Standortmarketing

Nach Eklat: Jetzt will die Behörde die Stadt Aarau mehr selbst vermarkten

Markus Schenk, der Leiter des Aarauer Standortmarketings, ist zurückgetreten. Der Gemeindeammann ist von diesem Schritt nicht überrascht und sagt, wie es mit der Werbung für Aarau weitergehen soll.

Hermann Rauber
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Standortmarketing Aarau

Standortmarketing Aarau

Aargauer Zeitung

Unterschiedliche Auffassungen über die Entwicklung der «Marke Aarau» haben zu einem Doppelrücktritt an der Spitze des Vereins Aarau Standortmarketing (VAS) geführt (az berichtete). Präsident Hanspeter Hilfiker und Geschäftsführer Markus Schenk zeigen sich Tage nach dem Eklat noch immer «enttäuscht» und «frustriert». Mit der vom Stadtrat verordneten Beschränkung auf den «Tourismusbereich» verzichte Aarau auf ein «professionelles Standortmarketing».

Der vorliegenden Leistungsauftrag sei angesichts der seit 2008 laufenden Bemühungen um die Positionierung und die Promotion der «Marke Aarau» ein eigentlicher Rückschritt. Mit dem in Aussicht gestellten Beitrag von 300000 Franken sei einzig der Betrieb des Büros «aarau info» mit den traditionellen Dienstleistungen und Stadtführungen sichergestellt. Weitere Standortmarketing-Projekte, so Hilfiker, müssten auf «privater Basis» finanziert werden.

Vergebliche Aufbauarbeit?

Geschäftsführer Markus Schenk hat in den drei Jahren seines Wirkens viel Aufbauarbeit geleistet, die «in einem gewissen Rahmen weitergeführt werden muss». Dazu gehören Plattformen wie ein einheitliches Logo, die moderne Homepage der Stadt oder die Kongressmappe.

Der Verein hielt sich laut Präsident Hanspeter Hilfiker an den 2007 gutgeheissenen Auftrag des Einwohnerrates, ein «professionelles Standortmarketing aufzugleisen und umzusetzen». Von diesem Weg habe sich der Stadtrat mit dem Bestreben, nur noch im den Bereichen Freizeit, Kultur sowie Kongresse und Veranstaltungen tätig zu sein, entfernt, moniert Hilfiker.

In einem Schreiben an den VAS heisst es, man habe die Weichen anders gestellt, weil das «Standortmarketing auch Aufgaben enthält, die zwingend durch die politischen Behörden wahrzunehmen sind.»

Auf der anderen Seite halte der Stadtrat aber «an der bewährten Zusammenarbeit mit privaten Organisationen im Bereich Standortmarketing fest». Hilfiker und Schenk allerdings behaupten, dass es gerade an diesen Gemeinsamkeiten gefehlt habe.

Keine Wirtschaftsförderung

Zudem sei ein wichtiges Scharnier - die Stelle einer städtischen Wirtschaftsförderung - seit einem Jahr nicht besetzt. «Wir verstanden uns als Dienstleister für die Stadt Aarau, doch dies wurde nicht genutzt», fasst Schenk diese Zurückhaltung in Worte. Mit dem neuen Leistungsauftrag brauche es wohl in Zukunft keinen hauptamtlichen Geschäftsführer mehr, sagt Schenk, der sich Ende September verabschieden wird.

Ob die Nachfolge von Präsident Hilfiker intern oder im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung gelöst wird, ist noch unklar.

Der Vorstand des VAS hat dem von der Stadt offerierten Leistungsauftrag zugestimmt. Gleichzeitig musste der Verein den Austritt der Stiftung «Aarau - eusi gsund Stadt» aus der Trägerschaft zur Kenntnis nehmen. Damit verbleiben unter dem Dach des Standortmarketings noch der Gewerbeverband, das Zentrum und der Verkehrsverein Stadt und Region Aarau.

Verschiedene Auffassungen

Für Stadtammann Marcel Guignard kam der Doppelrücktritt «nicht überraschend». Schon seit einiger Zeit habe sich abgezeichnet, dass «die Auffassungen des VAS und der Stadt im Bereich des Standortmarketings nicht in Einklang gebracht werden können», sagt Guignard.

Demgegenüber begrüsst der Stadtrat die Zustimmung der Trägervereine zum neu formulierten Leistungsauftrag. Der Stadtrat freue sich «auf die konstruktive Zusammenarbeit mit dem VAS, verbunden mit dem Dank an die beiden Ausscheidenden Hilfiker und Schenk.

Wie tönt es bei den Hauptträgern des Vereins? Für Marcel Suter, dem Präsidenten der Geschäftsvereinigung Zentrum, ist klar: «Das Spiel muss nicht neu erfunden werden», die Absichten und Ziele des Aarauer Standortmarketings seien nach wie vor richtig, man müsse aber die «bestehenden Strukturen weiterentwickeln». Das könne nur in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und der Verwaltung geschehen.