Neue Luzerner Zeitung Online, 12. April 2011, 11:10
Urs Wollenmann tritt nach Vorwürfen zurück
Urs Wollenmann (Bild: Archiv Remo Nägeli/Neue LZ)
Nach den Vorwürfen des «Tages-Anzeigers» zieht sich Urs Wollenmann aus dem Parlament der Stadt Luzern zurück. Der SVP-Politiker kritisiert diese Zeitung - und den eigenen Fraktionschef.
Urs Wollenmann hat bei der Stadtkanzlei seine sofortige Demission eingereicht. Damit zieht der SVP-Politiker Konsequenzen aus der «Rufmord-Geschichte» des «Tages-Anzeigers» gegen seine Person. «Der Respekt und die Achtung mir gegenüber erlauben es mir nicht, dieses entwürdigende Spiel weiterzutreiben», schreibt Wollenmann in einer Mitteilung an die Medien. Diese Geschichte sei für seine Frau eine ausserordentliche seelische und körperliche Belastung, was für ihn besorgniserregend sei. Sie habe ihn gebeten, sein politisches Mandat abzugeben. Ob Wollenmann aus der Partei austritt oder bleibt, geht aus der Medienmitteilung nicht hervor.
Vorwurf: Falscher Titel
Urs Wollenmann schmücke sich mit einem akademischen Titel, der ihm nicht zustehe, schrieb der «Tages-Anzeiger» in seiner Ausgabe vom 8. April. Die Zürcher Zeitung verglich Wollenmann mit dem ehemaligen deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der nach Plagiatsvorwürfen seinen Doktorhut ablegte. Die einzig nachweisbar und korrekte Tatsache in diesem Artikel sei, dass er auf seiner Website einen akademischen Titel aufführte und diesen wieder entfernte, so Wollenmann. Der Rest sei «eine Diffamierungskampagne» mit «Unterstellungen und Anschuldigungen, die darauf abzielt, mich politisch, beruflich und persönlich zu ruinieren.» Die Chance, gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung die Abschlusszertifikate der Universität als Beleg seiner akademischen Ausbildung vorzulegen, wollte er nicht nutzen.
Weitere Schritte
Der «Tages-Anzeiger» hatte auch in Frage gestellt, dass Wollenmann als Inlandredaktor beim damaligen Badener Tagblatt gearbeitet habe. «Und wenn doch, er eine «Nullnummer» gewesen sei», schrieb die Zeitung. Diese Unterstellung sei eine absolute Frechheit und klar ehrverletzend, so Wollenmann.
Nun leitet Urs Wollenmann weitere Schritte ein: Er will abklären, ob der gemäss «Tages-Anzeiger» «dienstälteste Journalist auf der Badener Redaktion» eine solche Aussage gegen ihn gemacht hat. Werde das unterlassen, reiche er Strafanzeige ein. Desweiteren gelangt er an den Ombudsmann sowie den Presserat und behält sich weitere Schritte gegen die Zeitung aus dem Hause Tamedia vor.
Fraktionschef in der Kritik
Verärgert zeigt sich Wollenmann auch gegenüber Werner Schmid, Fraktionschef der Luzerner SVP im Grossen Stadtrat: «Ihm hat es in dieser Situation und nicht zum ersten Mal mir gegenüber an Anstand, Respekt, und Manieren gefehlt.» Für gewisse Exponenten gelte der Grundsatz «in dubio pro reo» nicht. Stattdessen unterstützen sie «dieses schmutzige Geschäft der gegnerischen Seite auch noch». Nicht betroffen von der Kritik sei das Präsidium der städtischen SVP um Pirmin Müller.
Urs Wollenmann kandidierte am Sonntag für den Kantonsrat, verpasste den Sprung ins Parlament aber.
rem
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