Cologna baut seinen Vorsprung weiter aus

LANGLAUF ⋅ Auch in der zweitletzten Etappe der Tour de Ski spielt Dario Cologna die bis anhin gezeigte Souveränität aus. Heute startet er mit einer beachtlichen Reserve in die Schlussetappe.
07. Januar 2018, 08:07

Jörg Greb, Lago di Tesero

Was der Münstertaler Dario Cologna in Lenzerheide am Jahreswechsel angerichtet hatte, bestätigte sich gestern endgültig: Die Aussicht auf den Gesamtsieg an der witterungsbedingt von sieben auf sechs Etappen reduzierten Tour de Ski ist mehr als intakt. Die Souveränität, welche der 31-Jährige seither an den Tag gelegt hat, ist eindrücklich.

Cologna baute am Samstag seine Reserve auf seine gefährlichsten Verfolger um wertvolle Sekunden weiter aus. Und vor allem liess er keinerlei Zweifel über seine hervorragende Verfassung und seine Reserven aufkommen.

Cologna prägte das Rennen. Er war auf den sechs Runden der «Chef im Feld». Ständig präsentierte er sich in der Spitzengruppe. In den beiden Sprintwertungen mischte er vorne mit, war aber nicht überaktiv. Im Ziel der 15 Klassisch-Kilometer belegte er Platz vier – vor den gefährlichsten Widersachern. Eine nicht ideale Taktik im Endkampf vereitelte noch Besseres. Mit dem Verdikt lässt sich aber gut leben.

Wie leicht bisher bestechende Vorstellungen eine Wende nehmen können, zeigte zuvor das Frauen-Rennen. Invalid Flugstad Östberg büsste von ihrem Vorsprung von beinahe einer Minute alles bis auf zwei Sekunden ein – und die letztjährige Siegerin Heidi Weng (No) steigt nun mit den besten Karten in den Final.

Dieses Polster muss Cologna verwalten können

Von knappen Abständen kann bei den Männern keine Rede sein. Dario Cologna nimmt die 9 Kilometer mit dem happigen Schlussanstieg und ihren über 400 Höhenmetern auf der Skipiste mit einer zeitlichen Reserve von 1:14 Minuten auf den gestrigen Sieger Alexej Poltaranin (Kaz), 1:21 auf Vorjahressieger Sergej Ustjugow (Rus) und 1:22 auf Alex Harvey (Ka) in Angriff. Da handelt es sich um ein Polster, das der starke Kletterer Cologna in seiner aktuellen Topverfassung zu verwalten wissen müsste – auch wenn das Verfolgertrio und allfällige weitere Anwärter auf einen Podestrang zusammenspannen können. Cologna ist auf bestem Weg, sich den vierten Tour-Sieg nach 2009, 2011 und 2012 zu sichern. «Die Ausgangslage ist nun sehr vielversprechend», sagt er. Beflügeln dürften ihn auch die guten Erinnerungen an seine drei vorangegangenen Triumphe und die Erinnerungen generell ans Val di Fiemme. Schliesslich gewann er hier auch sein erstes und bisher einziges WM-Gold.

Mit vollem Energieeinsatz will Cologna die flachen Anfangs­kilometer angehen und den Vorsprung im steilen Schlussstück verwalten. Die wegen des Ausfalls (Sturmböen) der vierten Etappe in Oberhof (D) um 7300 Franken reduzierte Siegprämie von 47 700 Franken winkt. Das 15-km-Klassisch-Rennen von gestern war eine Cologna-Demonstration der Stärke. In keine einzige kritische Situation geriet er. Stets kontrollierte er das Geschehen und schien dauerpräsent – um allfällige Attacken seiner Herausforderer zu parieren. So war es denn kein reagierender Cologna, sondern ein agierender. Bei den beiden Sprintwertungen in der zweiten und vierten (von sechs) Runde mischte er vorne mit, verausgabte sich aber nicht. So büsste er zwar zweimal 15 Bonus-Sekunden auf den jeweils siegenden Ustjugow ein. Dieser bezahlte aber schwer für seine Efforts und fiel in der Schlussphase aus der Spitzengruppe. So konnte Cologna befriedigt bilanzieren: «Ich wollte in dieser zweitletzten Etappe die Führung behaupten, das ist mir mehr als zufriedenstellend geglückt.»

