Aarau
Busbetrieb schreibt halbe Million Franken Verlust: Die Fahrgastzahlen haben sich noch nicht wieder erholt

Die Busbetrieb Aarau AG steht zwar solide da, die Pandemie hallt aber noch arg nach. Dennoch will man nach vorne schauen: Es gibt neue Elektrobusse, eine Stellenaufstockung und bessere Busverbindungen für die Passagiere.

Nadja Rohner
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Etwa so sieht der neue Elektrobus der Busbetrieb Aarau AG (BBA) aus.

Etwa so sieht der neue Elektrobus der Busbetrieb Aarau AG (BBA) aus.

zvg

«Seit die Busbetrieb Aarau AG 2019 in die Eigenständigkeit startete, gab es nur noch Ausnahmejahre», schreiben BBA-Verwaltungsratspräsident Peter Forster und Geschäftsführer Peter Baertschiger im Bericht zum Jahr 2021. Und sie könnten es nicht besser treffen. Immerhin: «Die BBA AG hat ein gutes und von schweren Unfällen verschontes Geschäftsjahr hinter sich», konstatierte Forster an der Generalversammlung am Donnerstagabend. An dieser wurde, soviel vorweg, jeder Antrag diskussionslos durchgewunken. Mehrheitsaktionärin ist die Stadt Aarau.

Fahrgastzahlen stiegen nicht so schnell wie erhofft

2019 war für die BBA mit über 9,16 Millionen Fahrgästen ein Rekordjahr gewesen. 2020, im ersten Pandemiejahr, folgte unweigerlich der Einbruch um über einen Viertel auf knapp 6,53 Millionen. Das entsprach einem Niveau, wie es vor dem Jahr 2000 herrschte.

In 2021 hat die BBA 7'040'079 Passagiere befördert und dabei auf dem 55 Kilometer langen Liniennetz mit 37 Fahrzeugen insgesamt 2'384'685 Kilometer zurückgelegt. «Der erhoffte schnelle Anstieg der Fahrgastzahlen blieb leider aus», wird dies im Geschäftsbericht kommentiert. Die Zunahme betrug nur 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Verglichen mit 2019, lag die BBA in 2021 bei den Fahrgastzahlen noch immer um 23 Prozent zurück. Am besten haben 2021 sich die Linien 1 (nach Buchs und Küttigen), 5 und 7 (Richtung Goldern und Zelgli) vom pandemiebedingten Einbruch erholt; die Linie 6 (Richtung Suhr und Wöschnau) liegt sogar noch immer unter dem Wert von 2020.

Finanzstruktur sei absolut solid

Bei einem Betriebsaufwand von knapp 16,97 Millionen Franken resultierte ein Verlust von rund 540'000 Franken. «Bei der Bemessung der Abgeltungen für das Jahr 2021 gingen die BBA und die Besteller von zirka 1,5 Millionen Franken höheren Verkehrserträgen aus», so der Geschäftsbericht:

«Erfreulicherweise konnte die BBA dank einer strikten Kostenkontrolle die Ausgaben reduzieren und so den Verlust reduzieren.»

Durch die «bescheidenen Gewinne» aus den Jahren vor der Pandemie habe das Unternehmen genügend spezialrechtliche Gewinnreserven äufnen können, um auch den diesjährigen Verlust mit diesen Reserven zu verrechnen. Die in 2020 beantragten Covid-19-Kredite wurden im 1. Semester 2021 beansprucht. Sie konnten aber per Mitte 2021 wieder zurückbezahlt werden.

Der Kostendeckungsgrad betrug 58 Prozent. Das Eigenkapital liegt bei 7,795 Millionen Franken. Kurz: «Die Finanzstruktur der BBA ist absolut solid», so Verwaltungsratspräsident Peter Forster an der Generalversammlung.

BBA kauft Elektrobusse

Man will nun – nicht nur bei der BBA – vorwärtsschauen. Denn 2023 bringt mehrere ganz wesentliche Neuerungen. Weil 15 Diesel-Gelenkbusse ersetzt werden müssen, schafft sich die BBA neu Elektrobusse an. Der Kaufvertrag mit EvoBus Schweiz wurde am Donnerstag unterzeichnet. Die ersten zwei Busse werden kommenden Sommer geliefert.

Ab 2024 sind dann 40 Prozent der BBA-Busflotte elektrifiziert, womit jährlich knapp 440'000 Liter Diesel eingespart werden können. Die Umstellung benötigt Anpassungen an der Infrastruktur beim Depot in der Aarauer Telli. Unter anderem wird gerade eine neue Trafostation gebaut. Das alles unter laufendem Betrieb zu stemmen, sei eine grosse Herausforderung, so Geschäftsführer Peter Baertschiger.

Fahrplanwechsel krempelt vieles um

Während die letzten Fahrplanwechsel für die BBA ohne grosse Änderungen über die Bühne gingen, steht nun im Dezember eine grosse Umstellung an. Konkret: Die Aarauer Altstadt wird abends und sonntags nicht mehr durch-, sondern umfahren. Auf den Linien 1 und 2 wird der 7,5-Minuten-Takt ausgedehnt (er fängt abends früher an). Ebenfalls auf diesen Linien wird der 15-Minuten-Takt auch abends und am Sonntag eingeführt. Was unter anderem bedeutet, dass jene, die am Bahnhof aus Richtung Westen ankommen, nun nicht mehr so lange auf den nächsten Bus warten müssen – aktuell können es gerne mal 20 Minuten sein, weil die Busabfahrten am Bahnhof auf die aus dem Osten ankommenden Züge getimed sind.

Neu fährt ausserdem ab Dezember der Bus im 30-Minuten-Takt auf die Barmelweid. Um dies alles stemmen zu können, so erzählt Baertschiger, brauche es sechs zusätzliche Fahrerinnen oder Fahrer. Die Rekrutierung sei aktuell herausfordernd – es hapere oft bei den Sprachkenntnissen, sagt er am Rande der GV.

Die BBA beschäftigte Ende 2021 insgesamt 122 Mitarbeitende. Die meisten (108) sind Chauffeusen und Chauffeure, der Frauenanteil beträgt da 13 Prozent.