Erlinsbach

Der Reformationsweg soll aus den Vorgärten verschwinden

Früher diente der Reformationsweg dazu, dass die reformierten Gläubigen in die Kirche gelangten, ohne katholischen Boden ennet dem Erzbach betreten zu müssen. Jetzt soll er nach dem Willen des Gemeinderats an den Erzbach verlegt werden.

Hermann Rauber
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Freier Blick in die Stuben – der Reformationsweg führt heute direkt an den Häusern vorbei. Silvan Hartmann

Freier Blick in die Stuben – der Reformationsweg führt heute direkt an den Häusern vorbei. Silvan Hartmann

Silvan Hartmann

Der Erlinsbacher Reformationsweg soll erhalten bleiben. Das ist auch im Sinn des Gemeinderats. Allerdings wird das Trassee um einige Meter verschoben. Voraussetzung für die Realisierung ist die Genehmigung des Gestaltungsplans durch den Regierungsrat. Dieser liegt derzeit kantonal auf.

Konkret geht es um den schmalen Pfad zwischen dem Ramsfluh- und dem Brüggerweg im aargauischen Erlinsbach. Dieser führt heute mitten durch die Vorgärten und unmittelbar entlang der Häuserzeile des alten Strassendorfes. Es handelt sich um eine uralte, wohl aus dem 16. Jahrhundert stammende Fussgängerverbindung. Der Weg sollte laut Gemeindeschreiber Bruno Vogel «damals reformierten Gläubigen den Gang vom Oberdorf in die Kirche ermöglichen, ohne das katholische Gebiet ennet dem Erzbach betreten zu müssen».

Zeugnis vom Glaubenskampf

Die Verbindung zeugt vom ehemals erbitterten Glaubenskampf zwischen den beiden Erlinsbach, auch wenn er heute seine Bedeutung verändert und verloren hat. Offenbar dachte man seinerzeit auch «überregional», wollte die reformierte Kirche doch auch Huldrych Zwingli auf der Reise zwischen Zürich und Basel den Gang durch katholische Lande so gut wie möglich ersparen.

Die Behörde, so Vogel, sei sich «der historischen Bedeutung des Reformationsweges bewusst» und möchte dieses Unikum erhalten. Gleichzeitig gehe es aber auch um eine «Aufwertung der Wohnqualität» der Anrainer. Mit der vorgesehenen Verlegung des öffentlichen Durchgangs an das Ufer des Erzbaches würden die Grundstücke nicht mehr «zerschnitten» und die heute «fehlende Privatsphäre der Anwohner» mit dem direkten Blick von Passantinnen und Passanten in die gute Stube «wieder hergestellt». Damit könnten die «privaten und öffentlichen Nutzungsansprüche gerechter verteilt werden». Voraussetzung für die geplante Verlegung des Reformationsweges im Abschnitt zwischen Ramsfluh- und Brüggerweg ist ein rechtskräftiger Gestaltungsplan.

Beschwerdefrist läuft

Nach dem entsprechenden Beschluss des Erlinsbacher Gemeinderates am 13. Januar ist nun die zwingende Publikation im Aargauer Amtsblatt erfolgt. Die Beschwerdefrist läuft noch bis zum 7. März. Hat auch der Regierungsrat die Planvorgaben genehmigt, kann die Gemeinde an die Realisierung gehen. Vorgesehen ist ein neuer Pfad mit einer Breite von 1,5 Metern und einem Kiesbett. Ein konkretes Projekt mit Kostenberechnung liegt aber noch nicht vor.

Einzelne Häuser am Reformationsweg sind baufällig und stehen leer. In einer der Liegenschaften baut das genau gegenüber der Hauptstrasse liegende Landhotel Hirschen im Moment eine Dépendance mit zusätzlichen Zimmern und Sitzungs- sowie Seminarräumen um. Nicht betroffen von der Verlegung des öffentlichen Durchgangs ist die nördliche Fortsetzung des Reformationsweges, die schon heute als Fahrweg benutzt wird.