«Aeschbacher»

Erlinsbacher Schachwunder Gohar: «Ich habe meine Klasse mit Schach spielen angesteckt»

Mit sechs Jahren hat sie das Schachspiel entdeckt - und mit elf Jahren gehört Gohar Tamrazyan bereits zu den grössten Schachtalenten der Schweiz. In der Sendung von Kurt Aeschbacher erklärt sie, was an Schach so faszinierend ist und warum sie nicht mehr gegen ihren Vater spielt.

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Im Alter von sechs Jahren hat Gohar Tamrazyan das Schachspiel für sich entdeckt. Das erste Schachbrett hat sie allerdings schon mit fünf bekommen. Dieses hat aber einfach als normales Spielzeug benutzt.

Kurt Aeschbacher fragt die elfjährige Armenierin aus Erlinsbach: «Wie erklärt man das Spiel der Könige einem ‚Schachdubbel‘?»

Gohar Tamrazyan lässt sich nicht zwei Mal bitten: «Das Spiel hat zwei Spieler. Ziel ist es gleich zu Beginn mit den Bauern ins mittlere Feld vorzustossen. Schachmatt ist, wenn der gegnerische König angegriffen ist. Wer matt setzt ist Sieger.“»

Was einfach klingt, fordert viel Fleiss und Konzentration.

Turniere werden normalerweise auf Zeit gespielt. Ein Spiel kann von fünf Minuten bis zu zwei Stunden dauern. Es kann dann schon vorkommen, dass sich Gohar 40 Minuten Bedenkzeit nimmt, bevor sie den nächsten Spielzug setzt.

Schach macht Schule

Üblicherweise büffelt die elfjährige zwei Stunden täglich Schach. Das heisst: Taktikaufgaben lösen. Gohar erklärt was sie am Schach so sehr fasziniert: «Schach ist wie Mathematik – man muss immer vorausdenken.» Es überrascht wenig, dass Rechnen auch ihr Lieblingsfach ist.

»Die Lehrerin hat mir angeboten meinen Mitschülern Schach beizubringen», sagt Gohar. Für ihre Mitschüler ist das besondere Talent von Gohar kein Problem. Mittlerweile sei Schach der Pausensport an Gohars Schule in Erlinsbach. «Ja, ich habe meine Mittschüler wohl damit angesteckt», sagt das junge Schachtalent.

Wer nimmt es mit Gohar auf, dem elfjährigen Schachtalent aus Erlinsbach?
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So sieht das Übungsheft von Gohar aus, mit dem sie Zuhause trainiert.
Die damals achtjährige Gohar spielte am Bundesturnier 2012 gegen einen deutlich älteren Gegner – und gewann.
Bereits als Achtjährige war Gohar beim Schachspiel hochkonzentriert. Auch heute noch stützt sie ihren Kopf auf ihre Hände ab, wenn sie spielt.
Bundesturnier 2013: Gohar kann auch Gegner schlagen, die deutlich älter sind als sie.
Europameisterschaften 2013: Gohar denkt über ihren nächsten Zug nach.
Bundesturnier 2013: Gohar notiert jeden ihrer Züge. Das ist nicht nur Pflicht an den Turnieren, sondern hilft auch, die Partie nachher zu analysieren.
Gohar überlegt sich bis zu sieben Züge im Voraus (hier: Bundesturnier 2013).
Gohar wartet auf den ersten Zug ihres Gegners am Bundesturnier 2013.
Manchmal studiert sie bis zu 40 Minuten an ihrem nächsten Zug herum, wie hier an den Europameisterschaften 2013 in Montenegro.
Viel Trinken hilft, sich zu konzentrieren. Deshalb hat Gohar immer genug zu trinken dabei (hier: Schweizer Einzelmeisterschaft 2015).
Gohar und ihr Vater studieren das Schachbrett
Gohar blickt selten vom Brett auf, auch wenn ihr Vater einen Zug macht

Wer nimmt es mit Gohar auf, dem elfjährigen Schachtalent aus Erlinsbach?

Chris Iseli

Seit vier oder fünf Jahren gibt es auch in der Schweiz Schachschulen mit professionellen Schachtrainer. Roberto Schenker ist Gohars Trainer und Förderer. In Armenien beispielsweise gehört Schach bereits seit drei Jahren offiziell zum obligatorischen Schulunterricht.

Junge Talente in der Schweiz trainieren meist mit mehreren Lehrern. Neben Trainer Schenker hat Gohar einen Schachmeister, mit dem sie via Skype trainiert.

Für Robert Schenker ist klar: «Schach ist gut für Kinder. Sie sind konzentriert, nicht abgelenkt und lernen Entscheide zu treffen.» Gerade heute im Zeitalter der Informationsflut sei der Sport eine gute Vorbereitung auf das spätere Leben.

Wie der Vater so die Tochter?

Gohars Vater Ararat Tamrazyan spielt auch Schach – zu seiner Spielfähigkeit sagt Gohar: «Er spielt ganz gut.» Es ist klar – Gohar ist der Schachmeister in der Familie.

Mit der Tochter spielt er nur noch selten: «Immer zu verlieren macht keinen Spass.» Darüber kann Gohar nur lächeln. Denn ihr Ziel ist klar: «Ich will besser werden.»

Ein Porträt über das elfjährige Schachwunder finden Sie hier.

(lgi)