Aarau

Die «Alte Reithalle» abbrechen? Brisante Überlegungen vom alt Kantonsbaumeister

Der Aarauer Architekt Fritz Althaus war 21 Jahre lang Aargauer Kantonsbaumeister. Wenn der Kredit für den Umbau der Alten Reithalle dereinst vors Volk kommt, wird er Nein stimmen. Hier erklärt er, weshalb.

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Walter Schwager

"Ausgangslage: Der Stadtrat präsentiert dem Einwohnerrat und später wohl auch dem Volk einen Bericht über je einen Planungs- und Baukredit für die neue Nutzung der Reithalle in eine Mehrzweckhalle. Es ist heikel, ja sogar fatal, einen Teil des Areals definitiv zu gestalten, bevor Klarheit über die Planung des gesamten Kasernenareals herrscht!

Analyse des Kasernenareals

  • Nordabschnitt an der Laurenzenvorstadt: Die denkmalgeschützten Bauten (Trompeterhaus, Herzoghaus, Kaserne und Fleinergut) müssen erhalten bleiben und bilden einen wichtigen Teil der prächtigen Laurenzenvorstadt. Eine Umnutzung der Gebäude ist möglich, aber nicht einfach in Anbetracht der vielen grossen Räume.
  • Ostabschnitt, Seite Poststrasse: Die Dreifach-Turnhalle (allerdings kein architektonisches Bijou!) muss wohl erhalten bleiben, da Turnhallen für Schulen und Vereine auf dem Platz Aarau eher rar sind.
  • Westabschnitt, Seite Kasinostrasse: Das Grundstück im Besitz des Bundes (Fleinergut und Offiziershaus) könnte über das Jahr 2030 vom Militär benutzt werden und bildet einen wohl nicht durchlässigen Riegel zwischen Altstadt und Kasernenareal. Zudem werden die Gewerbebauten und Kinos an der Kasinostrasse noch lange bestehen bleiben. Somit ist ein einladender Zugang zum Kasernenareal nur in der Südostecke möglich.
  • Südabschnitt entlang Apfelhausenweg: Ursprünglich «Ziviler Schild Kasernenareal» mit Gestaltungsplanpflicht. Die drei Reithallen versperren den Zugang zum Kasernenareal, der erst ab der Kasernenstrasse möglich wird. Zudem bilden sie eine Art wenig attraktiven Hinterhof, der sich auch nach Aufhebung der Parkplätze nicht ändern wird.

Dieser Abschnitt – von der neuen Kavalleriekaserne, über die alte Kavalleriekaserne bis und mit den drei Reithallen und dem Werkstattgebäude – ist der einzige Raum im gesamten Areal, der mit attraktiven und nutzungsergänzenden Neubauten von mehreren Stockwerken Höhe ergänzt werden könnte.

Kritik an der Reithallenplanung

Die Reithallen blockieren einen befriedigenden Zugang von der Altstadt zum Kasernenareal. Zudem wirken die Eingänge zur Reithalle in keiner Weise zwingend und einladend. Es bleibt nach wie vor eine unattraktive Hinterhofsituation. Die Innengestaltung ist gut und steht daher im Widerspruch zur äusseren Erscheinung. Der finanzielle Aufwand für diese Nachteile ist zu hoch!

Eine städtebaulich gute Lösung für das Kasernenareal ist voraussichtlich nur mit Abbruch der Reithallen möglich.

Fazit: Der Kredit für Planung und Realisierung der Reithalle ist abzulehnen und der Entscheid über die Zukunft der Reithallen bis nach erfolgter Planung des Kasernenareals zurückzustellen. Natürlich kann die Reithalle bis zum definitiven Entscheid mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand gut zwischengenutzt werden."

Fritz Althaus ist Architekt und wohnt in Aarau. Er war 21 Jahre lang Kantonsbaumeister (bis 2004).