Tourismus

Aarau mangelt es an günstigen Betten: «Es fehlt eine Jugi»

In Aarau stehen laut Esther Schmid von «aarau info» zu wenig günstige Betten für Touristen zur Verfügung. Im Interview verrät sie, wo sie Gäste hinschickt, die keine Übernachtungsmöglichkeit finden.

Katja Schlegel
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Eine Jugendherberge im ehemaligen GastroSocial-Gebäude einrichten? Warum nicht, findet Esther Schmid, Leiterin von «aarau info».

Eine Jugendherberge im ehemaligen GastroSocial-Gebäude einrichten? Warum nicht, findet Esther Schmid, Leiterin von «aarau info».

Sandra Ardizzone

Esther Schmid, laut Jahresbericht von «aarau info» hat die Stadt ein Übernachtungsproblem: Es fehlt an günstigen Betten. Warum das?

Esther Schmid: Wir haben wunderschöne Bed and Breakfast in der Stadt, doch die haben ihren Preis. Das Preisniveau ist fast so hoch wie bei den günstigen Hotels.

Was ist denn ein günstiges Zimmer?

Gäste aus dem Euroraum möchten gerne für 50 oder 60 Franken pro Kopf übernachten können. Das ist in Aarau nicht möglich. Höchstens in Ausnahmefällen, wenn irgendwo ein Zimmer kurzfristig belegt werden soll. Aber es ist nicht die Regel.

Viele Hotels in der Region bieten doch aber Plätze für Langzeitgäste an, die deutlich günstiger sind. Reicht das nicht?

Wir haben in der Region tatsächlich viele solcher Wanderarbeiter. Sie leben wochentags hier, gehen fürs Wochenende heim und kommen am Montag wieder. So sieht es das Hotelkonzept ja auch vor. Aber diese Gäste blockieren die günstigen Schlafmöglichkeiten über mehrere Wochen hinweg. Der Tagestourist, der ein bis zwei Nächte hier verbringen will, findet keinen Platz.

Wie oft kommt das vor?

Im Sommer erleben wir das tagtäglich.

Was tun Sie in solchen Fällen?

Wir schicken sie weiter in ein B’n’B nach Veltheim oder Reinach. Aber auch das ist ein Problem: Oftmals sind es Velofahrer, die nach einem langen Tag verschwitzt und mit müden Beinen hier ankommen. Die wollen nicht mehr kilometerweit bis zu ihrem Hotel radeln. Die möchten duschen und sich die Stadt anschauen, gut essen und etwas trinken. Und das klappt vielfach nicht.

Aarau hatte bis vor 25 Jahren eine Jugi

1965 ist im Schäfergut im Rombachtal eine Jugendherberge eröffnet worden. Sie war bis vor etwa 25 Jahren in Betrieb. Die Jugi hatte einen guten Ruf – aber einen suboptimalen Standort. Sie war zu weit weg vom Bahnhof und von der Stadt. Im vierten Betriebsjahr (1969) hatte sie 2391 Gäste. Im Juli 1980 wurde die Zahl von 75 000 Übernachtungen erreicht.

Wie schädlich ist das für das Image?

Wie schädlich das ist, weiss ich nicht. Aber es ist schade, dass diese Leute Aarau nicht entdecken können.

Was fehlt Aarau?

Aarau fehlt eine Jugendherberge. Ein Ort, wo viele Leute zu einem günstigen Preis übernachten können. Wenn Schulklassen oder Vereine nach Aarau kommen und hier eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, wird es sehr schwierig bis unmöglich. Sportvereine beispielsweise würden gerne hier ihre Trainingslager durchführen, können sich die Übernachtungen in der Stadt aber nicht leisten. Die weichen dann auf Möglichkeiten in der Region aus. Die nächste Jugi gibt es aber erst in Zofingen oder Brugg.

Wurden nie entsprechende Versuche unternommen, in der Stadt ein grosses Gasthaus einzurichten?

Doch. Als vor gut sechs Jahren klar wurde, dass das Büro von «aarau info» in die Alte Post zügelt, wollten wir in den Obergeschossen ein B’n’B einrichten. Aber der damalige Stadtrat sah kein Bedürfnis.

Wo könnte man aus Ihrer Sicht heute eine Jugi eröffnen?

Mir kommt nur ein Gebäude in den Sinn, dass der Stadt gehört und leer steht: das ehemalige GastroSocial-Gebäude an der Entfelderstrasse. Das wäre doch eine Idee. Es wäre eine perfekte Unterkunft für all die Velofahrer, die in Aarau vorbeikommen. Diese Gäste können wir noch nicht einmal auf einen Zeltplatz schicken; der nächste liegt in Frick, ein anderer in Aarburg.

Warum hat Aarau keinen Campingplatz?

Das ist ein weiteres Problem für uns: Camping-Touristen sehen die Wagen im Schachen stehen und verstehen nicht, weshalb sie ihren Camper nicht auch da abstellen können. Aber der Platz im Schachen ist ausschliesslich den Fahrenden vorbehalten. Der Verkehrsverein hat sich vor vielen Jahren dafür eingesetzt, einen Campingplatz zu errichten, aber auch da sah der damalige Stadtrat kein Bedürfnis.

Statistik

75'000 Übernachtungen wurden 2016 in den Hotels von Aarau und Umgebung gezählt, davon waren 42'000 Schweizer Gäste. Bei den Zahlen handelt es sich aber lediglich um Übernachtungen von Tagestouristen. Langzeitgäste werden in dieser Statistik nicht erfasst. Die Zahl dürfte also noch höher liegen. Insgesamt stehen in der Region Aarau aktuell rund 300 Zimmer und 30 Langzeitzimmer zur Verfügung.

Reichen die Betten im Raum Aarau aus? Oder gibt es generell einen Hotelbetten-Mangel?

Für den Alltag reicht es. Aber sobald wir einen Grossanlass haben, müssen wir sie bis nach Lenzburg oder weiter schicken.

Wie hat es denn mit den Übernachtungen beim Volksmusikfest geklappt?

Da haben sich viele Private gemeldet, die ein Zimmer zur Verfügung gestellt haben. Aber das sind Ausnahmesituationen, wir bräuchten langfristige Lösungen. Und das am liebsten mitten in der Altstadt.