Gesundheitswesen

Jeder vierte Job in Aarau hängt an der Krankenkasse – Tendenz steigend

Rund 8000 der 33'000 Arbeitsplätze in der Kantonshauptstadt sind im Gesundheitssektor.

Kim Barbara Wyttenbach
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Jobmotor Gesundheitswesen: Das Kantonsspital hat in den letzten 15 Jahren etwa 1600 neue Arbeitsplätze geschaffen. Bild: zvg

Jobmotor Gesundheitswesen: Das Kantonsspital hat in den letzten 15 Jahren etwa 1600 neue Arbeitsplätze geschaffen. Bild: zvg

Aargauer Zeitung

Viele klagen über die hohen, grösstenteils weiter steigenden Krankenkassenprämien. Doch es gibt auch eine Gegenleistung. In erster Linie in Form von Gesundheit. In zweiter Linie in Form von Jobs. Das Gesundheitswesen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dies zeigt ein Blick auf den Arbeitsmark der Kantonshauptstadt. Aarau hat 21'443 Einwohner und 33'000 Arbeitsplätze. Dabei hängt jeder vierte Job an der Krankenkasse. Denn das hiesige Gesundheitswesen schafft rund 8000 Arbeitsplätze. Das Wachstum in diesem Bereich war in den letzten Jahren stets stark. So ist alleine die Zahl der Mitarbeitende des Kantonsspitals Aarau (KSA) seit 2005 (2989 Mitarbeiter) um 55 Prozent gewachsen. Heute beschäftigt das grösste Spital des Kantons 4634 Mitarbeitende, wovon 774 in Ausbildung sind. Diese führten im Jahr 2018 laut eigenen Angaben 28 803 stationäre, 520'779 ambulante und 42'060 Notfall- Behandlungen durch.

Das KSA wurde 1887 mit 190 Betten für Erwachsene und Kinder sowie 40 Betten für Gebärende eröffnet. Es gab neun «Pavillons und Baracken». Das war – im Vergleich zu heute – sehr bescheiden. Und nun steht ein 600-Millionen-Projekt an: Der Neubau soll bis 2024 stehen.

Privatspital verzehnfachte seine Belegschaft

Das KSA ist aber nicht der einzige grosse Player in Aarau. 1988 wurde die damalige AMI-Klinik («American Medical International Group») im Schachen eröffnet. Zu Beginn umfasste das Personal 80 Personen. 1990 wurde «AMI» von der Privatklinikgruppe Hirslanden übernommen. Hirslanden ist heute das grösste medizinische Netzwerk der Schweiz. In Aarau beschäftigt die Klinik mittlerweile 887 Mitarbeitende. Die Anzahl Mitarbeiter ist also um das 10-fache gewachsen – innerhalb von gut 30 Jahren. Das «Hirslanden»-Belegarztsystem führte zudem dazu, dass viele Praxen eröffnet worden sind. Auch sie schufen Jobs.

Auch andere Kliniken wählten Aarau als weiteren Standort für ihre Dienstleistungen. Zuletzt vermeldete die Klinik Barmelweid (Erlinsbach AG), sie werde am Ziegelrain 1 (Denner-Gebäude) ein Ambulatorium eröffnen. Hier soll ein psychosomatisch-psychotherapeutisches Angebot etabliert werden. Es sind zehn Mitarbeitende vorgesehen. Seit 2004 ist auch die Klinik Schützen Rheinfelden auf dem Platz Aarau. Mittlerweile beschäftigt die Privatklinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie 26 Mitarbeitende. Im Dezember will die Klinik ihre Aarauer Aktivitäten an einem Ort konzentrieren: Sie möchte für 1,2 Mio. Franken das Ambulatorium im Ostteil der Bahnhoferweiterung unterbringen. Damit verbunden ist auch ein Wachstum von möglicherweise zwei bis drei Stellen.

Wie viel Geld in das Gesundheitswesen investiert wird, ist am Bahnhof in Aarau gut ersichtlich. Der Standort hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Gesundheits-Cluster entwickelt. Da sind das KSA-Praxiszentrum, die Pallas Klinik und das Röntgeninstitut Aarau. Pallas Aarau wurde 2012 eröffnet. Es arbeiten sechs Ärzte und ein Optiker in der Praxis. Das Röntgeninstitut wurde 1978 eröffnet und wird von drei Radiologen geführt.

Viele Jobs in kleinen und mittleren Praxen

Auf Expansionskurs sind auch die Gruppenpraxen. Davon hat es in Aarau bereits einige: etwa das Arzthaus (23 Mitarbeitende), die Gesundwerk AG Centramed (17 Mitarbeitende), die Gruppenpraxis im Auenpark Rohr (5 Mitarbeitende) oder die Sanacare Gruppenpraxis (12 Mitarbeiter).

Ein schönes Beispiel für das Wachstum im Gesundheitswesen ist auch Skinmed von AZ-Kolumnist Felix Bertram. Er hatte nach der Jahrtausendwende eine einfache Hautarztpraxis übernommen. Heute beschäftigt seine Klinik alleine auf dem Platz Aarau rund 20 Personen. Letztes Jahr eröffnete Skinmed in Lenzburg einen zweiten Standort und verdoppelte damit seine Belegschaft auf 40 Mitarbeitende.

Neben den Allgemein- und Spezialpraxen bietet Aarau ein vielfältiges Therapieangebot an. So hat es alleine in der Stadt Aarau 25 Physiotherapiepraxen mit rund 60 Mitarbeitenden, 14 Praxen für Chinesische Medizin und nochmals 14 Praxen, die Hypnose anbieten. Die Chinesische Medizin boomt, wie die Grösse der Praxen beweist: Die Praxis der MediQi Aarau (Akupunktur, Chinesische Medizin) hat 10 Angestellte, «Gong TCM» hat 18 Angestellte. Im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie hat es in der Kantonshauptstadt rund 60 Praxen.

Weitere Arbeitgeber im Bereich Gesundheit sind Apotheken, Krankenkassen oder auch das Unternehmen Smith&Nephew Orthopaedics AG im Schachen. Die internationale Firma produziert 400'000 Knie- und Hüftimplantate pro Jahr. Es arbeiten rund 300 Mitarbeitende für das Unternehmen. Im Jahr 2018 wurden laut dem Magazin «Arbeitswelt Aargau» 30 neue Stellen geschaffen.

Deutlich mehr Studenten an der höheren Fachschule

Um dem Ausbildungsbedarf im Gesundheitswesen gerecht zu werden, bewilligte der Grosse Rat letztes Jahr einen Kredit von 4,6 Millionen Franken für einen zweiten Standort der Höheren Fachschule Gesundheit und Soziales (HFGS). An der HFGS werden die drei Lehrgänge Operationstechnik HF, Pflege HF und Sozialpädagogik HF angeboten. Angestellt sind rund 75 Mitarbeiter. Seit einigen Jahren verzeichnet die Ausbildungsstätte ein starkes Wachstum. 2011 besuchten 505 Studierende die Schule, im März 2019 waren es 826 Studierende. Die HFGS bezog im März einen zweiten Standort im «Relais 102» beim Bahnhof. Zudem werden an der Berufsschule Aarau Medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten ausgebildet.