Alte Reithalle

Ex Kripo-Chef Winzenried weicht bei der SVP Aarau-Rohr von Parteilinie ab

Heute Abend berät die Fraktion über die «Alte Reithalle».

Urs Helbling
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zvg

Die SVP Aarau-Rohr war einer der grossen Verlierer des letzten Wahlherbstes: Es gelang ihr nicht den Stadtratssitz von Regina Jäggi zu verteidigen. Und sie verlor einen Sitz im Einwohnerrat (neu noch 10). Das mit Abstand beste Resultat erzielte der Quereinsteiger Urs Winzenried. Und gerade er weicht beim voraussichtlich wichtigsten Thema des Aarauer Polit-Jahres von der Parteilinie ab: Winzenried hat sich im Vorfeld der Wahlen vom 26. November klar für das Kulturprojekt «Alte Reithalle» ausgesprochen.

"Ich unterstütze grundsätzlich das Kulturprojekt 'Alte Reithalle', weil dadurch die kulturelle Attraktivität und die Ausstrahlung der Kantonshauptstadt erhöht werden können. Die Finanzierung jedoch sollte schwergewichtig durch private Mittel sichergestellt werden", sagte er in der AZ im Oktober 2017.

Die SVP hatte im Winter 2016/17 versucht, das Vorhaben vorzeitig zu Fall zu bringen: mittels eines Referendums gegen den Projektierungskredit. Doch sie brachte die knapp 1400 nötigen Unterschriften nicht zusammen. Es fehlten am Schluss rund 200 Unterschriften.

Hanspeter Hilfiker springt ein

Am kommenden Montag geht es im Einwohnerrat um den Verpflichtungskredit von 20,45 Millionen Franken, an den die Stadt 7,725 Millionen Franken beisteuern soll. Die meisten Fraktionen besprechen das Geschäft heute Abend. Abgesehen von der SVP ist nicht mit grossem Widerstand zu rechnen.

Die SVP muss ihre Meinungsbildung erstmals seit acht Jahren ohne die Hilfe eines eigenen Stadtrates durchführen. Damit die drittgrösste Fraktion aber vom Informationsfluss nicht ganz abgenabelt ist, hat sich Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) bereit erklärt, jeweils in die SVP-Sitzungen hineinzuschauen. Dass in der Frage der Reithalle ihr Bestgewählter voraussichtlich von der Parteimeinung abweichen oder sich zumindest der Stimme enthalten dürfte, wird von den SVP-Exponenten als nicht gravierend dargestellt: «Man muss nicht immer unbedingt einhelliger Meinung sein», erklärt Thomas Richner.

Thomas Richner neuer Präsident

Richner ist am Freitag an der Generalversammlung zum neuen Präsidenten der SVP Aarau-Rohr gewählt worden. Er löst Marc Bonorand ab, der sechs Jahre lang Präsident war. Bonorand verbleibt aber im Vorstand. Das Gremium wurde vergrössert und verjüngt: Neue gehören ihm an Einwohnerrat Beat Krättli sowie Martin Burgherr und Cédric Zubler. Wiedergewählt wurden Susanne Heuberger, Simon Burger, Marc Dübendorfer und Peter Knörr.

Die SVP Aarau-Rohr hat gegen 200 Mitglieder. Ihre Kasse ist, wie das nach Wahljahren üblich ist, fast leer. Eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags war aber nicht nötig. An der Generalversammlung wurde der für die Partei enttäuschende Wahlherbst kurz gestreift, aber nicht intensiv diskutiert. Es gehe jetzt darum, in die Zukunft zu schauen, betont der neue Präsident Richner. Darum sei auch die «Alte Reithalle», über die der Aarauer Souverän voraussichtlich am 10. Juni abstimmen wird, bereits ein Thema gewesen.