Küttigen

Die schönsten Stücke dieses Taschenuhr-Sammlers locken Liebhaber aus der ganzen Schweiz an

60 Exemplare umfasst Ernst Senns antike Sammlung, darunter einige Unikate. An der Ausstellung am 19. August ist sie zu sehen.

Ann-Kathrin Amstutz
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Ernst Senn (74) mit einigen Prachtstücken aus seiner antiken Sammlung, die am Sonntag in der Ausstellung zu sehen sind.

Ernst Senn (74) mit einigen Prachtstücken aus seiner antiken Sammlung, die am Sonntag in der Ausstellung zu sehen sind.

Ann-Kathrin Amstutz

Feinste goldene Ranken, delikate Gravuren, millimetergenau bemessene Rädchen, alles in aufwendiger Handarbeit gefertigt. Die antike Spindeltaschenuhr von 1750 ist ein Meisterwerk, technisch wie auch ästhetisch. Aufgeklappt, ihr Innerstes offenbarend, liegt die Spindeltaschenuhr vor Ernst Senn (74) auf dem Tisch.

Mit dem Schlüssel – er ist kaum dicker als ein Zahnstocher und dennoch innen hohl – zieht Senn die Uhr mit eingebautem Schlagwerk auf. In hellem Ton erklingt die Stundenzahl. Doch damit nicht genug, es folgen drei weitere Schläge. Was hat das zu bedeuten? «Diese Uhr hat eine Viertelstundenrepetition, sie schlägt also alle 15 Minuten», erklärt Ernst Senn. «Früher, als die Häuser schlecht beleuchtet waren, blieb man so auch im Dunkeln über die Uhrzeit informiert.»

Diebesjäger und Uhrenliebhaber

Wie Senn, der ehemalige Polizist und Grenzwächter, zum Taschenuhren-Sammler wurde, ist eine lange Geschichte. Sie beginnt vor über 40 Jahren, noch bevor er mit der Festnahme eines schwer bewaffneten Diebes den grössten Coup seiner Polizeikarriere landet. Senns Vater, ein Werkzeugmacher, erbt eine mechanische Revue-Taschenuhr. «Die ist nie recht gelaufen, sie war mehr zum Anschauen», erinnert sich Senn. Doch dann bekommt er vom Onkel seine erste eigene Taschenuhr: eine silberne Longines mit Jahrgang 1891. «Die Technik und Mechanik haben mich einfach fasziniert», schwärmt Senn. «Ich schaue Uhren an, wie ein Mechaniker Autos anschaut.»

Das Innere der Spindeltaschenuhr.

Das Innere der Spindeltaschenuhr.

Ann-Kathrin Amstutz

Wie ein Herzstillstand

Behutsam öffnet er das Gehäuse mit einem kleinen Sackmesser und führt eine Funktionskontrolle durch. Die Uhren sind hochempfindlich auf Schläge; schon ein Fall aus wenigen Zentimetern Höhe kann fatal sein. «Wenn die Unruh im Innern nicht mehr schwingt, ist die Uhr tot», sagt Ernst Senn. «Wie bei einem Herzstillstand.» Dann hält er die Uhr ans Ohr und hört zu, ob sie regelmässig tickt. Zum Schluss begutachtet er mit der Uhrmacherlupe das Ziffernblatt. Er entdeckt feine Haarrisse in der Emaille – «ein wertminderender Aspekt.»
Senns Sammlung umfasst rund 60 Exemplare – 40 Taschenuhren und 20 Armbanduhren. Der Wert, den der Besitzer nicht näher beziffern möchte, ist beträchtlich – darum bewahrt Senn die Uhren auch nicht zu Hause in Küttigen auf.

Wertanlage und Erbstück

Für die Ausstellung am kommenden Sonntag, den 19. August, im Gemeinschaftsraum Burghalde in Küttigen holt Senn seine schönsten Stücke hervor. Dazu gehört eine Goldtaschenuhr von Peter Bofenschen, dem Königlichen Hofuhrmacher aus Hannover, dessen Werke etwa beim renommierten Auktionshaus «Christie’s» versteigert werden.

Senn hat seine Sammlung eigenhändig dokumentiert. An der Ausstellung wird es zu jedem Exponat ein Beiblatt mit den technischen Daten geben. Senn erwartet Händler und Käufer aus der ganzen Schweiz. «Antike Uhren sind wieder im Trend», sagt der Experte. «Abgesehen von der Ästhetik ist eine solche Uhr eine Wertanlage, die als Erbstück in der Familie weitergegeben wird. Sie hat emotionalen Wert.»