Die Post erklärt Aarau mit ihrer neuen Marke zur «Glockenstadt»

Die Kantonshauptstadt liefert das Sujet für den Sonderblock zum Tag der Briefmarke: Eine neue 85-Rappen-Marke zeigt eine Glocke, umrahmt von einem Glockengiesser und der Aarauer Stadtansicht.

Hermann Rauber
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Nach 75 Jahren gibt es endlich wieder einen Briefmarkenblock aus Aarau.

Nach 75 Jahren gibt es endlich wieder einen Briefmarkenblock aus Aarau.

Martin Eberhard

Aarau ist bisher von der Post als Lieferantin für Markensujets eher stiefmütterlich behandelt worden. Immerhin erschien 1938 der erste so genannte Aarauer Block, und zwar aus Anlass der Nationalen Briefmarkenausstellung im September im damaligen Saalbau.

Und auch 75 Jahre später ist es ein philatelistischer Anlass, der zur Vergabe des Tages der Briefmarke geführt hat, nämlich die aarphila13 am 13. Dezember. Organisiert wird die Veranstaltung vom Verein für Briefmarkenkunde Aarau, der heuer sein 125-Jahr-Jubiläum begehen kann.

Die aarphila13 in Aarau

Vom 13. bis 15. Dezember findet in Aarau im Kultur- und Kongresshaus eine nationale Briefmarkenausstellung der Stufe III statt, die aarphila13.

Philatelisten aus dem ganzen Land präsentieren ihre Exponate. Zu sehen sein werden Belege aus der Postgeschichte, unter anderem auch die welt- und schweizweit ältesten Briefmarken. Der Eintritt ist frei.

Im Briefmarkenmagazin «Die Lupe» hat die Post am Freitag das Geheimnis um den «Aarauer Block 2» gelüftet. Er zeigt als Wertzeichen zu 85 Rappen eine Glocke, umrahmt von einem Glockengiesser in voller Aktion (in der Person von Roland Bolliger), von einem elektronischen Klangdiagramm und von der Aarauer Stadtansicht.

Gestaltet worden ist der Block zum diesjährigen Tag der Briefmarke vom Aargauer Illustrator und Grafiker Martin Eberhard, der in Vogelsang bei Turgi wohnt und sein Atelier in Bad Zurzach betreibt.

Post macht Aarau zur Glockenstadt

Die Post erklärt Aarau kurzerhand zur «Glockenstadt» in ihren Beschrieb des Sujets. Tatsächlich lässt sich das uralte Handwerk bis weit ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. So ist die Barbara-Glocke im Turm der Freiburger Kathedrale Saint-Nicolas nachweislich 1367 in Aarau gegossen worden. Zahlreiche Meister haben den Ruf von Aarau als Glockenguss-Zentrum weitergegeben.

Im 19. Jahrhundert war es die Familie Rüetschi, die den Betrieb bis zu ihrem Aussterben 1917 führte. Der Name des Unternehmens blieb aber ebenso wie die Firma erhalten, die Giesserei wandelte sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg in eine Aktiengesellschaft, die heute noch bestehende H. Rüetschi AG.

Dass die Aarauer Glockengiesserei als einziger Betrieb dieser Art in der Schweiz überleben konnte, ist der Innovation und Diversifikation zu verdanken. Das einstige Kerngeschäft des Glockengusses ist laut Geschäftsführer René Spielmann auf ein Volumen von zehn Prozent geschrumpft.

Stattdessen plant und realisiert der Betrieb heute die komplette Kirchturntechnik, Glockenstühle, Joche oder Klöppel und führt Restaurierungsarbeiten und Wartungen durch. Zu einem weiteren Standbein geworden ist der Kunstguss, der von Skulpturen, Gedenkplatten oder Brunnen bis zu Designobjekten reicht.

Historische Postkarte inklusive

Der Aarauer Glocken-Block erinnert also an eine lange Tradition, die sich für eine Briefmarke bestens eignet. Beide verbindet gemäss der Post «die Kunst von Ästhetik und Präzision» und beide gehören «zu den Kulturgütern unseres Landes».

Der Block und eine historische Bildpostkarte mit alten Stadtansichten sind allerdings erst ab den 14. November zu haben, und zwar auch auf den Poststellen in Aarau und natürlich an einer Sonderpoststelle an der Briefmarkenausstellung aarphila13.