Coronavirus

Gedränge vor dem "Platzhirsch" in Aarau: Polizei bewilligt Absperrung des Aussenbereichs

Vor dem "Platzhirsch" in Aarau kam es am Wochenende zu einem Gedränge, die Abstandsregeln wurden bei weitem nicht eingehalten. Gusti Burkart, Inhaber des Lokals, spricht von einer schwierigen Situation: Zwischen den Tischen draussen verlief bisher ein öffentlicher Fussweg. Nun darf der "Platzhirsch" den Aussenbereich am Abend absperren.

Fabian Hägler
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Gusti Burkart vor seinem "Platzhirsch"
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So sah es vor dem Platzhirsch am Wochenende aus: Distanzregeln werden missachtet.
Inhaber des "Platzhirsch" Gusti Burkart.
Inhaber des "Platzhirsch" Gusti Burkart.
Inhaber des "Platzhirsch" Gusti Burkart.
Inhaber des "Platzhirsch" Gusti Burkart.

Gusti Burkart vor seinem "Platzhirsch"

AZ

Dutzende von Leuten, die sich draussen vor dem "Platzhirsch" zwischen den Tischen drängen - dieses Bild publizierte David Schmid auf Twitter. "Wollt ihr die Läden in zwei Wochen wieder schliessen?!», schrieb der 22-jährige Student dazu. Das will Gusti Burkart, der Inhaber des "Platzhirsch", natürlich nicht. Auf Anfrage der AZ räumt Burkart ein: "Was man auf dem Bild sieht, gefällt auch mir nicht, am Wochenende ist es tatsächlich schwierig, dafür zu sorgen, dass die Leute den Abstand einhalten."

Burkart war am letzten Freitag, als das Bild entstand, selber nicht vor Ort im "Platzhirsch", doch schon am Donnerstag sei es eng geworden. Nach Rücksprache mit seinem Geschäftsführer sagt der Inhaber des Lokals: "Zwischen unseren Tischen im Aussenbereich verläuft ein rund 1,6 Meter breiter Korridor. Der musste bisher frei bleiben für Fussgänger, das machte die Situation am Freitagabend sehr schwierig. Da die Stadt voll mit Menschen war, liefen die auch permanent durch unseren Aussenbereich."

"Platzhirsch" darf Aussenbereich am Abend absperren

Optimal wäre aus seiner Sicht, wenn der "Platzhirsch" die Möglichkeit hätte, den Aussenbereich mit Gittern abzusperren. "Dann könnten wir sagen, wir haben draussen eine bestimmte Anzahl von Tischen, beim Eingang des Aussenbereichs jemanden zur Kontrolle hinstellen und nur soviele Gäste reinlassen, wie es Plätze hat", sagt Burkart. Ob eine solche Absperrung möglich ist, wollte der Besitzer möglichst rasch mit der Stadtpolizei Aarau abklären. Am Dienstagnachmittag meldet Gusti Burkart dann der AZ: "Die Polizei hat uns die Bewilligung erteilt, dass wir per sofort unseren Aussenbereich am Abend einzäumen dürfen und die Fussgänger kein Durchgangsrecht mehr haben." Mit dieser Massnahme sei es für das Personal im "Platzhirsch" viel einfacher, die Covid-Richtlinien umzusetzen.

An einem schönen und warmen Abend sei die Situation in der Altstadt und vor dem Lokal sonst wie in einem Bienenhaus. "Es ist nicht so, wie in einem Speiserestaurant, wo die Leute sich an einen Tisch setzen, dort essen und danach das Lokal wieder verlassen", sagt er. In einer Bar wie dem "Platzhirsch" herrsche ein Kommen und Gehen, "da sieht jemand einen Kollegen und geht zu ihm rüber, um mit ihm zu reden oder anzustossen, das gibt einfach mehr Bewegung." Burkart sagt, es sei auch schwierig und zum Teil unangenehm für das Personal, die Gäste zurechtzuweisen und auf die Coronaregeln aufmerksam zu machen. "Da kommt es schon vor, dass jemand ungehalten reagiert, und ständig können unsere Leute auch nicht nur darauf schauen."

Polizeikommandant: "Beizenkontrolle ist nicht unser Wunschgeschäft"

Burkart ist der Meinung, dass es nicht nur an Lokalbetreibern sei, die Gäste zurechtzuweisen - oder an der Polizei, noch mehr Kontrollen durchzuführen. "Es braucht das Bewusstsein der Leute, dass die Coronaregeln noch gelten und eingehalten werden müssen", sagt er. Bei der Kantonspolizei sind rund 40 bis 50 Polizisten im Einsatz, "die im öffentlichen Raum durch ihre Präsenz auch für zusätzliche Sicherheit sorgen", wie Polizeikommandant Michael Leupold im Interview mit der AZ sagte.

Schon vor der Öffnung sagte Leupold mit Blick auf die Vorgaben für Gastronomiebetriebe: "Als ich gelesen habe, was man mit den Restaurants vorhat, habe ich schon gedacht: Okay, das wird nicht ganz einfach. Die Kontrolle von Beizen ist jedenfalls nicht unser Wunschgeschäft. Seien wir ehrlich: Ohne die Selbstkontrolle der Betriebe und die Vernunft der Leute geht es nicht.

Polizeidirektor: "Regeln durchsetzen wird schwieriger"

Regierungsrat Urs Hofmann, Polizeidirektor im Aargau und Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und –direktoren, sagte gestern: «Sobald die Restaurants öffnen und wieder mehr Normalität ins Alltagsleben zurückkehrt, wird es für die Polizei schwieriger, die Coronaregeln durchzuziehen.» Man könne nicht Hunderte Ordnungshüter aufmarschieren lassen, um die Distanz- und Abstandsregeln an jedem Flecken zu kontrollieren.

Die Polizisten befänden sich in einer schwierigen Situation. «Das Hauptziel ist nicht, die Menschen mit Bussen zu drangsalieren, sondern das Virus in Schach zu halten. Es braucht sehr viel Fingerspitzengefühl. Doch wenn der Appell an die Vernunft nicht fruchtet, sind Bussen unumgänglich», sagt Hofmann. Im Aargau hätten die Polizisten übers Wochenende vereinzelt grössere Gruppen angetroffen.