Silber, das sich fast wie Gold anfühlt

SKI FREESTYLE ⋅ Fanny Smith (24) beschert der Schweiz an der Ski-Freestyle- und Snowboard-WM in der Sierra Nevada die 7. Medaille. Die Waadtländerin wird im Skicross nur von der Schwedin Sandra Näslund bezwungen.
19. März 2017, 11:01

Stefan Baumgartner (SDA), Sierra Nevada

sport@luzernerzeitung.ch

Im Dezember 2015, in der Qualifikation zum Weltcup-Auftakt im Montafon, hatte Fanny Smith einen komplizierten Schlüsselbeinbruch erlitten. Wenige Wochen später erklärte sie ihre Saison für beendet. Die Verletzung gab der ungemein ehrgeizigen Romande Zeit, einen sauberen Formaufbau für den zu Ende gegangenen Winter zu tätigen. Die Massnahme zahlte sich aus: Smith stand in sechs Weltcuprennen (viermal Zweite, zweimal Dritte) auf dem Podest, in der Disziplinenwertung resultierte die vierte Top-3-Klassierung in Folge.

An der WM war nur die 20-jährige Näslund schneller. Hinter der schlecht in den Final gestarteten Smith stand mit der bald 41-jährigen Französin Ophélie David ihr einstiges Idol als Dritte zum fünften Mal auf dem Podest. «Das macht meine Klassierung nochmals spezieller», freute sie sich über den Coup der «Grande Dame» des Skicross.

Smith komplettierte in der Sierra Nevada ihren Medaillensatz an Weltmeisterschaften. 2013 hatte sie Gold geholt, vor zwei Jahren wurde sie Dritte. «Diese Silbermedaille fühlt sich fast wie eine goldene an», sagte die in diesem Winter als einzige unverletzt gebliebene Schweizerin. «Ich blicke auf eine sehr zufriedenstellende Saison zurück, die sehr wichtig für mein Selbstvertrauen war.»

Im Hinblick auf die Olympia-Saison wünscht sich Swiss-Ski eine engere Zusammenarbeit mit seiner erfolgreichsten Skicrosserin. Smith ist seit dem Beginn ihrer Karriere mit einem Privatteam unterwegs. Ihr Trainer Guillaume Nantermod ist gleichzeitig ihr Servicemann, zudem gehört ein eigener Physiotherapeut zur Equipe. Dabei war im letzten Sommer ein Nationenwechsel zur Debatte gestanden. Smiths Mutter ist Britin, ihr Vater Amerikaner. Die Option wäre Grossbritannien gewesen, das für 2018 rund 60 Millionen Franken in ein Olympia-Förderprogramm für Winter-Spitzensportler investiert. Swiss-Ski wehrte sich aber erfolgreich gegen den Wechsel und will Smith stattdessen als künftiges Zugpferd des Frauenteams einspannen.

Schweizer Männer schwer geschlagen

Die Schweizer Männer, im Weltcup mit elf Podestplätzen hinter den führenden Franzosen die Nummer 2 der Nationenwertung, bekamen die Unberechenbarkeit im Skicross mit voller Wucht zu spüren. Sie hatten zu den WM-Favoriten gezählt, aber wie schon bei den sechs vorherigen Weltmeisterschaften gingen sie leer aus.

Drei Mitglieder des ambitionierten Quartetts (Jonas Lenherr, Armin Niederer und Alex Fiva) scheiterten in der Sierra Nevada bereits in der ersten K.-o.-Runde. Der Weltcup-Dritte Fiva beging im mittleren Teil der eher flachen Strecke einen kleinen Fahrfehler, der sich im Sulzschnee entscheidend auf die Geschwindigkeit auswirkte. «Ich wollte es zu gut machen. Schade, dass es wieder an einer Weltmeisterschaft passiert ist.» Ähnliches widerfuhr Marc Bischofberger im Viertelfinal. Vor der letzten Kurve in Führung liegend, wurde der im 10. Rang klassierte Appenzeller noch von zwei Konkurrenten überholt. «Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das passieren konnte», sagte er schulterzuckend. «Eines konkreten Fehlers war ich mir eigentlich nicht bewusst.»

Auch im Männerrennen ging der WM-Titel an Schweden. Victor Öhling Norberg durfte am Ende einer Saison, in der er körperlich (Rückenverletzung) und mental stark gefordert war, zuoberst auf das Podest steigen. Öhling Norberg, der den viertklassierten Slowenen Filip Flisar als Weltmeister entthronte, ist der Freund der im Dezember schwerst verunfallten Anna Holmlund.

Sierra Nevada (ESP). WM. Skicross. Männer: 1. Öhling Norberg (SWE). 2. Prebble (NZL). 3. Place (FRA). 4. Flisar (SLO). 5. Wahrstötter (AUT). 6. Kappacher (AUT). – Ferner die Schweizer: 10. Bischofberger. 18. Lenherr. 20. Niederer. 21. Fiva. – 43 klassiert.

Frauen: 1. Näslund (SWE). 2. Smith (SUI). 3. David (FRA). 4. Zacher (GER). 5. Thompson (CAN). 6. Berger Sabbatel (FRA). – 19 klassiert.

Slopestyle. Qualifikation (nur ein Lauf). Männer. 2. Gruppe: 1. Beaulieu-Marchand (CAN) 94,66. 2. Nummedal (NOR) 91,00. 3. Ragettli (SUI) 87,66. – Top 6 pro Gruppe direkt im Final von heute. – Nicht gestartet: Ambühl (SUI).

Bemerkung: Die restlichen Fahrer (u. a. die Schweizer Schuler und Wili) bestreiten heute einen zweiten Lauf, aus dem sich vier weitere Fahrer für den Final (Top 16) qualifizieren.

Frauen (zwei Läufe): 1. Ledeux (FRA) 91,50. 2. Gremaud (SUI) 88,16. 3. Atkin (GBR) 85,16. – Ferner: 6. Tanno (SUI) 82,33. 8. Hoefflin (SUI) 76,83. – Top 8 im Final von heute.


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