Alter WSB-Bahnhof soll Neubau mit 200 Veloplätzen weichen

Geht alles nach Plan, sind die Tage des Aarauer WSB-Bahnhofs gezählt. Ab 2017 soll der schmale Bereich zwischen den WSB-Gleisen und der Hinteren Bahnhofstrasse neu gestaltet werden.

Ueli Wild
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Im Streifen zwischen WSB-Gleisen und Hinterer Bahnhofstrasse ist ein Pendant zum neuen SBB-Bahnhof geplant.

Im Streifen zwischen WSB-Gleisen und Hinterer Bahnhofstrasse ist ein Pendant zum neuen SBB-Bahnhof geplant.

Pascal Meier

Geplant ist eine Neuüberbauung mit zwei neuen WSB-Bahnhofsgebäuden, die das zeitgemässe Gegenstück zum neuen SBB-Bahnhof auf der Nordseite bilden sollen. Bei 20 000 Fahrgästen an Werktagen genüge die 90-jährige Infrastruktur nicht mehr, sagte Mathias Grünenfelder, Direktor AAR bus + bahn, gestern vor den Medien.

Für die nächsten 10, 15 Jahre werde eine Zuwachsrate von rund 50 Prozent erwartet. Die Sanierung des alten Gebäudes sei nicht mehr sinnvoll. «Wir wollen das Image einer modernen Vorortsbahn in unserem Hauptbahnhof zeigen.» Künftig sollen auch die Fäden des Busbetriebs hier zusammenlaufen. Im Zuge der Neubebauung möchte die WSB ausserdem ein drittes 120 Meter langes Gleis zur Abwicklung des Mehrverkehrs realisieren.

Aktuell wird das Gebiet im Wesentlichen ausser von der Wynental-Suhrental-Bahn (WSB) für Gewerbe und Wohnen genutzt. Mit der angestrebten städtebaulichen Aufwertung der Bahnhof-Südseite muss die Nutzung neu festgelegt werden. Eine Anpassung der Bau- und Nutzungsordnung sowie ein Gestaltungsplan mit Sondernutzungsvorschriften sollen die raumplanerische Neuordnung ermöglichen. Der Stadtrat hat nun den Planungsbericht verabschiedet und gestern den Medien vorgestellt. Der 200 Meter lange und teils nur etwa 50 Meter breite Raum, sagte dabei Stadtrat Lukas Pfisterer, habe viel Potenzial, sei jedoch grundlegend erneuerungsbedürftig.

«Der Bebauungsabschnitt», heisst es im Planungsbericht, «soll der Lage entsprechend verdichtet genutzt werden.» Dazu gehört, dass auf dem östlichen Abschnitt des Geländes Gebäude von bis zu 30 Metern Höhe errichtet werden sollen. Nebst der Bahnhofnutzung wird weiterhin eine gemischte Betriebs- und Wohnnutzung angestrebt. Ein Shopping Center à la Gais mit grossen Verkaufsflächen sei aber nicht geplant, hiess es gestern. Vorgesehen sei eher «eine bahnnahe Nutzung».

Teilperimeter Ost und West

Der Gesamtperimeter wird in einen westlichen und einen östlichen Abschnitt unterteilt. Die Gemalto AG als Eigentümerin der ehemaligen Trüb AG hat derzeit keine Bauabsichten. Für den Teilperimeter West geht es daher zunächst darum, eine standortgerechte Ausnützung und damit eine Entwicklungsreserve zu schaffen. Die andern Grundeigentümer (Text unten) dagegen beabsichtigen im Teilperimeter Ost, wo der neue WSB-Bahnhof entstehen soll, die baldige Neubebauung des Gebiets.

Die Absichten sind konkretisiert, seit 2011/2012 ein entsprechender Studienauftrag realisiert wurde. Das siegreiche Projekt der KCAP Architects & Planners aus Zürich soll nun verwirklicht werden. Die Grundeigentümer haben, gestützt auf die 2012 publizierten Ergebnisse des Studienauftrags unter der Leitung von Stadtbaumeister Felix Fuchs das Konzept für die Neubebauung erarbeitet.

Das Erdgeschoss der Bahnhofgebäude wird laut Fuchs aufgrund der Platzverhältnisse schmal ausfallen. In den oberen Etagen werden die Gebäude dagegen auskragen. Im Untergrund dehnen sie sich ein Stück weit unter die Hintere Bahnhofstrasse aus. 126 Parkfelder im ersten und zweiten Untergeschoss sowie 200 Velo- und Mofa-Parkplätze auf der Ost- und Westseite der Bahnhofsgebäude sollen Pendlern zur Verfügung stehen.

Totalrevision nicht abwarten

Zonenplan und Bau- und Nutzungsordnung befinden sich zurzeit in Revision. Bis zum Inkrafttreten dieser umfassenden Revision kann noch einige Zeit verstreichen. Da für das Gebiet Bahnhof Süd aber bereits konkrete Bebauungsabsichten vorliegen, wird die Revision der Bau- und Nutzungsordnung der Totalrevision der Nutzungsplanung zeitlich vorgezogen. Die Teilrevision kann gemäss Baudirektor Pfisterer dereinst ohne weiteres in die revidierte Nutzungsplanung integriert werden.

Unterführung unter der WSB?

Im Raum steht auch die Forderung des Kantons nach einer Entflechtung von WSB-Trassee und Hinterer Bahnhofstrasse. Um eine solche zu verwirklichen, wäre eine Unterführung nötig. Diese Option soll im Gestaltungsplan offen gehalten werden. Eine Absenkung der Strasse östlich der bestehenden unterirdischen Fussgängerpassage hätte zur Folge, dass die Vorfahrtsfunktionen vor dem Baufeld Ost nach Westen verschoben werden müssten.

Ablauf des Verfahrens: Land ist komplex verteilt

In den letzten drei Jahren hat sich laut Baudirektor Lukas Pfisterer bei den komplexen Grundeigentumsverhältnissen einiges getan. Zu den früheren drei Grundeigentümern – Einwohnergemeinde, WSB, Metzgerei Gantner AG – kam die Trüb AG hinzu. Da diese an die Gemalto AG verkauft wurde, war laut Pfisterer «eine Zusatzschlaufe» notwendig. Die WSB erwarb im Osten des Bahnhofs weiteres Grundeigentum und die Stadt konnte die Metro-Liegenschaft vollständig in ihr Eigentum überführen. Zudem wurde die Gross AG ins Konsortium aufgenommen.

Während des öffentlichen Mitwirkungsverfahrens vom 12. Juni bis 28. August sind Modell und Pläne im Rathaus ausgestellt. Die öffentliche Auflage soll im Winter erfolgen. Für Frühjahr 2016 ist der Einwohnerratsbeschluss zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung geplant. Diese muss vom Regierungsrat genehmigt werden. Die Baugesuche könnten so 2016 eingereicht werden. Der Baubeginn ist für 2017 vorgesehen. (uw)