Besser landen und vermehrt punkten

SKISPRINGEN ⋅ Die Schweizer Skispringer reisten trotz mässiger Leistungen im Sommer-GP zuversichtlich zum heutigen Weltcup-Auftakt nach Kuusamo. Simon Ammann will seine Fortschritte bei der Telemark-Landung zeigen.

24. November 2016, 07:56

Der Toggenburger Ammann steht auch in diesem Winter im Fokus. Oder genauer gesagt, die Telemark-Landung des vierfachen Olympiasiegers, der seine 20. Weltcupsaison in Angriff nimmt. Die Umstellung von links auf rechts ist nach wie vor nicht ausgereift. Der 35-Jährige hat ein Landeproblem, er lässt aber nicht locker. "Die Lust ist da, es treibt mich immer weiter", sagt er. Ammann will den Wechsel auf das rechte Bein unbedingt hinkriegen. Um dieses Ziel zu erreichen, kämpft er Tag für Tag.

Der Nationaltrainer Ronny Hornschuh, Ammanns wichtigster Ansprechpartner, attestiert seinem Schützling klare Fortschritte. "Es gab im Training sehr positive Sprünge, bei denen man den Ausfallschritt bei der Landung deutlich sah", betont er. "Telemark-Landungen sind bei Simon keine Eintagsfliegen mehr, andererseits möchte ich die Telemark-Landung doch öfters sehen." Ammanns Landung wird also vorerst unberechenbar bleiben, weil der Automatismus noch fehlt.

Trotz seines Handicaps hatte der Schweizer Teamleader im vergangenen Winter 480 Weltcuppunkte eingeflogen und die Overall-Wertung auf Platz 15 beendet. Somit blieb er weniger hinter den eigenen Erwartungen zurück als Gregor Deschwanden und Killian Peier, welche die Saison auf den Rängen 39 und 74 beendeten. Der Luzerner und der Waadtländer wollen wieder regelmässig den Finaldurchgang der Top 30 erreichen und somit punkten. Die beiden haben mit je einer Top-Ten-Klassierung in der Sommerserie ihr Potenzial angedeutet. Nun ist aber Konstanz gefragt. Da alle im Schweizer Team - abgesehen von Pascal Kälin - ohne Verletzungen über die Runden kamen, scheint dieser Schritt möglich.

Als vierter Schweizer Springer reiste Gabriel Karlen an den Polarkreis. Er hat sich in der internen Ausmarchung gegen Luca Egloff durchgesetzt. "Wir haben in unserer Mannschaft wieder die Situation, dass man um die Weltcup-Startplätze kämpfen muss", sagt Hornschuh. Dieser Konkurrenzkampf sei leistungsfördernd. Als generelle Zielsetzung nennt der Nachfolger von Pipo Schödler folgende Klassierungen: "Einmal Top 10, einmal Top 20 und zweimal ein enger Kampf um den Finaldurchgang."

Ein happiges Programm

Erstmals seit vier Jahren lancieren die Skispringer ihre Saison wieder in Kuusamo. Dies weil der ursprünglich bereits am vergangenen Wochenende in Titisee-Neustadt geplante Auftakt abgesagt werden musste. Der deutsche Organisator war mit den baulichen Massnahmen in Verzug geraten. Das Programm ist aber auch so happig und bietet zahlreiche Höhepunkte. Bei der WM in Lahti geht es ab dem 22. Februar um Medaillen, viel Abwechslung bietet der Weltcup mit 28 Einzelwettkämpfen, fünf davon auf Flugschanzen. Eingebettet sind die Vierschanzen-Tournee, die Olympia-Hauptprobe in Pyeonchang und die neue Raw-Air-Serie gegen Saisonende in Skandinavien.

Die Tour durch Norwegen soll als Pendant zur Vierschanzentournee etabliert werden. Ausgetragen wird "Raw Air" (raue Luft) zwischen dem 10. und 19. März in Oslo, Lillehammer, Trondheim und Vikersund mit sechs Springen und vier Qualifikationen, die als Prologe stattfinden werden. Dotiert ist die neue Serie mit 100'000 Euro, der Sieger kassiert 60'000 Euro. Zusammen mit den Weltcup-Prämien werden in diesen zehn Tagen rund eine halbe Million Euro ausgeschüttet. "Wenn es gut organisiert ist, wird das eine tolle Sache", meint Hornschuh.

Die Skispringer müssen sich auch auf einige neue Schanzen einstellen. So wurden beispielsweise die Anlagen in Kuusamo, Engelberg oder Oberstdorf (Skifliegen) baulich verändert, und mit Pyeonchang kommt eine neue Destination hinzu.

Comeback von Schlierenzauer?

In den vergangenen zwei Wintern kämpften der Slowene Peter Prevc und der Deutsche Severin Freund um die Vorherrschaft im Skispringen. Ob sich dieser Zweikampf wiederholen wird, ist ebenso schwer abzuschätzen wie die Frage, wann Gregor Schlierenzauer in den Weltcup zurückkehrt. Den nach Weltcupsiegen erfolgreichsten Skispringer erfasste vergangenen Winter eine Sinnkrise. Er gönnte sich eine Pause und erlitt beim Skifahren einen Kreuzbandriss. Der Tiroler arbeitet am Comeback und hat schon Mattensprünge absolviert. Ein Antreten im Weltcup könnte gemäss Medienberichten am 17. und 18. Dezember in Engelberg erfolgen, wo auf Schweizer Boden erstmals in der Nacht geflogen wird.

Heute Abend steht in Kuusamo die Qualifikation für das erste Weltcup-Springen der Saison auf dem Programm. (sda)


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