Densbüren

Erstmals am Feldschiessen: "Wie ich die Zielscheibe treffen soll, ist mir ein Rätsel"

Die az-Reporterin versuchte sich gleich selbst am Feldschiessen als Sturmgewehrschützin – dabei hatte sie zu vor noch keine gefährlichere Waffe als ein Rüstmesser in der Hand.

Seraina Ummel
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Die Reporterin Seraina Ummel freundet sich mit dem Sturmgewehr an.
11 Bilder
Feldschiessen Densbüren
Im Schiessraum kommt man um einen Gehörschutz nicht herum.
Die Pistolenanlage ist nur 25 Meter lang.
Mit der 9 mm-Pistole hat man 18 Schüsse zu Gute.
Das Schiessen mit der Pistole braucht eine sehr ruhige Hand.
Roger Senn präsentiert die Schiessbrille, mit welcher man das linke Auge nicht mehr zusammenkneiffen muss.
Peter Pfister ist mit meinem ersten Schuss zufrieden.
Im Restaurant hat man's auch ohne Waffen lustig.
Die Munition für's Sturmgewehr.
Zum Schluss gönnt sich ein Schütze eine Portion Älpermagaronen.

Die Reporterin Seraina Ummel freundet sich mit dem Sturmgewehr an.

Seraina Ummel

Sie kommen mit grossen Sporttaschen über der Schulter, auf schweren Motorrädern, tragen Lederjacke oder kurze Hosen: Das Volk der Feldschützen Densbüren könnte unterschiedlicher nicht sein. In den Sporttaschen jedoch haben sie fast alle das gleiche drin: Eine Pistole mit einem neun Millimeter Kaliber und ein Sturmgewehr. Und ich bin mittendrin in diesem Fest, das sich zwischen Zielscheibe, Geschoss und Älplermagronen abspielt. Ich, die noch nie etwas Gefährlicheres als ein Rüstmesser in der Hand gehabt habe.

Rund zweihundert Schützen haben sich auf der Schiessanlage Büelhalde in Densbüren am letzten Wochenende zum Feldschiessen getroffen. Dieses findet einmal im Jahr zur gleichen Zeit in der ganzen Schweiz statt. Es sei das grösste Schützenfest der Welt, sagt Peter Pfister. Er ist Trainer der Junioren der Schützengesellschaft Asp und wird mir bei meinen ersten Schiessversuchen assistieren.

Schwerer als gedacht

«Das Schiessen gehört für mich zum Spitzensport. Es erfordert höchste mentale Konzentration», betont der Präsident der SG Asp, Roger Senn. Dass das Schiessen wohl anstrengender wird, als es aussieht, wird mir beim Heben meines Sturmgewehrs 90 bewusst. Die Waffe ist schwer und reicht mir vom Boden bis zur Hüfte. Noch überlasse ich es lieber meinem Trainer, die Munition zu tragen.

Während bei der Waffenkontrolle der Lauf meines Gewehres kontrolliert wird, treffe ich auf Stefan: Für ihn ist der Wettkampf schon gelaufen. Er hat sich mit dem Sturmgewehr und mit der Pistole eine Anerkennungskarte und einen Kranz geholt. Und wie feiert ein so treffsicherer Schütze? Er beisst in sein Sandwich, nimmt einen Schluck Eistee und sagt augenzwinkernd: «Am Abend darf es dann etwas Alkoholisches zum Anstossen sein.»

Weit entfernt die Zielscheiben

Wenig später finde ich mich mit grossem Gehörschutz in der Schiesskammer wieder. Ein grosser Raum mit einer offenen Front, Matten am Boden und Computern, die die Punktzahl jedes Schusses in Sekundenschnelle sichtbar machen. Mit zusammengekniffenen Augen blinzle ich gegen die Sonne und entdecke, in dreihundert Meter Entfernung auf einer Anhöhe zwischen Tannen und Gehölz gelegen, die Zielscheiben. Wie ich eine davon auch nur am Rande treffen soll, ist mir ein Rätsel. Auf dem Bauch liegend, ziele ich mithilfe des Korns, wie es mir Peter beigebracht hat. «Gut Schuss», wünscht er mir und wenige Augenblicke später feure ich den ersten Schuss ab.

Völlig unerwartet von der Heftigkeit des Schusses blicke ich verdattert zu Peter. Die Zielscheibe ist getroffen! Als ich dann mit dem vierten Schuss meinen ersten Treffer in den Mittelpunkt der Zielscheibe lande, entflammt definitiv auch in mir rege Begeisterung fürs Zielen und Abdrücken. Nassgeschwitzt unter meiner Schiessjacke, mit 44 Punkten auf dem Laufblatt und lauter leeren Munitionshülsen um mich, fühle ich mich nun zu den ganz harten Jungs zugehörig.