Patrick Küngs Glaube an die Wende

SKI ALPIN ⋅ Patrick Küng blickt auf zwei mehrheitlich schwierige Winter zurück. Der Glarner sieht sich gerüstet, die Wende schaffen zu können.
01. Dezember 2017, 06:00

Ausbleibender Erfolg führt bei Spitzensportlern nicht selten zu Selbstzweifeln. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwindet und mit ihm der Glaube, den Anschluss wieder bewerkstelligen zu können. Gedanken drehen sich um einen möglichen Rücktritt. In hohem Mass sehen sich Athleten mit der Thematik konfrontiert, die schon einmal auf der anderen Seite gestanden sind, die Erfolg gehabt und Siege an grossen Meisterschaften errungen haben.

Höhepunkt kein Ausgangspunkt

Patrick Küng gehört zu jenen Alpinen, die ganz oben angelangt waren in ihrer Karriere. Abfahrtsweltmeister war er geworden vor knapp drei Jahren. Der Höhepunkt sollte Ausgangspunkt zu weiteren Grosstaten sein. Doch es kam anders. Der Glarner klassierte sich seit dem im Februar 2015 errungenen Titel im Weltcup nie mehr unter den ersten drei. Gute, zufriedenstellende Ergebnisse wurden zum raren Gut. An der letzten Weltmeisterschaft in St. Moritz etwa, als Küng die Bronzemedaille um die Winzigkeit von zwei Hundertsteln verpasst hatte. Oder zu Beginn des letzten Winters, als er in der Abfahrt in Val d'Isère Siebenter wurde. Eine respektable Platzierung für einen, der sich im Januar zuvor wegen anhaltender Probleme mit der Patellasehne im linken Knie von der Rennpiste zurückziehen musste.

Es blieben in der vergangenen Saison die einzigen zwei "Ausreisser nach oben". In den restlichen Rennen vermochte Küng den eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden. Er sei in jener Zeit nicht immer bereit gewesen, Rennen zu fahren. Der Rhythmus habe ihm gefehlt. Er begründet dies unter anderem mit witterungsbedingten Absagen, was zu Umwälzungen im Kalender geführt hat. In Lake Louise, Beaver Creek, Santa Caterina und in Wengen mussten die Veranstalter vor dem Wetter kapitulieren. Küng kam ins Grübeln und war gegen Ende der Saison ratlos. "In Kvitfjell hat nichts mehr gepasst. Die Spannung hat gefehlt. Ich hatte kein Gefühl mehr für den Ski." Beim Finale in Aspen zeigte er sich wieder verbessert. Um mit den Besten mitzuhalten, reichte dies aber nicht.

Qualität und Quantität stimmen

Küng hätte also allen Grund, mit seiner Situation unzufrieden zu sein. Sein Wille und die Begeisterung für den Skirennsport lassen dies nicht zu. Die schwierige Zeit hat er abgehakt. Er schaut nach vorne - und ist überzeugt davon, dass noch einmal ein Ruck durch seine Karriere gehen wird. Seine Zuversicht basiert auf einer gut verlaufenen Vorbereitung, während der Qualität und Quantität gestimmt haben. "Wir standen wohl während zehn Tagen mehr auf den Ski als zuvor."

Dazu kommt die von Anfang an gute Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer Andi Evers, dem Nachfolger des im Frühjahr abgeschobenen Sepp Brunner. Zudem hat Küng die Gewissheit, dass die Patellasehne keine Probleme mehr bereitet. "Ich konnte beschwerdefrei in den Winter starten", sagt er in Beaver Creek, wo am Freitag ein Super-G und am Samstag eine Abfahrt im Programm stehen. Er mag das Ressort in Colorado. Hier hatte er neben dem WM-Titel auch seinen ersten Sieg im Weltcup errungen - vor vier Jahren im Super-G.

Verpasste Olympia-Hauptprobe

Gelegenheiten, solche Glücksmomente noch einmal zu erleben, bieten sich Küng in den kommenden Monaten genug. Die wichtigen Termine nach der Rückkehr aus Nordamerika folgen mit der wieder in den Kalender aufgenommenen Abfahrt in Bormio am Ende des Jahres, den Klassikern im Januar und den Olympischen Spielen im Februar in Pyeongchang Schlag auf Schlag. Ob am Lauberhorn, in Kitzbühel oder in Südkorea: Küng glaubt sich bereit, in den grossen Prüfungen bestehen zu können. Den Fakt, die Olympia-Hauptprobe in der vorletzten Saison verpasst zu haben, blendet er aus. Benachteiligt fühlt er sich dadurch grundsätzlich nicht. Er orientiert sich vielmehr daran, dass in Jeongseon, dem Schauplatz der Speed-Wettbewerbe, ähnliche Bedingungen herrschen könnten wie in Beaver Creek. Küng schliesst auch diese Möglichkeit in sein positives Denken mit ein. (sda)


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