Aarau
Für Curlerin Silvana Tirinzoni zählt nur der Titel

Curlerin Silvana Tirinzoni und ihr Team Aarau PWC reiten auf der Erfolgswelle. An der Schweizer Meisterschaft wollen sie das WM-Ticket lösen – aber die Konkurrenz ist stark.

Fabio Baranzini
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Silvana Tirinzoni lebt in Mellingen, spielt aber seit acht Jahren für den Curling Club Aarau. FBA

Silvana Tirinzoni lebt in Mellingen, spielt aber seit acht Jahren für den Curling Club Aarau. FBA

Fabio Baranzini

Silvana Tirinzoni gehört mit ihrem Team seit mehreren Jahren zu den besten zehn Curling-Equipen der Welt. In der Schweiz stand der Aarauer Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren aber stets ein anderes Team vor der Sonne. 2013 war es Binia Feltscher vom CC Flims, 2014 war es Alina Pätz vom Team Baden Regio. Beide wurden Weltmeisterinnen und standen daher vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit.

Silvana Tirinzoni und ihre Teamkolleginnen gerieten dagegen fast in Vergessenheit. «Das ist schon eine spezielle Situation. Einerseits bin ich stolz darauf, dass wir in unserem Land so viele starke Curlerinnen haben. Andererseits ist es natürlich auch ärgerlich, dass man zwar zu den Besten der Welt gehört, aber an der WM oder der EM nicht teilnehmen kann, weil ein anderes Schweizer Team besser war», beschreibt die 36-jährige Silvana Tirinzoni das Dilemma.

In dieser Saison hat sich das Blatt nun aber gewendet. Das Team Aarau PWC hat sich nochmals steigern können. Bereits drei Siege an internationalen Turnieren konnten Silvana Tirinzoni und ihre Teamkolleginnen feiern. In diesem Jahr sind sie gar noch ungeschlagen. Alle 15 Partien, die sie über zwei Turniere verteilt bestritten haben, konnten die Aarauerinnen gewinnen. In der Weltrangliste haben sie sich dank diesen Erfolgen bis auf Rang 5 vorgekämpft.

Was steckt hinter der Leistungssteigerung in dieser Saison? «Wir haben uns nach der letzten Saison zusammengesetzt und darüber gesprochen, was wir verbessern möchten. An diesen Details haben wir intensiv gearbeitet», so Tirinzoni. Als Beispiel nennt sie die verbesserte Kommunikation auf dem Eis, die dazu geführt hat, dass die Aarauerinnen ruhiger spielen und mehr Zeit haben. Woran das Team sonst noch gearbeitet hat, will Silvana Tirinzoni nicht preisgeben. «Sonst würde ich ja unser Erfolgsrezept verraten», sagt sie lachend.

Viel Leidenschaft

Silvana Tirinzoni, die bereits im Alter von 11 Jahren mit dem Curlingsport begonnen hat, spielt seit acht Jahren für den Curling Club Aarau. Sie ist das Herzstück des Teams, dessen Mitglieder in der Vergangenheit immer wieder gewechselt haben. Die 36-Jährige, die in Mellingen wohnt, ist mit viel Leidenschaft dabei. Täglich absolviert sie Trainings auf oder neben dem Eis und arbeitet zusätzlich mit einem Mentaltrainer. Daneben bestreitet sie ein 50-Prozent-Pensum bei der Migros Bank. Sie braucht diesen Job, denn nur vom Curlingsport kann sie nicht leben. «Obwohl wir viele Sponsoren haben, sind wir auf das Preisgeld angewiesen, um unsere Reisekosten zu decken. Selbst wenn wir eine tolle Saison spielen, bleiben am Ende bloss ein paar tausend Franken übrig, die wir dann im Team aufteilen», sagt Tirinzoni.

Doppelt wichtig

Obwohl der Curlingsport – gemessen am Aufwand – alles andere als lukrativ ist, denkt Silvana Tirinzoni noch längst nicht ans Aufhören. Vor allem nicht, wenn es so gut läuft wie in den letzten Monaten. Am Samstag steht nun mit der Schweizer Meisterschaft ein wichtiges Turnier auf dem Programm. Und das gleich im doppelten Sinne: Das Siegerteam darf die Schweiz Mitte März an der WM in Kanada vertreten und schafft zugleich auch die Qualifikation für die Olympia-Trials, deren Sieger wiederum an die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea fliegen darf. «Alles andere als der Sieg ist daher eine Enttäuschung. Eine ganze Woche zu investieren und am Ende bloss mit einer Silbermedaille dazustehen, wäre natürlich bitter», blickt Tirinzoni voraus. Bei der aktuellen Form startet das Team Aarau jedoch trotz der starken Konkurrenz leicht favorisiert in die nationalen Titelkämpfe.

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