Aarau
In diesem Luxus-Kindergarten reagieren Wasserhähne auf Berührung

Im Aarauer Scheibenschachen-Quartier ist der topmoderne Kindergarten Aare Nord eingeweiht worden. Hier reagieren Wasserhähne auf Berührung und Türen schliessen automatisch. Trotzdem soll der Neubau günstiger kommen als die budgetierten 3,9 Millionen Franken.

Ann-Kathrin Amstutz
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Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Der Ersatzneubau beherbergt drei Kindergartenklassen
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Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Der Ersatzneubau beherbergt drei Kindergartenklassen
Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Der Ersatzneubau beherbergt drei Kindergartenklassen
Einweihung des Kindergartens Nord im Aarauer Scheibenschachen
Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Ansprache von FDP-Stadtrat Lukas Pfisterer
Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Die Schüler im Kindergarten Aare Nord tragen unter der Leitung von Beatrice Künzi zwei Lieder vor.
Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Innenraum des Kindergartens 1 Aare Nord

Einweihung Kindergarten Aare Nord im Scheibenschachen Der Ersatzneubau beherbergt drei Kindergartenklassen

Die mit Name beschrifteten Miniatur-Stühle stehen in einem perfekten Kreis. Rundherum drängen sich die Kindergärtler, alle wollen Eltern und Geschwistern ihr Plätzli zeigen. Die Erwachsenen ducken sich, um nicht in die selbst gebastelten Schnecken hineinzulaufen, die an Schnüren von der Decke hängen. Alles ist heimelig eingerichtet, doch der Geruch ist noch neu.

Am Samstag ist der Kindergarten Aare Nord an der Kirchbergstrasse feierlich eingeweiht worden. Nach der Besichtigung aller Räume tragen die Kindergärtler unter gitarristischer Begleitung von Klassenlehrerin Beatrice Künzi das «Baustellenlied» vor. Es folgen Kurzansprachen von FDP-Stadtrat Lukas Pfisterer, Schulleiterin Brigitte Magni und dem Leiter Hochbau, Sebastian Busse. «Als junge Stadt braucht Aarau viele Kindergärten», stellt Pfisterer fest. «Das freut uns, denn Kinder sind unsere Zukunft.»

Budget unterschritten

Vor der Realisierung war das Projekt Aare Nord teils harsch kritisiert worden. Wegen des Budgets von 3,9 Millionen Franken wurde es von Gegnern als «Rolls-Royce-Projekt» betitelt. Doch der Einwohnerrat segnete den Kredit im Januar 2015 ab und anerkannte, dass für den Bau im Minergie-Eco-Standard eine höhere Investition nötig ist, welche sich langfristig auszahlen würde. Ein versuchtes Referendum scheiterte deutlich, sodass im August 2015 die elfmonatigen Bauarbeiten beginnen konnten.

Rückblickend sagt Sebastian Busse: «Für ein öffentliches Gebäude war es ein Turbo-Projekt.» Nicht ohne Stolz verkündet er, dass das Budget «substanziell unterschritten» wurde, auch wenn genaue Zahlen bis zum Rechnungsabschluss warten müssen.

Modernität in allen Belangen

Und so präsentiert sich das «Rolls-Royce-Projekt» heute: Der Kindergarten Aare Nord bietet nach dem Ausbau von zwei auf drei Klassen Platz für maximal 75 Kinder. Aktuell sind es 58 Schüler, schon nächstes Jahr dürften es einige mehr sein. Sollten in Zukunft sogar vier Klassen nötig sein, kann der Kindergarten um ein Stockwerk erweitert werden. So fängt der Neubau einerseits die steigenden Schülerzahlen im Scheibenschachenquartier auf, anderseits ersetzt er den dringend sanierungsbedürftigen Altbau aus dem Jahr 1946.

Der neue Kindergarten gefällt optisch: Lichtdurchflutete Räume mit bewusster Farbgebung, hochwertige Materialien und viel Platz. Auch moderne Gadgets wie auf Berührung reagierende Wasserhähne wurden eingebaut. Hier hätte Beatrice Künzi, Kindergarten-Klassenlehrerin und schulische Heilpädagogin, einige Details anders gemacht: «In pädagogischer Hinsicht sind sowohl die Wasserhähne als auch die automatisch schliessenden Türen nicht ideal», sagt sie. «Und die Küche ist aus Chromstahl, das ist unmöglich zum Putzen.» Doch sie betont, das sei Jammern auf hohem Niveau: «Was wir hier haben, ist Luxus: Noch nie hatten wir so viel Platz und so viel Gestaltungsfreiheit.»

Der Spielplatz ist öffentlich

Was sagen die Kinder zu ihrem neuen Reich? Die vierjährige Mari erzählt lachend: «Am liebsten bin ich in der Bäbiecke.» Auch Elena und Sarah nicken auf die Frage, ob es ihnen gefällt. «Wir sind am liebsten auf der Rutschbahn.» Dann kommen mit Luna und Grete zwei Expertinnen zu Wort: Die Freundinnen sind im grossen Kindsgi, deshalb kennen sie sowohl das Provisorium als auch den Neubau. «Der alte Kindsgi war auch schön, aber der neue ist noch viel schöner», sagen beide. Und: «Am liebsten sind wir auf dem grossen Riitiseili.»

Was viele Anwohner nicht wissen: Der Spielplatz ist ausserhalb der Kindergartenzeiten öffentlich, trotz Einzäunung und geschlossenem Törli. Es hat Baumstämme zum Herumklettern, Schaukeln, ein Klettergerüst und eine Rutschbahn.

Hier tollen die Kinder bei der Einweihung herum, während sich die Erwachsenen zum reichhaltigen Apéro begeben. Alle befragten Eltern sind glücklich mit dem Neubau, die Stimmung ist ausgelassen. Es ist ein versöhnlicher Projektabschluss.