Kolumne
Skalpell und Laser statt Kamera und Mikrofon: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt …

Eigentlich wollte Kolumnist Felix Bertram Schauspieler werden und nicht Schönheitschirurg. Ein Unfall veränderte dann aber alles.

Felix Bertram*
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Dermatologe Felix Bertram hatte eigentlich andere Berufspläne

Dermatologe Felix Bertram hatte eigentlich andere Berufspläne

Zvg

Als ich 16 war, wurde an meiner Schule eine TV-Serie gedreht. Wir Schüler durften unser Sackgeld aufbessern, indem wir als Statisten bei dieser Serie mitmachten. Als mal ein junger Profi-Schauspieler kurzfristig ausfiel, wurde ich von der Regie gefragt, ob ich mir diese Rolle zutraue? Ich habe sofort zugesagt, den geforderten Goethe-Text gelernt und die Rolle übernommen.

Anschliessend wurde ich von einer Agentur aufgenommen und regelmässig als Kleindarsteller für Filme gebucht. Ich durfte sogar einmal mit Christoph Waltz drehen, der später zwei Oscars in Hollywood gewonnen hat. Ich spielte einen Krankenpfleger, der dann im Aufzug des Spitals vom «Ermittler» aka Christoph Waltz abgepasst wurde, mit der Frage, ob ich von dem «mysteriösen Todesfall» im Spital etwas mitbekommen habe.

Dr. med. Felix Bertram

Felix Bertram ist Arzt und Unternehmer. Er ist Gründer der Skinmed Kliniken für Dermatologie und plastische Chirurgie.
Felix Bertram ist Arzt und Unternehmer. Er ist Gründer der Skinmed Kliniken für Dermatologie und plastische Chirurgie.

Mir hat das viel Freude bereitet und eigentlich war klar, dass ich Schauspieler werden wollte. Alles war für diesen Weg geebnet, an der Schauspielschule war ich angemeldet. Aber dann kam es anders.

Ein schwerer Motorradunfall kostete mich das linke Bein und führte zu einem langen Spitalaufenthalt. Dort war ich von einem jungen Arzt sehr beeindruckt. Er hat seine Patienten mit viel Mitgefühl und Empathie behandelt. Aus dieser Zeit weiss ich, wie «existenziell» die Erfahrung als Patient ist. Wie ausgeliefert man sich fühlt – oft verzweifelt und hilflos.

Als Arzt habe ich mir diese Zeit als Patient immer bewusst gemacht und versucht, meinen Umgang mit Patienten daran auszurichten – wohl wissend, dass auch meine Patienten Angst haben, besorgt sind, medizinische Vorgänge nicht unmittelbar verstehen. Dass die Art, wie ich als Arzt auf meine Patienten eingehe und ihnen das Gefühl gebe, die Situationen Seite and Seite mit ihnen gemeinsam zu lösen, auch ganz wesentlich den positiven Heilungsverlauf und die mentale Kraft beeinflussen.

Jedenfalls habe ich mich noch aus dem Spital heraus für den obligatorischen Medizinertest angemeldet und dann das Studium begonnen. Ich liebte das Medizinstudium, ebenso wie ich heute den Arztberuf liebe.

Zunächst wollte ich Unfallchirurg werden, es hat sich aber bereits im Studium herausgestellt, dass ich mit dem amputierten Bein keine acht Stunden im Operationssaal stehen kann, oft sogar mit einer schweren Bleischürze gegen die Röntgenstrahlen. Solche sind in einem unfallchirurgischen OP notwendig, um zum Beispiel gebrochene Knochen korrekt zusammen flicken zu können.

Über ein paar Umwege bin ich dann in die Dermatologie gekommen – auch dort war und ist bis heute mein Spezialgebiet die Chirurgie. In diesem Fall halt die Hautchirurgie. Das ist auch das Schöne an dem Fach Dermatologie: Es ist so vielfältig. Man kann sich auf Hauterkrankungen spezialisieren, auf Allergologie, Haare und Nägel oder Laser.

Aber eben auch die Chirurgie, denn insbesondere der Hautkrebs nimmt zu und ist zudem leider oft im Gesicht. Hier will es nicht nur gut und vollständig entfernt sein, sondern auch die anschliessende Narbe – die leider unumgänglich ist – sollte möglichst wenig auffallen. Die Hautchirurgie ist eine sehr filigrane und kreative Arbeit.

Bis heute liebe ich die Hautchirurgie und schätze meine Aargauer Patienten und die vielen Zuweiser. Ich habe das Privileg nun selber junge Ärzte:innen auszubilden und mein Wissen weiterzugeben. Mittlerweile kommen Ärzte und Ärztinnen aus der ganzen Welt, um bei uns zu lernen.

Ich würde auch heute wieder Dermatologe werden – das grösste Organ des Menschen ist einfach faszinierend! Und sich in seiner Haut wohlzufühlen ist ein schönes Gefühl.