Platz 5 für Lara Gut in der Super-Kombination

SKI ALPIN ⋅ Drittes Rennen - dritte Medaille - zweiter WM-Titel. Die Slowenin Tina Maze erringt in Beaver Creek den Sieg in der Kombination. Die Schweizerinnen gehen leer aus.

09. Februar 2015, 23:34
  • Alpine Skiing World Championships 2015
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Drittes Rennen - dritte Medaille - zweiter WM-Titel. Die Slowenin Tina Maze erringt in Beaver Creek den Sieg in der Kombination. Die Schweizerinnen gehen leer aus.

Die Schweizer Ski-Frauen gehen bei der Super-Kombination in Beaver Creek leer aus. Reaktionen. (Tele 1, 10.02.2015)

Tina Maze siegte vor den drei Österreicherinnen Nicole Hosp, Michaela Kirchgasser und Anna Fenninger. Lara Gut, die sich in den letzten Tagen von den Medien abgeschottet hatte und die auch schon Kritik an den amerikanischen Organisatoren geäussert hatte, verpasste das Podest um rund sechs Zehntel. Die Tessinerin meinte zu ihrem Abschneiden: «Das Ergebnis ist okay. Ich hätte aus der Abfahrt sicher noch einen etwas grösseren Bonus gebraucht, um die Slalom-Spezialistinnen mehr fordern zu können. Mein Slalom war gar nicht so schlecht, für das, was ich in dieser Disziplin zuletzt trainiert hatte. Mein Plan ist es, im kommenden Sommer wieder mehr Slalom-Trainings zu absolvieren.»

An Mazes WM-Titel hatte es von Anfang an kaum Zweifel gegeben. Sie, die in der Regel beide Wettkampf-Teile auf höchstem Niveau perfekt beherrscht, hatte schon nach der Abfahrt an der Spitze gestanden (0,02 vor Gut). Im Slalom konnte dann für Maze fast nichts mehr schief gehen, umso mehr weil ihr italienischer Coach Valerio Ghirardi einen Kurs gesteckt hatte, der auf die verheissungsvolle Ausgangslage zugeschnitten war. Die Slalom-Aufgabe ging sie etwas gar verhalten an, sie rettete aber eine Reserve von 22 Hundertsteln ins Ziel.

Wie weiter, Tina Maze?

Tina Maze, die bisher in ihrer Karriere von gröberen Verletzungen verschont geblieben ist, baut ihre imposante Edelmetall-Sammlung weiter aus. Nach ihrem nächsten Coup in Beaver Creek steht die 31-jährige Slowenin bei Grossanlässen bei 13 Medaillen, sechsmal Gold und siebenmal Silber! Noch eindrucksvoller wird dieses Palmarès, wenn man bedenkt, dass sie diese Podestplätze alle innerhalb der letzten sechs Jahre erreicht hat. Gestartet hatte sie ihre «Medaillen-Razzia» 2009 an den Weltmeisterschaften in Val d'Isère mit Silber im Riesenslalom.

Seit sie auf privater Basis ihr «Team to aMaze» gebildet hat, in dem ihr italienischer Lebenspartner Andrea Massi als Headcoach wirkt, geht es für sie praktisch stetig aufwärts. Dies, obwohl in diesem Team regelmässig ein Reizklima herrscht, das sich auch in der Beziehung von Massi und Maze schon bemerkbar gemacht hat. Reibung mit anderen Menschen scheint Maze als Sportlerin zu brauchen. Sie hat laut der NZZ einmal zu slowenischen Journalisten gesagt: «Ich habe den Modus für den Erfolg gefunden. Nur mit Wut im Bauch kann ich mein Potenzial abrufen - ich muss zur Bestie werden.»

Und Maze, die Gesamtweltcup-Siegerin von 2013 (mit 2414 Punkten!), hat in Beaver Creek ihren Erfolgshunger noch nicht gestillt. Sie will auch in Riesenslalom und Slalom zuschlagen. Auch in diesen Disziplinen wird sie zum engsten Favoritenkreis gehören. In beiden Sparten hat sie in dieser Weltcup-Saison schon gewonnen; im «Riesen» in Are, im Slalom in Levi. Sollte sie tatsächlich auch in beiden technischen Disziplinen aufs Podest steigen, würde sie das gleiche fabelhafte Kunststück schaffen wie Lasse Kjus, der 1999 - in Vail/Beaver Creek notabene - in sämtlichen fünf (Einzel-)Rennen Medaillen abräumte (2x Gold, 3x Silber).

