Aarau

Doch kein Neubau: Der «Aarauerhof» bleibt vorerst, wie er ist – und wird verkauft

Eigentlich wollte die Besitzerin des Hotels Aarauerhof, die Zürcher ZFV-Unternehmungen, das Hotel am Aarauer Bahnhofplatz abreissen und neu bauen. Daraus wird nun vorderhand nichts, der «Aarauerhof» soll verkauft werden. Der Stadtpräsident hofft, dass sich ein Käufer findet, der das Neubauprojekt doch noch umsetzt.

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
Kopie von Aarauerhof
4 Bilder
Der Aarauerhof befindet sich auf dem Bahnhofplatz.
Seit dem 1. Juni 2012 ist der «Aarauerhof» ein Sorell-Hotel.
So sah der Aarauerhof noch vor einigen Jahren aus.

Kopie von Aarauerhof

Urs Helbling

Monatelang war das Sorell Hotel Aarauerhof am Aarauer Bahnhofplatz wegen der Coronakrise geschlossen, erst seit Kurzem kann man wieder einchecken. Nun zeigt sich, dass die Pandemie weitaus grössere Auswirkungen auf das Gebäude im Besitz der Zürcher ZFV-Unternehmungen hat: Die Pläne, das 50 Jahre alte Hotel durch einen modernen Neubau mit viel Glas und einem Rooftop-Restaurant zu ersetzen (Kostenpunkt: um die 30 Millionen Franken), sind zunichte gemacht worden. Stattdessen wollen die ZFV-Unternehmungen das Gebäude verkaufen, wie sie am Mittwochnachmittag bekanntgaben.

Neubau «Aarauerhof» - alle Studienauftrag-Teilnehmer:

"Mula", 1. Rang Architekturbüro: :mlzd Architekten, Biel Quelle: Loomn.de
8 Bilder
"Polygram", 2. Rang «Polygram» von «agps.architecture» ist das zweitplatzierte Projekt und rückt aus Sicht der Jury etwas zu nah an den Busbahnhof heran. Mit 33 Metern ist das Gebäude bereits ein Hochhaus. Die Jury lobt die «städtebauliche Haltung» des Gebäudes, das auf jeder Seite etwas anders aussieht. Abzüge gibt es bei Funktionalität und Flexibilität.
"Campari", 3. Rang Architekturbüro: Graber Pulver Architekten AG, Zürich
"Lotos", ohne Rangierung Architekturbüro: LUCA SELVA AG, Basel
"Pure", ohne Rangierung Das Architekturbüro Theo Hotz Partner AG hat schon den Bahnhof gebaut. Den Projektentwurf «Pure» findet die Jury «architektonisch solide» und «städtebaulich überzeugend». Sie kritisiert aber die Funktionalität des Gebäudes, etwa punkto Orientierung, Übersichtlichkeit und Erschliessung im Innern.
"Camelopardalis", ohne Rangierung «Camelopardalis» heisst der Entwurf des Teams rund um das Aarauer Büro Frei Architekten AG. Es habe eine «unaufgeregte elegante Präsenz», wirke jedoch vor allem im Erdgeschoss «abweisend» und habe eine «allzu grosszügig bemessene Vorfahrt». Die «schöne Idee des innenliegenden Atrium» habe hohe Kosten zufolge.
"Arrivée", ohne Rangierung Annette Gigon/Mike Guyer, Zürich
"trois pièces", ohne Rangierung Die Aarauer Kim Strebel Architekten AG lieferten mit «trois pièces» zweifellos den exzentrischsten Entwurf, indem sie die Idee der «Wolke» beim Busbahnhof aufgreifen. Laut Jury gelingt das nicht komplett überzeugend. Die Fenster würden eher an ein Bürogebäude erinnern. Die Grundrissform schränke ausserdem die Nutzungsflexibilität ein.

"Mula", 1. Rang Architekturbüro: :mlzd Architekten, Biel Quelle: Loomn.de

loomn.de

«Die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen haben die ZFV-Unternehmungen hart getroffen, auch mit einschneidenden betriebswirtschaftlichen Folgen", heisst es in der Mitteilung. «Dies gab unter anderem Anlass dazu, den geplanten Neubau des Sorell Hotel Aarauerhof zu überprüfen. Der hohe Finanzierungsbedarf und die kurz- bis mittelfristigen Aussichten im Hotelmarkt, aber auch die künftige strategische Ausrichtung der Sorell Gruppe haben den Ausschlag dazu gegeben, den geplanten Neubau in Aarau nicht zu realisieren. Das Grundstück mit dem Gebäude soll veräussert werden. Entsprechende Schritte werden nun veranlasst.»

Das Sorell Hotel Aarauerhof werde bis zu einem Verkauf vorübergehend weitergeführt. «Eine langfristige Weiterführung des bestehenden Betriebes ohne Renovation oder Umbau lässt der Gebäudezustand leider nicht zu.»

Das sagt die Stadt

Die ZFV-Unternehmungen haben das Kongresshotel Aarauerhof mit seinen rund 80 Zimmern und etwa 25 Mitarbeitenden Mitte 2012 erworben und in die Sorell-Gruppe integriert. Bereits zu Beginn sei klar gewesen, dass das 1972 von Stararchitekt Justus Dahinden neu erstellte Gebäude den heutigen Anforderungen nicht mehr genüge, schreibt die Liegenschaftsbesitzerin: «Sein baulicher Zustand verlangt eine umfassende Sanierung.»

Mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Aarau wäre es nun möglich geworden, das Gebäude von bisher 23 auf neu maximal 33 Meter zu erhöhen. Da eine Aufstockung bautechnisch kaum realisierbar wäre, hatte der ZFV entschieden, das bestehende Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen. Anfang 2019 wurde das Siegerprojekt eines Studienwettbewerbs erkoren, welches seitdem mit dem betreffenden Architekturbüro («:mlzd», Biel) «weiterentwickelt und optimiert wurde».

Der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker hatte nach der Vorstellung des Wettbewerbssiegers 2019 vom «sehr schönen Projekt» geschwärmt. Wie gross ist die Enttäuschung nun? «Für die Stadt war die Perspektive auf einen Neubau des Hotels Aarauerhof sehr positiv», sagt Hilfiker. «Für uns bleibt der Standort beim Bahnhof für einen Hotelbau in dieser Dimension absolut geeignet. Wir verstehen aber die Situation der ZFV-Unternehmungen. Corona hat bei allen touristischen Betrieben ganz massive Auswirkungen; wir haben von Umsatzausfällen bis 70 Prozent gehört.» Für die Stadt wäre es nun ideal, so Hilfiker weiter, «wenn ein Käufer gefunden wird, der das ausgewählte Projekt mit der vorgesehenen Hotelnutzung realisieren will».