«Odermatt ist ein abgeklärter Athlet»

SKI ALPIN ⋅ Die «goldenen Tage» von Davos sind zu Ende. Swiss-Ski-Nachwuchschef Beat Tschuor zieht Bilanz zur Junioren-WM, denkt an künftige Spitzenfahrer aus der Zentralschweiz und spricht über den fünffachen Weltmeister Marco Odermatt.
09. Februar 2018, 07:36

Interview: Peter Gerber Plech

sport@luzernerzeitung.ch

Beat Tschuor, elf Medaillen sind ein Leistungsausweis. Die Tage in Davos hatten aber nicht nur diesen Aspekt zum Inhalt. Wie fällt ganz allgemein Ihre Bilanz aus?

Im Vordergrund stehen auf jeden Fall die Leistungen der Athleten – diese machen letztlich das bleibende Fazit einer Weltmeisterschaft aus. Dann war da natürlich Marco Odermatt mit seinen fünf Goldmedaillen. Wichtig ist aber, dass neben Marco noch sechs andere Sportler von Swiss-Ski Medaillen gewonnen haben. Das spricht für eine ausgewogene Leistung des Teams.

Mit Marco Odermatt und Aline Danioth haben die Aushängeschilder die Erwartungen übertroffen oder erfüllt. Wie zufrieden sind Sie mit den Fahrern hinter den beiden Topleuten – jenen also, die künftig die Medaillen holen sollen?

Da bin ich ganz beruhigt. Die Athleten, die in Davos am Start gewesen sind, haben ihre Leistungen gebracht. Und dann gibt es Fahrer, die wie Mélanie Meillard aus diversen Gründen nicht haben dabei sein können. Oder sich wie Marco Kohler verletzt haben. Und dann stossen auch vielversprechende Talente der Jahrgänge 2000 und 2001 nach. Ich darf sagen: Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt. Die während der letzten acht Jahre aufgebauten Strukturen mit Regionalverbänden, regionalen und nationalen Leistungszentren greifen und bringen den gewünschten Erfolg.

Welche Namen aus der Zentralschweiz tauchen da auf dem Radar des Nachwuchschefs besonders auf?

Leonie Zopp ist zum Beispiel sehr interessant. Aber auch Vivianne Härri, Delio Kunz und Joel Lütolf aus dem NLZ Mitte werden den Weg machen.

Die Medaillen von Davos waren ja quasi «geplante Erfolge». Haben die vielen Trainings und Rennen am Jakobshorn im Hinblick auf die WM also den gewünschten Effekt gehabt?

Absolut. Wir haben längere Zeit gezielt auf diese WM hingearbeitet. Die Piste ist für die Athletinnen und Athleten dank den vielen Fahrten quasi zum Wohnzimmer geworden. Sie haben Sicherheit auf dem Gelände gewonnen, und wir haben uns so einen Vorteil erschaffen. Aber wir müssen da auch den Bergbahnen Davos und dem Organisationskomitee danken. Da haben viele Rädchen ineinandergegriffen und den Erfolg möglich gemacht. Wir haben immer wieder super Trainingsbedingungen angetroffen.

Ein zweischneidiges Schwert. Der Schweizer Nachwuchs wird an der Bilanz von Davos gemessen, aber bei den nächsten Junioren-WM fällt dieser Vorteil dann weg.

Falsch ist der Einwand nicht. Wir schauen aber vorwärts, behalten das im Auge und bauen das in unsere Planungen ein. Im Val di Fassa, dort wo die WM 2019 stattfinden wird, haben unsere Athletinnen im vergangenen Dezember Europacup-Rennen bestritten – und durch Juliana Suter, die in der WM-Abfahrt Silber geholt hat, sogar gewonnen. Klar ist, dass wir nicht dieselbe Vorbereitung haben können wie auf eine Heim-WM.

Marco Odermatt hatte man für Medaillengewinne auf der Rechnung. Dass er aber gleich so durchstartet, hat wohl niemand erwartet. Wie haben Sie den Fünffach-Weltmeister in Davos wahrgenommen?

Marco ist ein abgeklärter und geerdeter Athlet. Viele verwechseln das mit Coolness. Er hat es regelmässig geschafft, dass er auf den Punkt seine Leistung hat abrufen und bringen können. Das ist für einen jungen Athleten keine Selbstverständlichkeit. Das Riesenslalom-Gold war das Gesellenstück. Diese Medaille wollte er unbedingt, aber es war sein letzter Wettkampf nach dem Gewinn von schon vier goldenen. Hier den Fokus zu behalten, war für Marco nicht einfach, und der von ihm selber ausgehende Druck war hoch. Prompt ist er als Favorit im ersten Lauf etwas ins Stolpern geraten. Er hat diesen Umstand aber sogleich zu seinem Vorteil gemacht. Statt wie im ersten Lauf mit kalkuliertem Risiko und dosiert zu fahren, hat er im zweiten Lauf voll angegriffen und ist dadurch vergleichsweise um Welten besser Ski gefahren.

Die Erwartungen an Odermatt sind hoch, und er steht nun zum zweiten Mal nach dem Oktober 2016 und der Meniskusverletzung im Januar 2017 vor dem erhofften Durchbruch im Weltcup. Was ist 2018 anders, als es 2016 gewesen ist?

Marco geht mit mehr Erfahrung in die Weltcup-Rennen, er hat 2016 ja bereits gepunktet. Er wird im Weltcup Topresultate bringen, es stellt sich nur die Frage des Zeitpunkts. Die Junioren-WM war ein Teil seiner Ausbildung. Einen riesigen Vorteil bringen die Medaillen von Davos aber mit: Marco kann im März in drei Disziplinen beim Weltcup-Final in Are starten. Auf diesen Pisten finden 2019 die Weltmeisterschaften statt.

Hinweis

Der fünffache Goldgewinner Marco Odermatt wird am Sonntag (17.30) in Buochs empfangen. Feier ab 18 Uhr in der Breitlihalle.


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