Aarau

Der Traum von der Königsklasse: Schaffen die FCA-Frauen den Aufstieg?

Die FCA-Frauen sind nun unterwegs vom Breitensport zum Leistungsfussball. Die Teams arbeiten darum nun neu mit einem Biomechaniker und einem Athletiktrainer zusammen. So wird es Spielerinnen ermöglicht, ganz individuell an ihren Schwächen zu arbeiten

Fabio Baranzini
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Unter den Augen von Trainer und Vorstandsmitglied Andreas Zürcher werden auch die Trainings professioneller. Fabio Baranzini

Unter den Augen von Trainer und Vorstandsmitglied Andreas Zürcher werden auch die Trainings professioneller. Fabio Baranzini

Fabio Baranzini

Die Frauenabteilung des FC Aarau will sich in den nächsten Jahren als eine der Topadressen im Schweizer Frauenfussball etablieren. Dafür wurde ein neuer Verein mit professionellen Strukturen gegründet.

«Wir wollen mit dem FC Aarau in der Champions League spielen.» Der FC Aarau in der Champions League? Nicht mal in den kühnsten Träumen denken die FCA-Fans derzeit an ein solches Szenario.

Dafür sieht die aktuelle Lage im Tabellenkeller der Challenge League zu düster aus. Und so ist es denn auch nicht ein Vertreter der Männer des FC Aarau, der von der Champions League spricht, sondern Andreas Zürcher, der Trainer der NLB-Frauenmannschaft des FCA und technischer Leiter des Vereins.

Bislang waren sämtliche Frauenequipen des FC Aarau im Verein FC Aarau 1902 eingegliedert. Einem Verein, der sich ausschliesslich im Junioren- und Breitensport engagiert. Dieses Umfeld ist also mit dem Wunsch der Professionalisierung des Frauenfussballs beim FC Aarau nicht kompatibel. «Der FC Aarau 1902 wäre gar nicht fähig gewesen, diese Professionalisierung zu stemmen. Damit hätte er sich schlicht übernommen», so Zürcher.

Neuer Verein gegründet

Aus diesem Grund wurde ein neuer Verein mit dem Namen «FC Aarau Frauen Leistungsfussball» gegründet. Diesem Verein, der von einem sechsköpfigen Vorstand geführt wird, zu dem auch Zürcher gehört, sind die NLB-Frauen sowie die U19- und die U16-Juniorinnen angegliedert. «Aktuell sind es knapp 60 Spielerinnen, die allesamt leistungsorientiert Fussball spielen und vier bis sechs Mal pro Woche trainieren», sagt Zürcher.

Der neugegründete Verein, der aus dem FC Aarau eine Topadresse im Frauenfussball machen soll, zieht für die Spielerinnen tiefgreifende Änderungen mit sich. «Es muss ein Kulturwandel vom Breitensport zum Spitzensport stattfinden», erklärt Zürcher.

«Das Leistungsdenken wird zentral und damit steigt automatisch auch die Erwartungshaltung an die Spielerinnen. Das ist für viele eine neue Situation, mit der sie erst umzugehen lernen müssen.»

Auch die Trainings werden professioneller. Die Teams arbeiten neu mit einem Biomechaniker und einem Athletiktrainer zusammen, was es den Spielerinnen ermöglicht, ganz individuell an ihren Schwächen zu arbeiten.

«Ich bin überzeugt, dass wir damit in kurzer Zeit riesige Fortschritte machen werden», sagt Zürcher, der sich ab dem 1. Januar hauptberuflich um die sportlichen Belange des neuen Vereins kümmern wird.

Seinen Job als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsfirma gibt er dafür fast ganz auf. «Das ist natürlich ein gewisses Risiko, aber gleichzeitig auch eine riesige Chance, ein Projekt von Grund auf neu zu gestalten», sagt Zürcher.

Noch in diesem Jahr in die NLA

Bis auf weiteres wird Andreas Zürcher der einzige hauptberufliche Mitarbeiter des Vereins bleiben. Die ander Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Dennoch kostet das Projekt einiges.

270 000 Franken müssen die Verantwortlichen jährlich auftreiben. «Das ist sicher keine einfache Aufgabe, aber wir haben bisher sehr viele positive Rückmeldungen bekommen», sagt Zürcher.

Mitentscheidend für den Erfolg des Projekts wird sein, wie schnell die erste Frauenmannschaft den Aufstieg in die Nationalliga A schafft. Derzeit steht das Team in der NLB auf dem fünften Rang mit sechs Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz.

«Wenn wir in der Rückrunde unser Potenzial abrufen, haben wir den Aufstieg immer noch in den eigenen Füssen.» Zürcher ist optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können, obwohl wir das jüngste Team der Liga haben.»