Eine Art Standortgarantie für Suhr – das sind die Pläne des Möbel-Pfister-Nachfolgers

Welche Prominenten bei Möbel Pfister das Sagen haben und was der Verkauf an die Österreicher bedeutet.

Urs Helbling
Drucken
Teilen
Corina Eichenberger, Rudolf Obrecht und Stefan Linder am 23. Oktober in Zürich bei der Bekanntgabe des Verkaufs von Möbel Pfister an XXXLutz.

Corina Eichenberger, Rudolf Obrecht und Stefan Linder am 23. Oktober in Zürich bei der Bekanntgabe des Verkaufs von Möbel Pfister an XXXLutz.

WALTER BIERI

In der Zeit, in der Möbel Pfister als unverkäuflich galt, also bis am frühen Mittwochmorgen, 23. Oktober, wussten nur die wenigsten, wer in den Führungsgremien des Schweizer Traditionsunternehmens sass. Am ehesten noch bekannt war der ehemalige FDP-Regierungsrat und Swissair-Präsident Eric Honegger. Er war bis 2008 Stiftungsratspräsident, wurde dann von alt Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer abgelöst, die am 1. Juli von der abtretenden FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger ersetzt wurde.

Aarauer Unternehmer im Stiftungs- und Verwaltungsrat

Die zwei obersten Führungsgremien sind einerseits der Stiftungsrat der F. G. Pfister Stiftung und andererseits der Verwaltungsrat der F. G. Pfister Holding AG. Es war die Absicht des Stifters, dass im Stiftungsrat möglichst viele Personen mit Pfister-Stallgeruch Einsitz nehmen. Aktuell haben diesen vier der sechs Mitglieder. Neben Corina Eichenberger hat einzig der Aarauer Unternehmer Stéphane Meyer (Lagerhäuser Aarau) keine direkte Pfister-Vergangenheit.

Die Geschichte von Möbel Pfister:

Gegründet wurde das Traditionsunternehmen als Möbel- und Bettwarenladen mit Werkstatt, in Kleinbasel. Johann Jakob Pfister eröffnete das Geschäft 1982 und nannte sich selbst „Trödler, Bettwaren- und Möbelhändler“. 1912 übernimmt nach dem frühen Tod ihres Mannes seine Frau Margaretha Pfister-Christen die Geschäftsleitung.
12 Bilder
1916 übernimmt der 25-jährige Sohn Fritz Gottlieb Pfister das Geschäft und setzt neue Impulse
1918: Der erste Pfister-Camion wird angeschafft.
1922 kommt die erste Filiale dazu: In Zürich wird die Zweigniederlassung am Walcheplatz eröffnet. Möbel Pfister wird von der Einzelfirma zur Aktiengesellschaft.
1939: Zu den unterdessen drei Filialen in Basel, Zürich und Bern kommt eine weitere hinzu: Fritz Gottlieb Pfister entschliesst sich, mitten in der Schweiz – da wo sich die grossen Verkehrsachsen schneiden – ein neues Fabrik- und Verwaltungsgebäude zu bauen. Das Foto entstand acht Jahre nach dem Einzug in Suhr.
Bauernhäuser? Die gab es 1957 nördlich des noch zweiteiligen Pfister-Komplexes.
Nach fast 50jährigem Wirken übergibt Fritz Gottlieb Pfister das Verwaltungsrats-Präsidium seinem engsten Mitarbeiter Edy Burkhardt.
1000 Parkplätze – das war eines der Argumente von Pfister im Jahr 1970.
2006: Möbel Pfister bekommt ein neues Logo. Nach über 120 Jahren wurde das Wort „Möbel“ aus dem Logo genommen.
2015: Der Möbelriese Pfister wird noch grösser: Die Pfister Arco Holding schluckt das Einrichtungshaus Möbel Hubacher.
Am 3. April 2018 eröffnete der XXXLutz in Rothrist...
...und am 23. Oktober 2019 wird bekannt, dass die Österreicher Möbel Pfister übernehmen.

Gegründet wurde das Traditionsunternehmen als Möbel- und Bettwarenladen mit Werkstatt, in Kleinbasel. Johann Jakob Pfister eröffnete das Geschäft 1982 und nannte sich selbst „Trödler, Bettwaren- und Möbelhändler“. 1912 übernimmt nach dem frühen Tod ihres Mannes seine Frau Margaretha Pfister-Christen die Geschäftsleitung.

