Fakten und Kurioses zum Weltcup

SKI ALPIN ⋅ Wer hat die Rennen geprägt? Welche Rekorde wurden gebrochen? Was macht Lindsey Vonn abseits der Pisten? Ein Rückblick auf die Saison 2016/17.
19. März 2017, 10:56

Podeste am Fliessband

Marcel Hirscher Mit seinem 6. Weltcup-Gesamtsieg übertraf Marcel Hirscher den Rekord von Marc Girardelli, der zwischen 1985 und 1993 fünfmal die grosse Kristallkugel erobert hatte. Die eindrückliche Allzeit-Bilanz: In jedem zweiten Rennen steht der Österreicher auf dem Podest (107 Mal in 201 Rennen), fast in jedem vierten siegt er (45 Mal). Nur einmal ging die Entscheidung in der Weltcup-Gesamtwertung extrem knapp aus. 2012 verwies er beim «Showdown in Schladming» Beat Feuz um 25 Punkte auf den zweiten Platz. Der Emmentaler schied beim letzten Super-G aus, Hirscher wurde überraschend Dritter. Sonst hatte Hirscher immer ein Polster von über 100 Punkten.

Heuer sicherte sich Hirscher die Kugel schon sechs Rennen vor Schluss, so früh wie nie seit 2000, als Hermann Maier ähnlich überlegen der Konkurrenz enteilte. Zum ÖSV-Rekord von Maier (54 Siege) fehlen Hirscher noch neun Siege. Heuer kamen «nur» sechs dazu, zehnmal musste er sich mit Platz 2 begnügen, oft nur Sekundenbruchteile zurück. «Die Hundertstel», so Hirscher, «treiben mich noch zum Wahnsinn.» Ärger auf höchstem Niveau.

Je älter, umso schneller

Peter Fill Der Italiener Peter Fill ist mit 34 Jahren und 4 Monaten der älteste Gewinner eines Disziplinen-Weltcups. Er wiederholte seinen Vorjahrestriumph in der Abfahrt, ohne ein einziges Rennen gewonnen zu haben – wie zuletzt Marc Girardelli im Jahr 1991. Fill stand in dieser Saison fünfmal auf dem Podest. Überhaupt hat er in seiner Karriere jetzt gleich viele Abfahrtssiege wie Kristallkugeln errungen – je zwei!

Mit 131 Abfahrten ist Fill der Speedfahrer mit den meisten Rennen, nachdem Klaus Kröll zurückgetreten ist. Der «Bulle von Öblarn» entthronte bei seinen letzten Einsätzen in Kvitfjell, wo er zum 155. und 156. Mal antrat, Rekordhalter Kristian Ghedina (154 Abfahrten). Kröll liess seit 2002 keine Abfahrt aus.

Hinter Fill folgt Erik Guay mit 119 Abfahrten. Die ersten sieben der Abfahrtswertung sind alle 30 und mehr, Beat Feuz und Carlo Janka (beide 30) unter ihnen die jüngsten. Der Österreicher Hannes Reichelt ist nach seinem Triumph in Aspen mit bald 37 der zweitälteste Super-G-Sieger nach Didier Cuche. Die Schweizer errangen, wie letzte Saison, sieben Podestplätze und einen Sieg – durch Niels Hintermann.

Mit 22 schon alles gewonnen

Mikaela Shiffrin Das Kontrastprogramm zu den schnellen, ­älteren Herren bildet Mikaela Shiffrin, die sich – nach drei WM-­Titeln und einem Olympiasieg – wenige Tage nach ihrem 22. Geburtstag auch den Gesamtsieg sicherte. Im Gegensatz zu Hirscher wagte sich die Amerikanerin auch auf die Abfahrt und erzielte bei ihren Premieren in Lake Louise einen 13. und 18. Rang. Trotz ihres jugendlichen Alters steht Shiffrin schon mit 31 Siegen zu Buche und zog damit mit Erika Hess gleich.

Es gab jedoch schon jüngere Weltcup-Gesamtsiegerinnen als Shiffrin. Lise-Marie Morerod war 1977 bei ihrem Gesamtsieg noch keine 21 Jahre alt, Erika Hess 1982 erst 20 und Michela Figini 1985 sogar erst 19. Figini war in diesem Alter ebenfalls schon Olympiasiegerin und Weltmeisterin. So exklusiv ist der Leistungsausweis von Shiffrin also nicht. Und die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll hatte im selben Alter wie Shiffrin sogar 41 Rennen gewonnen.

