Nachgefragt

Wie ein zartes Pflänzchen

SKI ALPIN ⋅ Die Schweizer Slalomfahrer verpassen in Adelboden ein Spitzenresultat. Beim Sieg des Österreichers Marcel Hirscher bestätigen sie jedoch die Aufwärtstendenz der vergangenen Jahre.
08. Januar 2018, 07:58

Ives Bruggmann, Adelboden

sport@luzernerzeitung.ch

Es war ein Bild mit Symbolcharakter. Loïc Meillard nahm nach seinem gelungenen zweiten Lauf in der Leaderbox Platz. Er, der für die erfolgreiche Schweizer Zukunft in den technischen Disziplinen stehen soll, hatte voll angegriffen und verbesserte sich dadurch vom 14. auf den achten Platz. Die Stimmung in Adelboden erlebte ihren ersten Höhepunkt. Drei weitere Schweizer standen noch oben, ein Spitzenresultat war zum Greifen nahe. Doch sowohl Ramon Zenhäusern als auch Daniel Yule und Luca Aerni brachten ihre gute Ausgangslage nicht ins Ziel. Am Ende war der dreimalige Juniorenweltmeister Meillard als Achter der bestklassierte Schweizer. Yule wurde im zweiten Durchgang vom siebten auf den zwölften Rang durchgereicht, Aerni vom sechsten auf den 17. und Zenhäusern vom zwölften auf den 15. Platz. Eine leise Enttäuschung war im Publikum zu spüren.

Und dennoch herrscht eine Aufbruchstimmung im Schweizer Slalomteam. «Ich bin glücklich. Da ist eine junge Mannschaft auf dem Weg nach oben», sagte Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. Vor sechs Jahren, als die Schweiz im Slalom weit von der Spitze entfernt war, haben sich die Verantwortlichen dezidiert entschieden, eine neue Slalomgruppe zu fördern. «Jetzt ernten wir so langsam die Früchte», sagt Lehmann. Vor Weihnachten erreichte Aerni in Madonna den lange ersehnten Podestplatz. Seit 2010 musste Swiss-Ski darauf warten. In Adelboden freute er sich vor allem für Meillard und auch Zenhäusern, der mit seinem zweiten Top-15-Platz die Olympia-Qualifikation sicherstellte.

Heimvorteil oder Heimnachteil?

Die beiden bisher besten Schweizer Slalomfahrer des Winters, Aerni und Yule, scheiterten im zweiten Durchgang wohl auch an den eigenen gestiegenen Ansprüchen. «Das Heimpublikum kann sowohl beflügeln als auch eine Last sein», bilanzierte Lehmann. Das Wichtigste sei für ihn, dass die Entwicklungskurve stetig nach oben zeigt. «Wir müssen jetzt einfach noch ein bisschen Geduld haben.» Der einzige Wermutstropfen an diesem Wochenende war für den Präsidenten der Riesenslalom vom Samstag, als Murisier als bester Schweizer auf den elften Platz fuhr. «Das tut ein bisschen weh», sagte Lehmann. Aber auch in dieser Disziplin stimme die Richtung.

Kristoffersen verzweifelt an Hirscher

Marcel Hirscher war auch im Slalom nicht zu bezwingen. Die Erfolge des 28-jährigen Salzburgers nehmen immer mehr historische Züge an. In Adelboden feierte er bereits seinen vierten Slalomsieg, seinen siebten Triumph am Chuenisbärgli insgesamt. Zudem verbuchte er den 52. Weltcupsieg. Noch zwei fehlen ihm, dann zieht er mit seinem Idol Hermann Maier gleich. Hinter dem zweitplatzieren Österreicher Michael Matt erreichte Henrik Kristoffersen zum bereits neunten Mail in diesem Winter das Podest. Sehr zu seinem Ärger ist darunter kein Sieg. Die Hundertstelsekunden sind derzeit auf Hirschers Seite. Der launische Norweger wirkte ratlos. «Ich weiss langsam nicht mehr, was ich auf alle Fragen antworten soll.» Immerhin reicht es ihm regelmässig auf das Weltcup-Podest. Etwas, das er den Schweizern noch voraus hat.

Slalom

Adelboden. Weltcup der Männer:

1. Hirscher (AUT) 1:50,94

2. Matt (AUT) 0,13 zurück

3. Kristoffersen (NOR) 0,16

4. Myhrer (SWE) 0,78. 5. Pinturault (FRA) 0,83. 6. Gross (ITA) 1,43. 7. Foss-Solevaag (NOR) 1,55. 8. Meillard (SUI) 1,56. 9. Hirschbühl (AUT) 1,64. 10. Strasser (GER) 1,72. 11. Muffat-Jeandet (FRA) 1,81. 12. Yule (SUI) und Ryding (GBR), je 1,82. – Ferner: 15. Zenhäusern (SUI) 1,96. 17. Aerni (SUI) 2,26. 25. Mölgg (ITA) 3,24.

1. Lauf: 1. Hirscher 55,78. 2. Matt 0,25. 3. Myhrer 0,44. 4. Kristoffersen 0,71. 5. Pinturault 1,17. 6. Aerni 1,28. 7. Yule 1,46. – Ferner: 12. Zenhäusern 1,97. 14. Meillard 2,13. – Nicht für den zweiten Lauf qualifiziert: 38. Simonet (SUI) 4,62. – 71 Fahrer gestartet, 59 klassiert. – Ausgeschieden u.a.: Rochat (SUI).

2. Lauf: 1. Muffat-Jeandet 54,08. 2. Nordbotten (NOR) 0,01. 3. Grange (FRA) 0,16. – Ferner: 6. Meillard 0,51. 7. Kristoffersen 0,53. 10. Pinturault 0,74. 13. Matt 0,96. 15. Zenhäusern 1,07. 16. Hirscher 1,08. 21. Myhrer 1,42. 22. Yule 1,44. 26. Aerni 2,06.

Weltcup. Gesamtwertung (nach 19 von 37 Rennen): 1. Hirscher (AUT) 874. 2. Kristoffersen (NOR) 720. 3. Pinturault (FRA) 547. 4. Jansrud (NOR) 480. 5. Svindal (NOR) 454. 6. Myhrer (SWE) 325. – Ferner: 8. Feuz (SUI) 316. 15. Aerni (SUI) 257. 23. Murisier (SUI) 191. 25. Yule (SUI) 186. 26. Meillard (SUI) 185. 30. Mauro Caviezel (SUI) 161.

Slalom (nach 6 von 12 Rennen): 1. Hirscher 454. 2. Kristoffersen 355. 3. Matt (AUT) 308. 4. Myhrer 263. 5. Aerni 229. 6. Foss-Solevaag (NOR) 205. 7. Yule 186. – Ferner: 13. Meillard 108. 24. Zenhäusern 56. 27. Schmidiger (SUI) 26.

Nationen (nach 37 von 77 Wertungen): 1. Österreich 5200. 2. Schweiz 4002. 3. Norwegen 3178. 4. Italien 3086. 5. Frankreich 2150. 6. USA 2136.

Rekordsieger

Weltcupsiege

1. Ingemar Stenmark (SWE)86

2. Hermann Maier (AUT)54

3. Marcel Hirscher* (AUT)52

4. Alberto Tomba (ITA)50

5. Marc Girardelli (LUX)46

6. Pirmin Zurbriggen (SUI)40

* noch aktiv


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