Aarau

Der Spielclub ist auf der Suche nach Nestwärme

Der Spielclub «Schein-Werfer» beleuchtet im Theater Tuchlaube mit einem zweihundert Jahre alten Kinderbuchklassiker heutige, vielgestaltige Familienverhältnisse.

Markus Christen
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Schneewittchens Geschwister zogen das Publikum in ihren Bann.

Schneewittchens Geschwister zogen das Publikum in ihren Bann.

Johanna Saxen

Dieses Schneewittchen ist ein Blumenkind, das seine Wurzeln im musikgeschwängerten Summer of Love führt. Dieses Schneewittchen ist ein Freigeist auf der Suche nach Nestwärme. Dieses Schneewittchen steht für das moderne, orientierungsoffene Leben, eine Projektionsfläche für das Wunschtheater einer erwachsenden Generation.

In seiner jüngsten Inszenierung «Schneewittchens Geschwister», die am Mittwoch im Theater Tuchlaube Premiere feierte, lehnt sich der Spielclub «Schein-Werfer» an den Erzählstrang des Märchens der Brüder Grimm an. Der Zugriff auf die bekannten Motive und Themen des zweihundert Jahre alten Kinderbuchklassikers erfolgt dabei stets mit Blick auf heutige, vielgestaltige Familienverhältnisse.

Zusammen mit ihren 12 bis 16 Jahre alten Schauspielerinnen und Schauspielern hat Spielclubleiterin Anja Lina Egli ein Theaterstück erarbeitet, in dem die spielenden Jugendlichen ihre eigenen Erlebniswelten, ihre Ängste, Hoffnungen und insbesondere ihre weitläufigen, auch digitalen Orientierungspunkte verarbeiten konnten. Die Inszenierung zog das Premierenpublikum während einer Stunde in seinen Bann. Beeindruckend ist das mutige Spiel der Jugendlichen, das jegliche Unsicherheit und Nervosität überwindet. Gross ist die Spielfreude, welche die einzelnen Akteure zu einem famosen Ensemble formt. Spielleiterin Egli ist stolz auf die Leistung ihrer Theatergruppe. «Die Jugendlichen haben wirklich viel und hart gearbeitet. In den letzten zwei Wochen, sogar noch in den letzten zwei Tagen, haben sie einen gewaltigen Sprung gemacht.»

Überzeugend ist aber auch die szenische Umsetzung mit ihrem grossen Spielraum für Rollenwechsel. Die lineare Erzählung des Märchens bildet ein Gerüst, das mit der modernen Ästhetik aus Computerspielen, Musikclips und Filmsequenzen verkleidet wird. Als augenfälligste Pointe in diesem Wechselspiel aus Tradition und Moderne wird aus dem Märchenapfel des Schneewittchens kurzerhand ein Apfel-Smoothie.

«Die Inszenierung sollte den Jugendlichen ermöglichen, eigene Grenzen zu überwinden und neue Spielmöglichkeiten kennenzulernen», sagt Anja Lina Egli. Mit Bravour haben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler die Herausforderungen gemeistert, die sie mit ihrem Theaterstück eingegangen sind.

Aufführungen: Freitag, 15. Mai, und Samstag, 16. Mai, jeweils um 20.15 Uhr. Am Sonntag, 17. Mai, um 19 Uhr. Im Theater Tuchlaube.