Im Slalom hingegen nähert sie die Ausnahmeathletin aus den USA mit 25 Siegen den Bestmarken von Vreni Schneider (35) und Marlies Schild (36).

In die Bresche gesprungen

Schweizerinnen An der WM in St. Moritz sprangen die Schwyzerin Wendy Holdener und die Obwaldnerin Michelle Gisin für die verletzte Lara Gut in die Bresche. Doch im Weltcup hinterlässt die Tessinerin ein Vakuum, das ihre Kolleginnen noch nicht auszufüllen vermochten. Obwohl Gut auf die letzten neun Rennen verzichten musste, ist sie in der Gesamtwertung klar die beste Schweizerin (4.) und in drei Disziplinen in den Top 3.

Holdener zeigte mit sechs Podestplätzen ihre beste Slalom-Saison und stand in Squaw Valley ihrem ersten Triumph so nahe wie nie. Bei der Zwischenzeit zwölf Hundertstel vor Shiffrin, scheiterte sie am drittletzten Tor. So bleibt Marlies Oester seit dem 20. Januar 2002 die letzte Schweizer Slalomsiegerin. Bemerkenswerte Schweizer Ex­ploits: 7. Rang von Gisin in ihrer allerersten Weltcup-Abfahrt in Val d’Isère (plus Podestplatz in der Kombi), vier Top-Ten-Plätze von Melanie Meillard (18), 5. Platz von Jasmine Flury in der Olympia-Hauptprobe und 9. Rang von Camille Rast (17) im Riesenslalom von Kronplatz. Die Bilanz: 5 Siege – alle von Lara Gut – und 16 Podestplätze.

Aufstieg aus dem Nichts

Ilka Stuhec/Sofia Goggia In 100 Weltcuprennen schaffte es Ilka Stuhec ein halbes Dutzend Mal knapp in die Top Ten. Dann wechselte sie die Ski, gewann sieben Rennen und stand 13 Mal auf dem Podest.

Das Märchen erinnert an Tina Maze, die im Jahr 2008 ebenfalls aus dem Nichts (in keiner Disziplin in den Top 5) das Material wechselte und dann Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Weltcup-Gesamtsiegerin wurde. Die Parallelen: Stuhec und Maze sind beide Sloweninnen – und beide wechselten auf Stöckli-Ski.

Einen ähnlichen Aufstieg erlebte in dieser Saison die 24-jährige Sofia Goggia, die mit ihrer spektakulären Fahrweise an den Amerikaner Bode Miller erinnert. Die Italienerin galt wie Stuhec (Junioren-Weltmeisterin vor Lara Gut) als Talent, konnte sich allerdings, teilweise verletzungsbedingt, im Weltcup lange Zeit nicht durchsetzen.

Im vergangenen November fuhr Goggia erstmals auf das Podest und liess diesem elf weitere Top-3-Klassierungen folgen, dazu zwei Siege in den olympischen Speed-Hauptproben in Jeongseon.

Ski- und Familiengeschichten

Vonn/Weirather Lindsey Vonn hat einen neuen Freund, Kenan Smith. Das ist deshalb von Belang, weil der US-Star, analog der Soap «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», in einer Serie auf Eurosport in mehreren Folgen «einzigartige und unverfälschte Einblicke in mein Leben» gibt (Original-PR-Zitat von Vonn). Die Doku-Soap trägt den Namen «Chasing Story» und begleitet ihre Jagd auf den Weltcup-Rekord von Ingemar Stenmark (86 Siege), der ihr letztes grosses Ziel ist.

Die Jagd geriet durch Unfälle und zahlreiche Stürze aber arg ins Stocken, so dass Vonn – bei nur einem Sieg (plus 5 Podestplätze) – auf einem Total von 77 stehen-blieb.

Geschichte schrieb dafür die Familie Weirather-Wenzel. Die Liechtensteinerin Tina Wei­rather, die mit dem einstigen Hermann-Maier-Coach Andi Evers im Schweizer Team trainiert, gewann im Duell gegen Ilka Stuhec den Super-G-Weltcup. Damit sind Harti Weirather (Abfahrts-Weltcup 1981), Hanni Wenzel (zwei Gesamtsiege und drei Disziplinen-Weltcups) und Tina die einzige Ski-Familie, in der Vater, Mutter und Tochter Kristall­kugeln gewannen.

Richard Hegglin


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