Serbe verurteilt

Konfuser Prozess in Aarau um Drohungen, Gewalt und Sex

Das Bezirksgericht Aarau verurteilt einen 52-jährigen Serben wegen sexueller Nötigung zu drei Jahren Gefängnis. Er ging äusserst brutal vor.

Michael Küng
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Keystone

In einer Mainacht dieses Jahres eskaliert im serbischen Lokal Mladost in Suhr ein Streit zwischen zwei Liebhabenden. Sie will sich von dem verheirateten Mann lossagen. Vor den Augen von etwa 20 Gästen packt der Serbe darauf sein Opfer und schleift es in die Waschküche.

Dass sie sich wehrt und die Anwesenden anfleht, die Polizei zu rufen, rettet sie nicht – die Anwesenden ignorieren ihre Aufforderung. In späteren Zeugenaussagen geben sie zu Protokoll, den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben.

Zu schwach um sich zu wehren

Sie dreht den Kopf weg, worauf er ihr auf den Mund schlägt. Ihre Lippen springen auf. Sie bringt noch einen Satz hervor, sagt ihrem Peiniger, «das kannst du mit deiner Frau machen». Dann zwingt er sie, ihn oral zu befriedigen. Ein Entrinnen gibt es nicht – er hat die Tür abgeschlossen. Sie ist zu schwach, um sich zur Wehr zu setzen.

So weit die Schilderungen des Opfers. Ihr Sohn sagt vor Gericht aus, sie sei «verängstigt und blutüberströmt nach Hause gekommen». Der Arzt attestiert ihr später ein grosses Hämatom am Hinterkopf und eine Gehirnerschütterung. Auf dem Arztzeugnis steht «Schwere Misshandlung». Die beiden gehen zur Polizei und erstatten Anzeige gegen den seit vier Jahren arbeitslosen Mann.

Täter bedrohte Opfer und Zeugen

Bereits letztes Jahr hat er die Frau mit einem Messer bedroht. Als ihr Sohn die Polizei alarmierte, nötigte der Angeklagte die Anwesenden, darunter einige Bekannte, zu einer Falschaussage, wonach sie den Notruf wegen eines unbekannten Angreifers gewählt hätten – «sonst passiert etwas», drohte er ihnen.

Alle geben nach, die Polizei sucht kurz nach dem erfundenen Täter und zieht wieder ab. Nach den Geschehnissen im «Mladost» geht die Gepeinigte zur Polizei. Nun ist ihm im Bezirksgericht der Prozess gemacht worden. Im Gerichtssaal können sich einige Zeugen nur mithilfe eines Dolmetschers mit dem Gericht verständigen. Ihre Aussagen sind widersprüchlich. Ins Zwielicht rückt sich vor allem die Wirtin des Lokals.

Angeklagter wird verurteilt

Sie widerruft vor Gericht alles, was sie im Vorfeld gegen den Angeklagten ausgesagt hat, und greift stattdessen das Opfer an. So behauptet sie etwa, die Klägerin sei am Tatabend sturzbetrunken gewesen und erzähle Unsinn. Ihre plötzliche Kehrtwende stützt letztlich die Glaubwürdigkeit des Opfers mehr, als dass sie ihr schadet.

Das Verhalten der Wirtin ist bezeugend für einen Prozess, in dem sich Gerichtspräsident Thomas Müller aber letztlich nicht nur auf seine Menschenkenntnis berufen konnte: Der Täter ist einschlägig vorbestraft. Ein Arztzeugnis liegt vor, das schüchterne Opfer, vom Prozess sichtlich bewegt, wirkt glaubhafter als der mit stoischer Ruhe auftretende Täter, der die Vorfälle bis zuletzt abstreitet. Der Verteidiger versuchte, das Bild einer in jener Nacht Betrunkenen zu zementieren und plädierte aufgrund fehlender Beweise auf einen Freispruch: «In dubio pro reo» – im Zweifelsfalle für den Angeklagten.

Das Gericht folgt schliesslich dem Antrag des Staatsanwalts: Der Angeklagte wird verurteilt zu drei Jahren Gefängnis teilbedingt und einer Genugtuungszahlung über 1000 Franken. Von der Strafe muss er 18 Monate absitzen.