Ski, der es in dieser Disziplin in die Top 3 geschafft hat.

Denn in Levi überzeugten nicht nur Aerni und Yule. Der 21-jährige Walliser Loïc Meillard, 20. bei Halbzeit, erreichte als Sechster ebenfalls sein bisher bestes Weltcup-Ergebnis, und der Nidwaldner Reto Schmidiger, der im ersten Lauf mit Nummer 37 auf Platz 6 gefahren war, realisierte als Zehnter sein zweitbestes Resultat im Weltcup. Achter war der 25-jährige Hergiswiler im März 2011 auf der Lenzerheide geworden – als damaliger Junioren-Weltmeister, der sich dann lange schwertat.

117 Siege in der Abfahrt, 13 im Slalom

Letztlich stellten die Schweizer gleich zwei historische Bestmarken auf. Drei Schweizer waren zuvor noch nie in einem Weltcup-Slalom in den Top 6 vertreten, und dass sich vier Swiss-Ski-Athleten in den ersten zehn einreihten – auch das gab es noch nie. Das sind grossartige Perspektiven in einer Sparte, die jahrzehntelang mehr Sorgen denn Freude bescherte. 117 Schweizer Siege konnten die Abfahrer in der Weltcup-Historie erringen, nur deren 13 sind es im Slalom. Auch dieser Vergleich sagt vieles aus.

Der Sieg ging an den bereits 33-jährigen deutschen Routinier Felix Neureuther, der hinterher fair eingestand, auch das notwendige Glück auf seiner Seite gehabt zu haben. Denn eigentlich war alles angerichtet für den ersten alpinen Weltcupsieg eines Briten. Der 33-jährige Dave Ryding, der Führende zur Halbzeit, lag rund eine halbe Sekunde voraus, ehe er kurz vor dem Ziel ausschied. (sda)

Weltcup

Levi (FIN). Slalom der Männer: 1. Neureuther (GER) 1:42,83. 2. Kristoffersen (NOR) 0,37 zurück. 3. Hargin (SWE) 0,45. 4. Aerni (SUI) und Yule (SUI), je 0,54. 6. Meillard (SUI) 0,71. 7. Foss-Solevaag (NOR) 0,75. 8. Pinturault (FRA) 0,88. 9. Mölgg (ITA) 0,90. 10. Schmidiger (SUI) 0,93. 11. Grange (FRA) 0,95. – Ferner: 17. Hirscher (AUT) 1,32. 19. Rochat (SUI) 1,44. 24. Zenhäusern (SUI) 1,69. – 24 der 30 Finalisten klassiert. – Ausgeschieden u.a.: Ryding (GBR) und Myhrer (SWE).

Die besten Laufzeiten. 1. Lauf: 1. Ryding 50,29. 2. Neureuther 0,14. 3. Kristoffersen 0,18. 4. Hirscher 0,46. 5. Myhrer 0,54. 6. Schmidiger 0,61. – Ferner: 11. Yule 0,72. 12. Hargin 0,73. 13. Aerni 0,77. 20. Meillard 0,91. 22. Rochat 1,07. 27. Zenhäusern und Grange, je 1,29. – 92 Fahrer gestartet, 64 klassiert. – Ausgeschieden u. a.: Simonet (SUI), Brügger (SUI) und Bissig (SUI). 2. Lauf: 1. Grange 52,20. 2. Hargin 0,06. 3. Aerni 0,11. 4. Meillard 0,14. 5. Yule 0,16. 6. Neureuther 0,20. 16. Schmidiger 0,66.


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