Aarau

Die Alte Reithalle wird kulinarisch und kulturell zur Weltbühne

Das Interkulturfest war Plattform für Kulinarisches und Kulturelles aus aller Welt. Im Rahmen dieses Festes feierte die Anlaufstelle Integration Aargau, kurz AIA, ihr fünfjähriges Bestehen.

Seraina Ummel
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Interkulturfest
16 Bilder
Zum Abschluss der bosnischen Vorstellung gibt es tosenden Applaus
Mit rasselnden Fussketten geben die vier tamilischen Tänzerinnen ihre Kultur zum Besten
Die verzierte Wassermelone am thailändischen Stand lockt die Besucher an
Lelia Hunziker, die Geschäftsführerin der AIA, kündigt die verschiedenen Tanzgruppen an
Die Russinnen setzen auf edle Kleidung und damenhafte Körperhaltung
Die Kinder und Jugendlichen mit bosnischen Wurzeln beherrschen ihren Nationaltanz wie selbstverständlich
Die jungen Bosnierinnen zieren ein blumiges Tuch und viel Schmuck
Die bosnische Kindertanzgruppe tanzt fast ausschliesslich im Halbkreis
Der kroatische Cevapcici als Burger ist beliebt unter den Besuchern
Der Kongolese überzeugt mit einer grossen Stimme und viel Herzlichkeit
Das lange Anstehen für Samosas und andere tamilische Spezialitäten hat sich gelohnt
Beim tamilischen Volkstanz ist ein natürliches Lächeln das wichtigste Instrument
Auch die Tschechen tanzen oft im Kreis
An den Essständen vor der Reithalle wird unterdessen Schlange gestanden
Afrikanischer Geschmack bietet die Bofrotsauce mit Kochbanane dieser Köchin

Interkulturfest

Ursula Burgherr

«Huch, ist das scharf!», sagt eine Frau und fächelt mit der Hand vor dem geöffneten Mund. In der Hand hält sie einen Teller mit Reis und einer unscheinbaren, hellgrünen Sauce. Die Köchin des Gerichts hat die Kundin beobachtet und lacht kopfschüttelnd. Vor ihr stehen zwei grosse, dampfende Töpfe und noch mehr Kunden, die ebenfalls von ihrem sagenumwobenen tamilischen Linsencurry kosten wollen. Es sind solch exotische, kulinarische Begegnungen, welche das Interkulturfest am letzten Freitagabend auszeichneten.

Im Rahmen dieses Festes feierte die Anlaufstelle Integration Aargau, kurz AIA, ihr fünfjähriges Bestehen. Geschätzte tausend Menschen aus Aarau, aber auch aus Indien, Bosnien, Tschechien, dem Kongo oder von den Philippinen haben im Verlaufe des Abends die Alte Reithalle besucht. Es entstand ein bunter Mix aus unverständlichen Sprachen, eleganten Trachten und interessanten Tänzen, die sonst kaum an einem Abend vereint performt werden. Nicht nur kulinarisch bot das Interkulturfest ein globales Menü.

Tribüne praktisch voll besetzt

Während die einen sich die Zunge am scharfen Curry verbrannten, wurden die anderen von traditionellen Volkstänzen aus aller Welt unterhalten. Den Anfang machte eine tamilische Tanzgruppe mit einer Vorführung, die ihrem Gott Shiva gewidmet war. Dabei sei der Gesichtsausdruck der Tänzerin sehr wichtig, sagt eine der Tamilinnen in perfektem Schweizerdeutsch. Ihre Lippen sind rot angemalt, die Augen schwarz umrahmt, ein Diamantreif bedeckt ihren Scheitel. Mit rasselnden Fussketten und roten Seidentüchern zeigen sie einen Tanz zu orientalischer Musik, recken dabei immer wieder lächelnd die Arme in die Luft. «Die führen ja meine morgendlichen Yogaübungen vor», sagt eine Zuschauerin erstaunt.

Kaum verklangen die letzten Töne, wurden die Tänzerinnen mit tosendem Applaus belohnt. Die Tribüne in der Alten Reithalle war bis fast auf den letzten Platz besetzt, neben der Bühne wirbelten Kinder kreischend grüne Luftballons durch die Luft. Lelia Hunziker, Geschäftsführerin der AIA und Moderatorin des Abends, verabschiedet die Gruppe, gleichzeitig stöckeln sechs Frauen in hellblauer russischer Tracht auf die Bühne. Sie tanzen hintereinander in einer Reihe stehend, wehen mit Taschentüchern und recken das Kinn in die Höhe. Sie versetzen die Zuschauer für kurze Zeit in ihre russische Traumwelt, in der sich die Damen edel und vornehm zu benehmen wissen.

Schlag auf Schlag folgen eine bosnische Kindertanzgruppe, eine philippinische Frauenclique und eine preisgekrönte Volkstanzgruppe aus Tschechien. Die Professionalität und Ernsthaftigkeit jeder Darbietung wird mit einem begeistert applaudierenden Publikum belohnt. Einen Kontrast zu den Gruppenauftritten bietet ein Kongolese, der einzig von einem Trommler mit Trillerpfeife im Mund begleitet wird, sich nach dem Auftritt auf Französisch vom Publikum verabschiedet und den Organisatoren dankbar beide Hände schüttelt.

Kroatisches Bier extra angeliefert

Draussen vor der Reithalle mischen sich unterdessen die Gerüche aus aller Welt zusammen. Sechs Caterer aus drei Kontinenten boten ihre Traditionsgerichte an. Doch nicht nur der salzige Geruch von bratenden Cevapcici lockt die Besucher an den kroatischen Stand, auch das kroatische Bier scheint beliebt zu sein. Er habe es extra anliefern lassen für das heutige Fest, denn es gehöre einfach zu einem guten Cevapcici, sagt der Kroate hinter der Theke und meint damit den Fleischvogel, der zwischen zwei Hälften Weissbrot gelegt und mit viel Ketchup und Zwiebeln garniert wird.

Ihm gegenüber bieten zwei Thailänderinnen Nudelsuppe mit Rindfleisch an. Die Hauptattraktion ihres Standes jedoch ist eine Wassermelone, in deren Schale ein Schriftzug und Rosenköpfe geschnitzt ist. Dieses handwerkliche Feingefühl erstaunt genauso wie die perfekt einstudierten bunten, teils schrägen, teils fremden Darbietungen auf der Bühne in der Reithalle. Doch genau damit hat die AIA ihr Ziel erreicht: Feiern, Essen und Tanzen zusammen mit einer geballten Ladung Vielfalt aus aller Welt.