Möbel Pfister

Selbst der Basler Fachhochschulprofessor Andreas Stühlinger hatte schon mit dem Möbelhaus zu tun – als Controller. Kurt Hofmann und Roger Schenker arbeiteten als Chef respektive Finanzchef bei der Tochtergesellschaft Pfister Professional, die sich als Schweizer Marktführer Objektgeschäft Bodenbelag (B-to-B) bezeichnet. Beide sind pensioniert. Theres Jenni arbeitet noch bis im kommenden Frühling im Konzern.

«Sie tritt auf eigenen Wunsch Ende April 2020 als CEO der Arco Immobilien Management AG zurück», erklärt Rudolf Obrecht, Verwaltungsratspräsident der F. G. Pfister Holding. «Sie bleibt Vizepräsidentin des Stiftungsrates der F. G. Pfister Stiftung und Präsidentin der F. G. Pfister Vorsorgestiftung. Ihr Ausscheiden hat nichts mit dem Verkauf an XXXLutz zu tun.» Obrecht weiter: «Die Bedeutung der Arco Immobilen Management AG wird künftig möglicherweise noch steigen. XXXLutz übernimmt nur die betrieblich notwendigen Liegenschaften. Die anderen behalten wir und wollen wir verstärkt bewirtschaften und entwickeln. Dafür hatten wir bisher nie so richtig Zeit.» Die Arco Immobilien Management beschäftigt etwa 30 Personen.

Freund von Philipp Hildebrand seit Neuestem mit dabei

Das zweite wichtige Führungsgremium in der Pfister-Familie ist der Verwaltungsrat der F. G. Pfister Holding AG. Er wird auf Mandatsbasis von Rudolf Obrecht präsidiert, der auch Delegierter ist. Er ist seit 2012 Präsident und seit 2008 Mitglied. Der Solothurner arbeitete in den führen Neunzigerjahren als Zentrumsleiter bei Möbel Pfister in Suhr.

Erst seit Juli im Verwaltungsrat ist der Berner Stefan Linder, der Mitbegründer und ehemalige Besitzer des Swiss Economic Forums, kennt sich also in der Jungunternehmerszene bestens aus und ist sehr gut vernetzt. Der Berner Oberländer ist heute unter anderem Mitbesitzer der Blausee AG (die anderen Mitbesitzer sind Philipp Hildebrand, ehemaliger Nationalbank-Präsident, und André Lüthi, CEO der Globetrotter Group). Stefan Linder war bei Pfister Nachfolger von Navyboot-Gründer Bruno Bencivenga.

Vize-Präsident des Verwaltungsrates ist der Aargauer Reto Welte, der seit zehn Jahren Finanzchef der börsenkotierten Dätwyler Holding ist. National bekannt ist ein weiterer Verwaltungsrat: Roland Brack (brack.ch, wohnt im Aargau). Neben seiner Tätigkeit als Stiftungsrat ist Stéphane Meyer auch Verwaltungsrat der Holding.

Die-Schweiz-Büros werden in Suhr sein

Rudolf Obrecht und Reto Welte werden Einsitz nehmen im Verwaltungsrat des Unternehmens mit dem provisorischen Namen XXXLutz Schweiz. Also bei den Österreichern, die die 1800 Angestellten (davon 500 in Suhr) und 20 Filialen sowie viele Immobilien übernehmen.
Nach Bekanntgabe des Verkaufs war unklar, wo das neue Unternehmen seinen Sitz haben wird. Jetzt ist klar: Suhr wird – zumindest vorerst – nichts verlieren. «Die Büros werden in Suhr sein. Und auch der juristische und damit steuerrechtliche Sitz der Landesorganisation XXXLutz Schweiz», sagt Rudolf Obrecht. Im Einzelhandel gebe es eine Steuerausscheidung nach Fläche des Betriebs – ein steueroptimierter Hauptsitz an einem steuergünstigen Ort würde nichts nützen.

«Wir sind der aargauischen Tradition sehr verbunden»

XXXLutz ist von der Familie Seifert gegründet worden. Die Obersten Manager waren im Aargau – und Suhrs Gemeindeamman mit am Tisch: «Marco Genoni war dabei, als die zwei Herren Seifert zwei Tage nach der Medienorientierung in Suhr das Kader orientierten», sagt Präsident Rudolf Obrecht. «Ich habe Genoni eingeladen, damit er merkt, dass in Suhr nichts passieren wird. Wir sind der aargauischen Tradition sehr verbunden. Das bleibt auch in Zukunft so. Da ändert sich nichts.»