Foto-Wettbewerb
«Miss Manga» aus Aarau schaffts jetzt bis nach Japan

Sie hat zehn Tattoos, sechs Piercings – und liebt Knochen und Totenköpfe. Angela Laely alias Pinky näht Leder-Outfits für Rockbands, hat ein eigenes Kleiderlabel und reist nun als Gewinnerin des Foto-Wettbewerbs «Miss Manga» nach Japan.

Erik Schwickardi
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Dieses Foto brachte Pinky die Stimmen von 8859 Personen – und den Sieg im «Miss Manga»-Wettbewerb.

Dieses Foto brachte Pinky die Stimmen von 8859 Personen – und den Sieg im «Miss Manga»-Wettbewerb.

Matteo Fabbian

Ich liebe den Sommer und die Sonne! Und ich habe auch keine Sehnsucht nach dem Tod», stellt Angela Laely (29) alias Pinky («Mit 16 färbte ich zum ersten Mal meine Haare pink, daher mein Spitzname») gleich zu Beginn klar. In ihrem Gothic-Kleiderladen «7-sins» an der Metzgergasse 1 in Aarau ist düsteres Schwarz die vorherrschende Farbe.

Totenköpfe sind allgegenwärtig – auf Postern, Shirts oder als Ohrringe. In ihrem Atelier näht Modedesignerin Pinky Kleider, die einer Fantasiewelt entsprungen sind. Das Schneidern und Nähen hat sie sich selbst beigebracht. Die Kleider aus ihren Kollektionen «Gothic Lolita» und «Pirate» heissen Wunderlandbluse, Gammelpullover oder Pirate Princess. Rüschchen, Schleifen und Spitze gehören ebenso zu den Kreationen der Gothic-Designerin wie Totenschädel, Knochen und Kreuze.

Auch Pentagramme («Ein Zaubersymbol, dass Dich vor bösem Zauber schützt») oder der Satans-Geissbock Baphomet gehören zum Gothic-Style. «Viele verstehen diesen Look nicht», sagt Pinky. «Meinem Vater musste ich ja auch erklären, dass wir nachts keine Katzen auf dem Friedhof schlachten. Und dass Fetischpartys nichts Schlimmes sind.»

In der Gothic-Szene europaweit bekannt

Knochen und Totenköpfe versprühen für die 29-jährige Aarauerin Abenteuer, Freiheit und Wildnis. «Ich bin ein totaler Piraten-Fan. Totenköpfe gefallen mir einfach, an das Okkulte dahinter glaube ich weniger.» Und überhaupt: «Komisch sind doch eher die, denen man es nicht ansieht», sagt Pinky, die ihren Körper mit zehn Tattoos und sechs Piercings verziert hat. Von den drei Unterlippen-Piercings bis zur Jack-Sparrow-Schatzkarte auf dem Unterarm. «Manchmal starren die Leute mich schon an. Ich würde ja alles gerne erklären. Aber die Leute fragen ja nicht.»

In der Gothic-Szene ist Pinky europaweit bekannt. Für Gothic-Bands in schneidert sie spezielle Bühnen-Outfits aus Kunstleder – etwa für die deutsche Gothic-Rock-Band «Lord of the Lost». Auch die wilden Rockmusiker von «Lost Area», «Hell Boulevard», «Blutengel», «States of Panic», «Winterspring» oder «Tierrax» fahren auf das Gothic-Label aus dem Aargau ab. «Vielleicht klopfen ja auch noch mal die Jungs von Black Sabbath an – das wäre der Mega-Hammer!», träumt Pinky, die via Social Media-Tools wie Facebook, Instagram und Tumblr äusserst versiert die Szene mit News versorgt.

Beule aus Salzlösung unter die Haut gespritzt

Trotz Totenkopf-Tattoos und Lippen-Piercings ist Angela Laely entwaffnend offen und bodenständig. Weil der Gothic-Shop nicht immer gleich gut läuft, ist sie – nach einer Ausbildung in der Visagisten- und Maskenbildnerschule Colorline in Aarau – auch noch als Visagistin tätig. Etwa beim Freilichttheater Niedergösgen («Das kleine Welttheater»). «Tattoos stechen lerne ich zurzeit ebenfalls – mein erstes Motiv war eine Hipster-Eule.» Und früher war Pinky Pfadiführerin «Lychee» bei der Pfadi Adler Aarau. Daneben liest sie gerne Mangas, die japanischen Comics. «Ich bin ein grosser Japan-Fan.»

«Eine Facebook-Freundin machte mich auf den Wettbewerb «Miss Manga» von L’Oréal Paris Schweiz aufmerksam.» Mehr als 1000 Teilnehmerinnen schickten ihre Fotos im Manga-Look (eine Wimperntusche der Kosmetikfirma trägt den Namen «Miss Manga») ein, die Internet-Community stimmte ab. Der stylishe Look von Pinky erhielt 8859 Klicks.

Und die Jury erkor die Aarauerin zur «Miss Manga Schweiz.» Jetzt fliegt Angela Laely im Herbst für sieben Tage nach Tokio. «Wahnsinn – ich freue mich riesig! In Japan mache ich mir einen ‹Donut Head› und trinke ein Glas Sake», meint Pinky. Eine künstliche 24-Stunden-Beule mittels Salzlösung, die unter die Haut gespritzt wird – das passt zu Pinky.

Manga: Zeichentrick auf Japanisch

Manga ist der japanische Begriff für Comics. Typisch für die Comicfiguren in Mangas sind grosse, ausdrucksvolle Augen und Münder. Neben den Zeitschriften entstanden Comicfilme und Serien, die sogenannten Animes. In der Schweiz bekannt sind «Captain Future», «Sailor Moon» oder «Pokémon». Mangas gibt es für jede Alters- und Interessengruppe. Sie zeigen den Alltag japanischer Jugendlicher, thematisieren Freundschaft und erste Liebe. Zu Treffen mit Gleichgesinnten verkleiden sich Manga-Fans wie ihre Lieblings-Charaktere dar. (esw)