Angesichts Mazes Stärke und Auftreten wäre es schade für den Skirennsport, wenn solch eine Athletin nach dieser Saison für immer verloren ginge. Sie soll sich gegenwärtig überlegen, entweder im Frühling zurückzutreten oder für ein Jahr eine Wettkampf-Pause einzuschalten. Bei ihrem Schweizer Ausrüster Stöckli, bei dem sie sämtliche Privilegien geniesst, würde man es wahrscheinlich gerne sehen, wenn sie 2017 an den Weltmeisterschaften in St. Moritz nochmals am Start stehen würde. So oder so wird sie für Stöckli wohl auch nach dem Ende der Aktiv-Laufbahn eine wichtige Botschafterin sein. Ein baldiger Rücktritt wäre keine Überraschung, hat Maze doch in den vergangenen Monaten oft betont, dass ihr dicht gedrängtes Programm an den Kräften zehre. Zudem könnten sich ihre Prioritäten verschieben. Maze möchte ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin abschliessen. Auch die Gründung einer Familie soll ein Thema sein. Und was soll eine noch gewinnen, die schon alles gewonnen hat?

Hosp und Kirchgasser auf dem Podest

Die zweitplatzierte Hosp gilt als Spezialistin für die (Super-)Kombination. In dieser Sparte hat die 31-jährige Tirolerin nun ihre vierte Medaille an einem Grossanlass gewonnen; nach Olympia-Silber in Sotschi, WM-Bronze 2013 in Schladming und WM-Silber 2003 in St. Moritz. Insgesamt steht Hosp jetzt bei neun Einzel-Medaillen an internationalen Titelkämpfen.

Für die bald 30-jährige Salzburgerin Michaela Kirchgasser ist es erst die zweite Medaille an einem Grossanlass. Vor zwei Jahren hatte sie an den Heim-Weltmeisterschaften in Schladming Silber im Slalom geholt.

Vonns nächste Enttäuschung

Lokalmatadorin Lindsey Vonn kam wie in der Spezial-Abfahrt nie wie gewünscht auf Touren. Im ersten, schnellen Wettkampf-Teil, der ihr bedeutend besser hätte liegen sollen, büsste sie als Siebente bereits 1,31 Sekunden auf Maze ein. Die technisch anforderungsreiche «Raptor»-Piste hat ihr in den vergangenen Tagen nicht den erhofften Medaillen-Regen gebracht. Im Kombi-Slalom fädelte sie sogar ein. Im Zielraum vergoss sie Tränen. Die bronzene Auszeichnung im Super-G wird für Vonn das Highlight der Heim-Weltmeisterschaften bleiben.

Marie-Michèle Gagnon, die letzte Gewinnerin in der Super-Kombination im Weltcup (12. Januar 2014 in Altenmarkt/Zauchensee), schied bereits in der Abfahrt aus. Zwei Tage nachdem ihr amerikanischer Freund Travis Ganong in der Abfahrt zu WM-Silber gerast war, gab es für sei eine herbe Enttäuschung.

Die zweite Schweizer Teilnehmerin Priska Nufer fädelte im Slalom ein. Nach der Abfahrt war die Obwaldnerin, die am Mittwoch ihren 23. Geburtstag feiert, mit knapp drei Sekunden Rückstand Neunzehnte gewesen.

Im Weltcup tragen die Frauen ihre erste und einzige Super-Kombination in dieser Saison erst am 1. März in Bansko (Bul) aus.

Marco Ackermann (si), Beaver Creek

Beaver Creek (USA). Weltmeisterschaften. Kombination der Frauen: 1. Tina Maze (Sln) 2:33,37. 2. Nicole Hosp (Ö) 0,22 zurück. 3. Michaela Kirchgasser (Ö) 0,35. 4. Anna Fenninger (Ö) 0,89. 5. Lara Gut (Sz) 0,94. 6. Kathrin Zettel (Ö) 1,64. (Si)

Die Schweizer Ski-Frauen gehen bei der Super-Kombination in Beaver Creek leer aus. Reaktionen. (Tele 1, 10.02.2015)




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