Densbüren

Gespaltene Meinung: Selbstständig bleiben oder Aarauer Stadtteil werden?

Ennet der Staffelegg diskutierten Einwohner öffentlich die Fusion mit der Stadt Aarau. Bis März 2016 will der Densbürer Gemeinderat wissen, wie es weitergehen soll mit seiner Gemeinde im Projekt «Zukunfstraum Aarau».

Hubert Keller
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Die kleine Gemeinde liegt landschaftlich schön, ist aber finanziell stark unter Druck, im Rahmen des Projekts «Zukunftsraum Aarau» bietet sich eine Lösung des Problems an.

Die kleine Gemeinde liegt landschaftlich schön, ist aber finanziell stark unter Druck, im Rahmen des Projekts «Zukunftsraum Aarau» bietet sich eine Lösung des Problems an.

Sandra Ardizzone

«Stellt euch vor, ihr wärt ein Vogel, schwingt euch hundert Meter hoch und schaut nach unten. Wo zieht es euch hin, nach Frick oder Aarau?» Die Frage, die Vizeammann Robert Wernli in die Runde warf, beantwortete sich von selbst: Nach Aarau. Warum? Weil Aarau wirtschaftlich stärker ist. Einer sagte es so: «Aarau will mit dem Zukunftsraum mehr Einfluss gewinnen. Wenn wir uns mit Aarau zusammenschliessen, gehören wir dazu.»

Das Bekenntnis zu Aarau war nicht so eindeutig, wie es scheinen mag. An ihrem ersten Stammtisch, mit dem die Densbürer im Rahmen des Projekts «Zukunftsraum Aarau» ihre Position ausloteten, waren die Meinungen durchaus geteilt. Das zeigte sich auch in der Umfrage, bei der, wie Robert Wernli meinte, das Bauchgefühl entschied: Was wollt ihr in zehn Jahren sein, ein Stadtteil von Aarau, selbstständig oder eine Fricktaler Fusionsgemeinde? 17 bekannten sich zu Aarau, 17 zur Eigenständigkeit, nur drei können sich einen Zusammenschluss im Fricktal vorstellen. Auch wenn um Argumente dafür und dagegen gefochten wurde, die erste Auslotung der Volksmeinung in Densbüren war spontan und locker, hatte mitunter grossen Unterhaltungswert.

Wenig Interesse in Frick

Als die Distanz über die Staffelegg hinunter nach Aarau angesprochen wurde, relativierte ein Teilnehmer: «In sieben Minuten bist du in der Telli.» Die Antwort kam prompt: «Ich will doch nicht in die Telli. Nach Frick ist es nicht viel weiter.» Die schlagfertige Erwiderung: «Und wenn wir zu Aarau gehören, hält dich niemand davon ab, auch weiterhin nach Frick zu gehen.»

Der Gemeinderat hat tatsächlich auch ins Fricktal, konkret nach Frick, die Fühler ausgestreckt. Das Interesse scheint, wenn überhaupt vorhanden, bescheiden. Und zwischen Densbüren und Frick liegen Gemeinden, die wie der Gemeinderat feststellte, auch schmal auf der Brust sind.

Und darum geht es: Densbüren ist finanziell am Anschlag. Die Gemeinderäte, welche diesen Stammtisch in Gruppen moderierten, untermauerten die schlechte finanzielle Lage der 700-Seelen-Gemeinde mit Zahlen: Densbüren hat in der Region mit neuerdings 124 Prozent den höchsten Steuerfuss, hat pro Kopf Schulden von 4000 Franken, bezieht 900'000 Franken Finanzausgleich und die Steuerkraft ist mit weniger als 2000 Franken mithin die schlechteste in der Region.

Einer meinte zwar. «Mit einem Finanzausgleich von 900'000 Franken können wir unsere Selbstständigkeit finanzieren.» Doch die Realisten gaben zu bedenken: «Der Druck der Gebergemeinden wird stärker. Wie sich der Finanzausgleich entwickelt, ist ungewiss.»

Natur, Landschaft, Landwirtschaft

Auch wenn sich die Densbürer durchaus bewusst sind, dass sie finanziell nicht gut dran sind, wissen sie, was wichtig ist: «Wir müssen uns möglichst gut verkaufen.» Das heisst: Ja nicht zuviel Euphorie zeigen, sondern als selbstbewusste Verhandlungspartner auftreten. «Wir haben durchaus Stärken, die wir in die Waagschale werfen können.» Natur, Landschaft, Landwirtschaft ... Und dann zeigte sich doch noch die ganze Bauernschläue, welche die Densbürer offenbar besonders auszeichnet: «Die Aarauer brauchen uns nicht, aber sie können uns nicht übergehen, wenn es ihnen mit dem Zukunftsraum ernst ist.»

Selbstverständlich wurden auch Stimmen laut, die vor Demokratieverlust warnten: «700 Schnäuze gegen 20'000, da können wir nicht dagegen halten.» Und ein anderer fragte in die Runde: «Wollen wir wirklich ein Quartier von Aarau werden?» Doch jene Gruppe, die vor allem kritische Töne anschlug, meinte auch: «Wir bleiben offen. Eine Fusion mit Aarau schliessen wir nicht aus.»

Der Gemeinderat wird die an diesem ersten Stammtisch gesammelten Anregungen, Bedenken, Ideen und Forderungen in die nächsten Runden einbringen. Demnächst wird der Bevölkerung ein Fragebogen verteilt, um die Meinungen weiter auszuloten. Der nächste Stammtisch findet am 27. Januar statt.