Aarau

Nach den Baustellen drücken jetzt Renovationen auf den Umsatz

Kaum sind in den Gassen die Bauarbeiter weg, renovieren Besitzer ihre Altstadthäuser. Für die betroffenen Ladenbesitzer bedeutet dies Umsatz-Einbussen von bis zu 50 Prozent.

Anna Wanner
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Die Kronengasse 4 (links) und 1 mit Baugerüst. Toni Widmer

Die Kronengasse 4 (links) und 1 mit Baugerüst. Toni Widmer

Die Baustellen sind aus der Altstadt verschwunden. Zumindest fast: In der Kronengasse sind zwei Häuser eingerüstet. Am Haus Nummer 4 wird die Fassade aufgefrischt und der Estrich zur Wohnung umgebaut. Das Haus an der Kronengasse 1 wird komplett renoviert.

Die eingemieteten Ladenbesitzer an der Kronengasse 4 sind unzufrieden. «Der Umbau liegt uns auf dem Magen. Denn die Passanten laufen ums Gerüst herum anstatt unten durch», sagt Hans-Rudolf Büchli, Besitzer des Men’s Republic.

Zwar begrüsse er es, dass das Haus schön aussehe. Doch wegen des Gerüsts komme niemand am Schaufenster vorbei.

Mieter profitieren vom Umbau

Büchlis Nachbar, Chocolatier Mark Bachmann, ergänzt: «Laufkundschaft verzeichnen wir keine mehr. Zum Glück bleiben uns die Stammkunden treu.» Er büsse seit Oktober massiv an Umsatz ein, sagt Bachmann.

Für das Weihnachtsgeschäft, mit dem er jeweils den grössten Umsatz erwirtschafte, sehe er schwarz.Zumal die Bauleitung vor zwei Tagen informiert habe, dass sich der Umbau verzögere. «Anstatt bis Ende November dauert die Renovation bis in den Dezember hinein», sagt Bachmann.

Liegenschaftsbesitzerin Carol Breuninger begegnet der Kritik: Erstens gewähre sie eine Mietzinsreduktion und zweitens würden auch die beiden Läden von einer renovierten Fassade profitieren, sagt sie. «Ausserdem zählen beide auf eine fixe Kundschaft und sind weniger abhängig von Laufkunden.»

Einbussen um mehr als 50 Prozent

Schräg vis-à-vis befindet sich das Design-Geschäft von Jürg Giger. Obwohl sein Umsatz um mehr als die Hälfte einbrach, hegt er keinen Groll gegen seinen Vermieter: «Die Häuser müssen renoviert werden, damit sie zu den schönen Gassen passen.» Der Umbau sei für sein Geschäft «eine Katastrophe»: «Auch zur Altstadteröffnung und am Rüeblimärt verirrte sich keiner in meinen Laden. Nur Stammkunden.» Giger sagt, er halte sich mit einem kleinen Handelsbetrieb über Wasser. Um den kümmert er sich, wenn der Laden leer ist. «Sonst müsste ich schliessen.»

Doch der Besitzer sei ein Liebhaber alter Gebäude. «Für die sorgfältige Renovation nehme ich eine längere Bauphase in Kauf», sagt Giger. Dafür habe er einen einzigartigen bedeckten Innenhof. «Wie in Venedig.»