Von Siebenthal mit Top-Ten- und Rekord-Perspektiven

Erstmals in dieser Tour stiess mit Nathalie von Siebenthal auch eine Schweizerin in die Top Ten des Gesamtklassements vor. Rang 9 belegt die 24-jährige Berner Oberländerin vor der Schlussetappe. Und die Aussicht einer Steigerung ihres letztjährigen achten Schlussrangs scheint realistisch. 18 Sekunden beträgt ihr Rückstand auf die Siebte Anastasia Sedowa (Rus), 1:05 Minuten auf die Fünfte Teresa Stadlober (Ö). «Eine spannende und motivierende Ausgangslage», hielt von Siebenthal fest. «Das Wichtigste ist, dass ich nicht zu kämpferisch, zu schnell loslege, denn ebenso gut kann ich auch zurückfallen.» Auf den guten 16. Zwischenrang vorgearbeitet hat sich die Luzernerin Nadine Fähndrich.

Lago di Tesero/Val di Fiemme (ITA). Langlauf. Weltcup. Tour de Ski. 6. Etappe. Männer. 15 km klassisch (Massenstart): 1. Poltoranin (KAZ) 38:40,3. 2. Larkow (RUS) 0,4 zurück. 3. Harvey (CAN) 0,9. 4. Cologna (SUI) 2,3. 5. Bolschunow (RUS) 15,0. 6. Rickardsson (SWE) 20,2. 7. De Fabiani (ITA) 23,1. 8. Christer Holund (NOR) 26,4. 9. Tönseth (NOR) 27,0. 10. Dyrhaug (NOR) 28,6. 11. Johnsrud Sundby (NOR) 28,9. – Ferner: 14. Ustjugow (RUS) 42,8. 38. Livers (SUI) 2:38,4. 40. Baumann (SUI) 2:45,3. 47. Pralong (SUI) 3:38,5.

Tour-Stand (6/7): 1. Cologna 2:20:37,7. 2. Poltoranin 1:14,4. 3. Ustjugow 1:21,5. 4. Harvey 1:22,7. 5. Bolschunow 1:39,4. 6. Sundby 1:42,2. – Ferner: 30. Livers 6:35,0. 33. Baumann 7:07,5. 42. Pralong 8:57,4.

7. und letzte Etappe von heute: 9 km Skating (Verfolgung, Alpe Cermis).

Weltcup-Stand (15/30): 1. Hösflot Klaebo (NOR) 752. 2. Bolschunow 550. 3. Ustjugow 525. – Ferner die Schweizer: 8. Cologna 367. 28. Baumann 106. 35. Hediger 70. 49. Livers 43. 53. Schaad 36. 54. Furger 36. 70. Pralong 25. 98. Perl 6.

Frauen. 10 km klassisch (Massenstart): 1. Weng (NOR) 29:07,9. 2. Pärmäkoski (FIN) 7,6 zurück. 3. Stadlober (AUT) 8,6. 4. Diggins (USA) 23,6. 5. Flugstad Östberg (NOR) 35,2. 6. Niskanen (FIN) 45,4. 7. Sedowa (RUS) 46,1. 8. Neprjajewa (RUS) 59,9. 9. von Siebenthal (SUI) 1:01,0. 10. Bjornsen (USA) 1:11,3. – Ferner: 17. Fähndrich (SUI) 1:49,5.

Tour-Stand (6/7): 1. Östberg 1:48:43,2. 2. Weng 1,8. 3. Pärmäkoski 1:33,5. 4. Diggins 1:43,1. 5. Stadlober 2:29,9. 6. Niskanen 2:49,2. 7. Sedowa 3:15,1. 8. Bjornsen 3:33,1. 9. von Siebenthal 3:34,4. – Ferner: 16. Fähndrich 6:09,9.

7. und letzte Etappe von heute: 9 km Skating (Verfolgung, Alpe Cermis).

Weltcup-Stand (15/30): 1. Östberg 727. 2. Weng 704. 3. Kalla (SWE) 610. – Ferner die Schweizerinnen: 14. von Siebenthal 246. 30. Fähndrich 82. 31. van der Graaff 80.


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