Silber für Biathletin Selina Gasparin

BIATHLON ⋅ Selina Gasparin gewinnt als erste Schweizer Biathletin eine Medaille an Olympischen Spielen! Die 29-jährige Engadinerin holt im Einzel über 12,5 Kilometer Silber. Gold gewinnt Daria Domratschewa.
14. Februar 2014, 19:10

In der Biathlon-Arena "Laura" in Krasnaja Poljana lief Selina Gasparin das Rennen ihres Lebens. Nachdem sie im Sprint eine mögliche Medaille mit einem Fehlschuss im letzten Versuch noch vergeben hatte, holte die älteste der drei Gasparin-Schwestern im Einzelrennen über 12,5 Kilometer Verpasstes nach.

Die zweifache Weltcupsiegerin im Sprint blieb in allen vier Schiessen ohne Fehler - ein Novum - und legte im Schiessstand die Basis zu ihrem Exploit. Auch in der Loipe zeigte Selina Gasparin vor den Augen ihrer Eltern mit der insgesamt zehntbesten Zeit eine tadellose Leistung.

  • Selina Gasparin (links) und Sandro Viletta. (© Keystone)
  • Sandro Viletta (mitte) an der Siegerehrung mit Ivica Kostelic (links) und Christof Innerhofer. (© Keystone)
  • Erste Medaille im Biathlon für die Schweiz überhaupt: Selina Gasparin holt Silber. (© Keystone)

Ein denkwürdiger Tag für die Schweizer Wintersportler in Sotschi. Zuerst gewinnt Langläufer Dario Cologna überlegen Gold über 15 km klassisch. Wenig später zieht Skirennfahrer Sandro Viletta nach und wird Olympiasieger in der Super-Kombination. Und am völlig überraschend holt Selina Gasparin im Biathlon über 15km Silber.

Am Ende musste sich Gasparin nur der Weissrussin Daria Domratschewa geschlagen geben, die trotz einer Strafminute überlegen zu Gold lief. Domratschewa hatte bereits in der Verfolgung Gold gewonnen und lief in der Loipe erneut in einer eigenen Liga. Obwohl sie im ersten Stehendschiessen nach einem Fehler eine Strafminute kassiert hatte, siegte sie am Ende mit 1:15,7 Minuten vor Selina Gasparin.

Bronze ging mit Nadeschda Skardino an eine weitere Weissrussin. Sie blieb wie Gasparin am Schiessstand ohne Fehler, lief aber im Ziel mit einem Rückstand von 23 Sekunden auf Gasparin ein.

Selina Gasparins jüngere Schwestern Elisa und Aita lief es nicht ganz nach Wunsch. Die gesundheitlich angeschlagene Elisa, die im Sprint überraschend ein Diplom gewonnen hatte, beendete das Rennen nach einem Sturz und drei Schiessfehlern auf Platz 33, Aita Gasparin belegte bei ihrem Olympia-Debüt den 62. Platz.

Ein gelungenes Olympia-Debüt glückte Irene Cadurisch. Die 22-Jährige aus Maloja verzeichnete nur einen Fehler am Schiessstand und klassierte sich im 37. Rang. Cadurischs bisher bestes Ergebnis im Weltcup ist Platz 69. (Si)

  • <p> <strong> Peinliche Panne bei SRF</p></strong>

 
<p>Wer ARD oder ORF eingeschaltet hatte, konnte den Silberlauf von Selina Gasparin live mitverfolgen. Die TV-Stationen aus den Nachbarländern hatten Gasparin längst interviewt und sich verabschiedet, als SRF die historische Schweizer Biathlon-Sensation in einer um rund dreiviertel Stunden verschobenen Aufzeichnung nachlieferte. Die offensichtliche Regie-Panne erinnert beispielsweise an jene von 1987, in der sich das Schweizer Fernsehen aus dem Kugelstosswettkampf der Leichtathletik-WM in Rom ausblendete, Werbung laufen liess und den Siegesstoss von Werner Günthör verpasste. </p>
 (© Keystone)
  • <p> <strong> Colognas Hommage an Dählie </p></strong>

 
<p>Dario Cologna zeigte nach seinem Sieg über 15 km Grösse. Nach seinen ersten Interviews mit den zahlreichen TV-Stationen begab er sich nochmals zur Ziellinie, um die letzten beiden, gleichzeitig langsamsten Läufer in Empfang zu nehmen. Der Bündner gratulierte dem Nepalesen Dachhiri Sherpa (44) und dem Peruaner Roberto Carcelen (43), die das Ziel mit 17 respektive 27 Minuten Rückstand erreichten, persönlich zur Beendigung des Rennens. Die Szene erinnerte an 1998, als Björn Dählie nach seinem Sieg im 10-km-Rennen von Nagano sehr lange auf Philip Boit wartete, den ersten Winterspiel-Teilnehmer Kenias. Für Sherpa und Carcelen war es bereits die zweite Olympia-Teilnahme. In Vancouver hatte für sie über 15 km der viert- beziehungsweise den zweitletzte Platz resultiert. </p>
 (© Keystone)
  • <p> <strong> Lobeshymne auf Dominique Gisin </p></strong>

 
<p>Christian Szepessy, Chef der Schweizer Bob-Delegation in Sotschi, kann sich auch eine Scheibe von Dominique Gisins Abfahrts-Gold abschneiden. Der gebürtige Zürcher, der nun in der Region Biel ansässig ist, hatte die Speed-Fahrerin als Athletik-Coach während vier Jahren auf die Olympischen Spiele in Vancouver vorbereitet. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Gisin war sogar an Szepessys Hochzeit eingeladen. Er sagt über ihren Gold-Coup: «Sie ist ein Vorbild dafür, wie man mit Rückschlägen umgehen muss. Für mich als Coach war sie ein Glücksfall. Ihre Einstellung ist beeindruckend. Ich werde wohl nie mehr mit solch einer einzigartigen Athletin kooperieren dürfen. Ich vermisse die Zusammenarbeit mit ihr. Sie hat manchmal fast ein zu grosses Herz, ist nicht die, die die Ellbogen ausfährt, trotzdem konnte sie nun ihren Lohn einfahren.» </p>
 (© Keystone)

Wie sich SRF eine peinliche Regie-Panne leistete die Lobeshymne auf Dominique Gisin, lesen Sie u.a. in unserem heutigen Olympia-Splitter aus Sotschi.


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